APD


Buchrezensionen


Hans-Martin Friedrich, "Die gefälschte Offenbarung: Anspruch und Wirklichkeit mormonischer Glaubenslehren. Mit Selbstzeugnissen ehemaliger Mormonen", Brunnen Verlag, Basel/Gießen, 1997, Paperback, 268 Seiten, 29,80 DM, ISBN 3-7655-1130-7.

Mormonen nennt man umgangssprachlich die Mitglieder der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage". Das "Buch Mormon" heißt die wichtigste heilige Schrift dieser Glaubensgemeinschaft, die ihr Gründer Joseph Smith (1805-1844) aus einer fremden Schrift und Sprache von goldenen Platten entziffert und übersetzt haben will, die er in einer Höhle nahe bei Palmyra/New York gefunden habe. Hier wird von Völkern berichtet, unter anderem Abkommen der Israeliten, die in der Neuen Welt quasi eine Parallelgeschichte zur biblischen Geschichte erlebten, wobei die "Guten" etwa 400 n. Chr. vernichtet wurden und die Nachkommen der "Bösen" nun die Indianer seien. Weitere Offenbarungsschriften der Mormonen sind "Lehre und Bündnisse", "Die Köstliche Perle" mit den Büchern "Mose" und "Abraham", "Die inspirierte Bibelübersetzung aus dem Matthäusevangelium" sowie "Das Zeugnis des Propheten Joseph Smith".

Die Gründung der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" im Jahre 1830 sorgte für Unruhe in der amerikanischen Bevölkerung, so daß die "Heiligen" immer wieder gezwungen waren, weiter nach Westen auszuweichen. Als Joseph Smith und sein Bruder Hyram 1844 von aufgebrachten Gegnern im Staate Missouri umgebracht wurden, führte der Nachfolger Brigham Young die Gruppe durch den Mittelwesten in das damals zu Mexiko gehörende, isolierte und wüstenartige Gebiet des heutigen Utah. Dort baute sie durch Fleiß ein blühendes Gemeinwesen auf, das 1896 von den USA als selbständiger Bundesstaat aufgenommen wurde. Seine Hauptstadt Salt Lake City ist mit seinem Tempel und dem Tabernacle heute ein Anziehungspunkt für Touristen. Der weltberühmte "Mormon Tabernacle Choir" ist auch Menschen ein Begriff, die überhaupt nicht wissen, was Mormonen denn sind und glauben.

Zwar erfolgte schon früh die Missionierung in Europa. Da aber die neuen Gläubigen ermuntert wurden, nach Utah auszuwandern, konnte der erste Tempel außerhalb der USA erst 1955 in Zolikofen bei Bern geweiht werden. In Deutschland befindet sich seit einigen Jahren ein solcher in Freiberg/Sachsen und Friedrichsdorf/Taunus. Die isolierte Lebensweise der Mormonen machte diese Gemeinschaft unauffällig. Trotzdem hat sie weltweit mehr als acht Millionen Mitglieder mit zunehmender Tendenz.

Nun ist schon immer vielen gläubigen Christen diese Religionsgemeinschaft suspekt: zum einen wegen ihrer Quellenschriften, die den Anspruch erheben, "Heilige Schrift" zu sein, zum anderen wegen des Selbsterlösungscharakters mormonischer Lehre durch gute Werke. Der alleinige Heilsanspruch der "Heiligen", das Gottesbild, die streng hierarchische Struktur, die eigenartige Sexualordnung, die stellvertretende Taufe für die Toten, die buchstäbliche Errichtung des Neuen Jerusalem in Amerika, von dem aus Christus nach der Wiederkunft die Welt regieren wird, etc. sind weitere Gründe der Kritik. Hans-Martin Friedrich untersucht einige dieser Punkte; vor allem aber beschäftigt er sich text- und literarkritisch mit den heiligen Büchern der Mormonen und sucht nach deren Wurzeln.

