APD
| Dokumentation |
Die nachfolgende Erklärung wurde am 15. April 1997 vom Verwaltungsausschuß der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten (ADCOM), Silver Spring, Maryland/USA, verabschiedet.
Wie Siebenten-Tags-Adventisten den römischen Katholizismus sehen
Für Siebenten-Tags-Adventisten sind alle Männer und Frauen vor Gott gleich. Voreingenommenheit und Überheblichkeit lehnen wir ab, unabhängig von Person, Rasse, Nationalität oder Glaubensbekenntnis. Wir sind froh zu wissen, daß es auch in anderen Konfessionen einschließlich der römisch-katholischen Kirche aufrichtige Christen gibt. Einvernehmlich arbeiten wir mit allen Organisationen und Körperschaften zusammen, die bemüht sind, menschliches Leid zu lindern und Christus in der Welt zu erhöhen.
Siebenten-Tags-Adventisten bemühen sich um eine positive Einstellung zu anderen Glaubensrichtungen. Unsere Aufgabe sehen wir nicht darin, vor allem auf die Fehler anderer Konfessionen hinzuweisen; vielmehr haben wir das Evangelium von Jesus Christus im Zusammenhang mit seiner baldigen Wiederkunft zu verkündigen.
Die Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten gründen sich auf die biblisch-apostolische Lehre. Viele wesentliche Lehrauffassungen der Christenheit teilen wir darum mit Angehörigen anderer christlicher Kirchen, unabhängig von unserem Selbstverständnis als einer Bewegung, die sich mit einer Botschaft der Entscheidung an Christen und Nichtchristen wendet. Wir vermitteln Hoffnung durch eine Lebensqualität, die in Jesus Christus ihre eigentliche Erfüllung findet.
Was unsere Beziehung als Adventisten zum römischen Katholizismus betrifft, so spielen dabei die Vergangenheit wie auch die Zukunft eine Rolle. Die geschichtlichen Berichte, wonach die römisch-katholische Kirche Intoleranz bis hin zur Verfolgung Andersgläubiger praktizierte, läßt sich nicht einfach auslöschen oder übersehen. Hinzu kommt das römisch-katholische System der Kirchenleitung; es beruht auf außerbiblischen Lehren wie dem päpstlichen Primat. In Zeiten enger Verflechtung zwischen Kirche und Staat führte das zu schwerer Mißachtung der religiösen Freiheit.
Darüber hinaus sind Siebenten-Tags-Adventisten von der Richtigkeit ihrer prophetischen Auffassungen überzeugt, wonach die Menschheit nahe an das Ende der Zeit herangekommen ist. Auf der Grundlage biblischer Vorhersagen glauben Siebenten-Tags-Adventisten, daß unsere Erde unmittelbar vor dem zweiten Kommen Christi eine Zeit beispielloser Unruhen erleben wird, wobei der Siebente-Tags-Sabbat eine zentrale Rolle spielen wird. In diesem Zusammenhang rechnen wir damit, daß Weltreligionen - einschließlich und in einer Schlüsselrolle führende christliche Gruppierungen bzw. Strukturen - sich zusammen mit den Weltmächten Gott und dem Sabbat widersetzen werden. Diese Vereinigung zwischen Kirche und Staat wird dann noch einmal zu weitverbreiteter religiöser Unterdrückung führen.
Die in der Vergangenheit liegenden Verletzungen christlicher Grundsätze allein einer bestimmten Konfession anzulasten entspräche weder den geschichtlichen Tatsachen, noch den Anliegen biblischer Prophetie. Wir müssen einräumen, daß zuweilen auch Protestanten einschließlich der Siebenten-Tags-Adventisten nicht frei von Vorurteilen und religiösem Fanatismus waren. Wenn Siebenten-Tags-Adventisten bei der Verkündigung biblischer Lehren es versäumen, ihren Gesprächspartnern liebevoll zu begegnen, dann ist das kein glaubwürdiges Christentum.
