Wien/Österreich, 29.08.2014/APD   Frauen, ethnische Minderheiten und niedrige Kasten hätten in Nepal besonders schwere Lebensbedingungen, teilte Corinna Wagner, Mitarbeiterin der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich, mit. ADRA Österreich führe ein Projekt für Frauen im Distrikt Bardiya im Süden Nepals durch. Große Teile der Region seien zum Nationalpark erklärt worden, um Wälder und gefährdete Tierarten zu schützten. In der Region lebten sehr viele Menschen, die zu den Dalits, den “Unberührbaren”, gehörten. Sie seien früher an den Landbesitzer gebundene Arbeiter gewesen und erst vor wenigen Jahren frei gekommen. Sie hätten in den letzten Jahren ein kleines Stück Land von der Regierung erhalten, auf dem sie lebten und wo sie etwas anbauen könnten.

ADRA arbeite seit fünf Jahren mit den Menschen in diesen Dörfern. Nach großen Überschwemmungen, infolge derer ADRA Familien beim Wiederaufbau der Häuser unterstützte, begann ein langfristiges Ausbildungskonzept, um besonders die Frauen auszubilden und dadurch den Familien zu einem besseren Leben zu verhelfen, berichtete Wagner. In den Unterrichtsklassen hätten die Frauen nun lesen, schreiben und rechnen gelernt. Sie hätten sich gemeinsam zu Spar- und Kreditgruppen formiert. “Das funktioniert folgendermaßen: Jede Woche treffen sich die Frauen und zahlen einen kleinen Betrag in den Sparfonds der Gruppe ein – das waren zu Beginn zum Beispiel zehn Cent”, informierte Wagner. Schon für diesen Betrag hätten sie bei ihren Männern um Geld bitten müsse. Langsam habe sich der Betrag gesteigert, da die Familien das Konzept des Sparens begriffen. In der Zwischenzeit hätten viele Gruppen Beträge von 500 bis 1.000 Euro angespart. Diese seien ständig in Form von Kleinkrediten an die Gruppenmitglieder im Umlauf. Die Frauen könnten sich Beträge von 20 bis120 Euro ausleihen, um vor allem in einkommensfördernde Projekte zu investieren. So kauften sie zum Beispiel ein paar Ziegen, Hühner oder eine Nähmaschine, um damit Geld zu verdienen.

“Einige Frauen haben uns stolz erzählt, dass sie nun das Geld selber verdienen und nicht mehr ihre Männer oder Mütter um den regelmäßigen Sparbetrag anfragen müssen”, betonte Wagner. Es gebe aber auch Männer, die ihren Frauen einen Teil des erarbeiteten Einkommens gäben, um noch mehr in die Sparkasse einzuzahlen. Die Kassenführerinnen hätten gelernt, wie man die Zinsen berechnet. Die Frauen wüssten, welchen Zinssatz sie für ihre Gruppe für Kredite festlegen könnten, der wiederum den Sparfonds ansteigen lasse.

Den Frauen sei die Problematik rund um den Klimawandel bewusst geworden. Sie wüssten, dass sie die gefährdeten Wälder rund um ihr Dorf schützten müssten, um auch ihre Felder vor Erosion zu bewahren und zu vermeiden, dass ihre Wasserquellen langsam austrockneten. Verschiedene Dorfbewohner und auch Leitungspersonen aus der Umgebung hätten an ADRA-Schulungskursen zur Weiterentwicklung von Dorf und Region teilgenommen. Im vergangenen Jahr seien zudem 900 Frauen im Anbau von Gemüse ausgebildet worden. Nun wüssten sie, wie sie in den Küchengärten hinter ihrem Haus wichtige Nahrungsmittel anbauen könnten, berichtete Corinna Wagner. Einige bebauten sogar als Gruppe gemeinsam größere Flächen. Sie hätten durch den Verkauf ein eigenes Einkommen und könnten die Ernährung ihrer Familien deutlich verbessern.

ADRA Österreich habe im Mai 2014 gemeinsam mit einheimischen Kollegen die Frauen besucht, um mit ihnen zu besprechen, was verbessert werden könne und welche Probleme es noch gebe. Die Entwicklung, welche die Frauen gemacht hätten, sei beeindruckend, hob Wagner hervor. Die Frauen seien aus ihren früher verschlossenen Häusern herausgekommen, sie arbeiteten zusammen und wären neugierig, die Welt weiter zu entdecken. Sie tauschten ihre Erfahrungen aus und hätten heute eine Stimme in ihrem Dorf. Sie würden nun viel selbstbewusster für ihre Anliegen eintreten.

Doch manches müsste laut Wagner noch verbessert werden. Etwa die Vermarktung der Produkte, das unternehmerische Denken und die Vernetzung mit lokalen Dienstleistern und Kooperativen in der Region. Gewalt gegenüber Frauen in der Familie wäre immer noch ein Thema, stellte Corinna Wagner fest. Frauen bekämen erst langsam eine stärkere Stimme in der Dorfgemeinschaft. Außerdem müsste die ökologische Nachhaltigkeit weiter betont werden, bis die einzelnen Aspekte in den Dörfern und von den lokalen Behörden umgesetzt würden.
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