Die meisten Texte Joseph Smiths beziehen sich auf Offenbarungen und entziehen sich somit einer Prüfung am Original. Die "goldenen Platten" des Buches Mormon mußten, so Smith, dem Engel Moroni zurückgegeben werden, so daß diese Quelle auch nicht nachprüfbar ist. Vom "Buch Abraham" wußte man, daß es ägyptische Papyri gegeben haben mußte, auf denen die Übersetzung Smiths basieren sollte. Sie galten aber 1871 durch einen Brand im Museum von Chicago als vernichtet. Doch diese einzige überprüfbare Quelle wurde 1966 in einem Magazin des New Yorker Metropolitan Museums wiederentdeckt. Nachdem die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ihr Interesse an den Dokumenten angemeldet hatte, wurden sie ihr am 27. November 1967 im Rahmen einer kleinen Feier übergeben.

Doch die Freude der Mormonenkirche über die wiedergefundenen Manuskripte und die dadurch genährte Hoffnung auf eine Bestätigung der Übersetzergabe ihres Propheten währte nicht lange. Zwar identifizierten die Ägyptologen John A. Wilson und Klaus Baer von der Universität Chicago aufgrund eingehender Studien diese Papiere einwandfrei als die Vorlage des "Buches Abraham" (es waren auch Notizen Smiths darauf), ebenso wie der von seiner Kirche beauftragte mormonische Ägyptologe Dee Jay Nelson. Doch stellten sie fest, daß das Original, ein bekanntes Stück aus dem ägyptischen Totenbuch, inhaltlich überhaupt nichts mit der "Übersetzung" von Smith zu tun hatte. Als die Mormonenkirche die Ergebnisse der Prüfung nicht veröffentlichen wollte, trat Dee Jay Nelson 1975 mitsamt seiner Familie aus der "Kirche der Heiligen ..." aus.
[Walter Bromba]



Reinhard Thöle, "Orthodoxe Kirchen in Deutschland", Bensheimer Heft 85, Hrsg. Evangelischer Bund, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1997, Paperback, 112 Seiten, 24,80 DM, ISBN 3-525-87174-0.

Obwohl die orthodoxen Kirchen in Deutschland mit über einer Million Gläubigen die drittstärkste Konfession sind, nimmt die Öffentlichkeit sie kaum wahr. Der Autor stellt deshalb die Geschichte der mehr als 15 orthodoxen Kirchen in Deutschland, ihre Herkunft, ihr Selbstverständnis und ihre ökumenischen Verbindungen kurzgefaßt und übersichtlich dar. Der Band vermittelt einen ersten Einblick in die Vielfalt der orthodoxen und altorientalischen Kirchen in unserem Land.
[Holger Teubert]



"Orthodoxe Bistümer und Gemeinden in Deutschland", Hrsg. Kommission der Orthodoxen Kirchen in Deutschland, Orthodoxie Aktuell, Briller Höhe 11, 42115 Wuppertal, 1998, Paperback, 72 Seiten, 19,80 DM.

Das Adressenwerk enthält die Anschriften von orthodoxen Kirchenleitungen, Geistlichen und Gemeinden in Deutschland. Aufgenommen wurde jedoch nur ein Teil der Orthodoxie. Die altorientalischen Kirchen, wie die Koptische, Äthiopische, Syrische und Armenische Orthodoxe Kirche, die hierzulande ebenfalls Gemeinden haben, fehlen. Auch orthodoxe Bistümer und Gemeinden mit einem "unkanonischen" Status, wie beispielsweise die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland, sind nicht verzeichnet. Im Heft finden sich die für Deutschland relevanten Adressen des Ökumenischen und Moskauer Patriarchats, der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien sowie der Serbischen, Rumänischen und Bulgarischen Orthodoxen Kirche.
[Holger Teubert]





Zum Inhaltsverzeichnis


© APD Geändert am: 19.02.98

URL dieser Seite: http://adventisten.de/apd/1998/februar/rezension.html
Webmaster
Jan Prieser, St. Augustin, Mitglied im st@online e. V.