Siebenten-Tags-Adventisten wollen mit anderen fair umgehen. Darum sind wir uns zwar weiterhin der historischen Tatsachen bewußt und halten an unserer Sicht, wie wir Ereignisse der Endzeit einordnen, fest. Gleichzeitig jedoch erkennen wir eine Reihe positiver Veränderungen im neueren Katholizismus und sind der festen Überzeugung, daß viele römisch-katholische Christen unsere Brüder und Schwestern in Christus sind.
Kommuniqué zur dritten Konsultation zwischen dem Lutherischen Weltbund (LWB) und der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) in Jongny/Schweiz vom 1. bis 6. Juni 1997.
Die dritte Tagung im Rahmen der Konsultation zwischen Vertretern und Vertreterinnen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) und des Lutherischen Weltbundes (LWB) fand vom 1. bis 6. Juni 1997 in Jongny/Schweiz statt. Gastgeber der diesjährigen Gespräche waren die Adventisten. Ziel der Gespräche ist weiterhin, ein besseres gegenseitiges Verständnis zu erreichen, falsche Vorurteile abzubauen, Glaubensgrundlagen zu benennen sowie tatsächliche und scheinbare Reibungspunkte festzuhalten.
Die Gespräche fanden in einer herzlichen Atmosphäre und im Geiste des besseren gegenseitigen Verstehens statt. Nach Abschluß der Konsultationsreihe im Jahre 1998 werden eine gemeinsame Erklärung sowie die Veröffentlichung der Konsultationsbeiträge durch die STA und den LWB erwartet.
Die bilateralen Gespräche begannen täglich mit gemeinsamen Andachten, die abwechselnd von Lutheranern und Adventisten gehalten wurden. Die adventistischen Vertreter präsentierten Beiträge zu den Themen "Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und die christliche Welt" und "Das adventistische Verständnis von kirchlicher Autorität". Die lutherischen Teilnehmenden hielten Referate über "Taufe und Abendmahl in Lutherischer Tradition und in den gegenwärtigen Lehrgesprächen" sowie "Das Verständnis der Autorität der Kirche in den lutherischen Kirchen". Auf die Vorträge folgten lebhafte Diskussionen, und es wurden beachtliche Fortschritte auf dem Weg zum besseren gegenseitigen Verständnis erzielt.
Die Gespräche fanden unter dem gemeinsamen Vorsitz von Bert B. Beach (Adventist; USA) und Faith E. Rorbought (Lutheranerin; Kanada) statt. Auf adventistischer Seite nahmen ferner teil: Niels-Erik Andreasen (USA), Teofilo Ferreira (Portugal und USA), Johann Heinz (Österreich), William G. Johnsson (USA), Pardon Mwansa (Sambia und USA), Aulikki Nahkola (Finnland und Großbritannien), Jan Paulsen (USA), George W. Reid (USA), Angel M. Rodriguez (USA) sowie als Beobachter Maurice Verfaillie (Schweiz). Die lutherischen Vertreter und Vertreterinnen waren: Risto Saarinen (Finnland; Institut für ökumenische Forschung in Strassburg), Günther Gassmann (LWB; Deutschland), Erwin Buck (Kanada), Nelson Kilipp (Brasilien), Naohiro Kiyoshige (Japan), Ole Chr. Kvarme (Norwegen), Mariette Razivelo (Madagaskar), Jörg Rothermundt (Deutschland) und Antonia Bossart (LWB).
Die nächste und gleichzeitig letzte Konsultation zwischen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und dem Lutherischen Weltbund wird auf Einladung der Lutheraner voraussichtlich vom 11. bis 15. Mai 1998 in der Genfersee-Region stattfinden. Hauptthema der Konsultation von 1998 ist die Eschatologie (die biblische Lehre von den letzten Dingen).
Jongny, 6. Juni 1997
Lutherischer Weltbund (LWB), Genf, und
Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten (STA), Silver Springs, Maryland/USA.
| Kommentar |
zum 27. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Leipzig, 18. bis 22. Juni 1997.
"Gott will in unserem unchristlichen Land wohnen"
Salomonischer Spruchweisheit wurde das Leipziger Kirchentagsthema "Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben" entlehnt. Und um diese offensichtlich weithin fehlende Gerechtigkeit aus biblischer und soziologischer Sicht ging es Theologen und Laien vor vielen Tausend interessierter Zuhörer. Man spürte das Anliegen der Veranstalter, welche die Bibelarbeit als Herzstück der großen evangelischen Begegnung in der Stadt Johann Sebastian Bachs verstanden. Gewiß war schon der erste gemeinsame Kirchentag in der Ex-DDR nach 43 Jahren ein bewegendes Ereignis. Die 24 Mitgliedskirchen der EKD wiesen dazu ein vorzügliches Angebot von namhaften Rednern aus Kirche, Politik und Wirtschaft vor, die die gemeinsame Not, wie Arbeitslosigkeit und Armut deutlich beim Namen nannten und auf Abhilfe sannen. Dabei bemühten sich "Wessis" und "Ossis" auch redlich um einen Abbau jahrzehntelanger Vorurteile, übten sogar PDS-Politiker und ehemalige SED-Spitzenfunktionäre trotz einiger Proteste der dortigen Bürgerrechtsbewegung in Podiumsgesprächen Vergangenheitsbewältigung. So bekam der Leipziger Kirchentag zum andern eine wichtige politische Dimension.
So erfreulich die Bewertung des ehemaligen polnischen Außenministers Wladyslaw Bartoszewski zur wichtigen Rolle der evangelischen Kirche im deutsch-polnischen Annäherungsprozeß schon bald nach dem 2. Weltkrieg auch war, beunruhigte seine eher negative Beurteilung des deutsch-deutschen Verhältnisses um so mehr. Erhard Epplers Begründung hierfür "Unser Miteinander als Nation ist von Anfang an durch phantasielose Routine und durch das Verdorren der Politik verkorkst worden" mag gewiß dazu beigetragen haben. Zu mehr Geduld miteinander mahnte eine Berliner Bürgerrechtlerin und glaubt, daß "das Ost-Westthema erst bei unsern Kindern erledigt sein wird". Dennoch mag die Leipziger Zusammenkunft ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Integration zu einem Volk gewesen sein.
Dem Themenbereich "Glaube und Zukunft der Kirche" wurde in zahlreichen Referaten die ihm gebührende Gewichtung zugemessen und nicht selten die Frage nach Gott und seinem Stellenwert erhoben. Die feministischen Theologinnen mit Bischöfin Maria Jepsen an der Spitze schlugen sanfte, wenn auch sehr deutliche Töne mit ihrer nicht gerade gern vernommenen Forderung nach einer völligen Neuinterpretation der Theologie aus Frauensicht an. Beruhigend zu wissen, daß ihre männlichen Kollegen vorwiegend dagegen sind. Daß die Hamburger Theologieprofessorin Dorothee Sölle bekanntlich nicht viel von Luthers "sola scriptura" hält, zeigte sich bei ihrer Bibelarbeit über Paulus, dessen theologisches Gedankengebäude sie dort als fundamentalistisch und jüdisch einordnet und ablehnt, wenn es sich um Sexualität und andere christliche Ordnungsprinzipien handelt. Es geht aber nicht an, sich nur das aus der Heiligen Schrift herauszupicken, was einem persönlich gefällt und außerdem zum Zeitgeist paßt.
Der interkonfessionelle Dialog zwischen Evangelischen und Katholiken verlief in herzlich-brüderlicher Atmosphäre und wurde auf beiden Seiten von dem dringenden Wunsch und der Hoffnung auf Einheit trotz der noch im Wege liegenden Stolpersteine getragen. Bei der Diskussion zwischen Christen und Atheisten wurde freundlich aneinander vorbeigeredet. Dagegen blieb Bischof Engelhardts Appell zur Besinnung der Kirche auf ihre missionarische Aufgabe angesichts des zunehmenden Atheismus in Deutschland bestimmt nicht ungehört. Im Schlußgottesdienst sagte Propst Heino Falcke beschwörend: "Gott will in unserem unchristlichen Land wohnen." Dr. Wolfgang Tulaszewski
| © APD | Geändert am: 24.06.1997 |
URL dieser Seite:
http://adventisten.de/apd/juni/juni4.html
Webmaster Martin Haase, Köln, Mitglied
im st@online
e. V.