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Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten ist die einzige evangelische Freikirche in Deutschland, die eine staatlich anerkannte Theologische Hochschule unterhält. Sie befindet sich in Friedensau bei Magdeburg und ist von den acht Hochschulstandorten in Sachsen-Anhalt der kleinste und zugleich jüngste. Wie es zur staatlichen Anerkennung kam, erläuterte Dr. Manfred Böttcher. Er war seit 1982 Direktor des Theologischen Seminars in Friedensau und 1992 nach seiner Pensionierung noch drei Jahre für die Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule zuständig.

Friedensau, kleinste Hochschule in Sachsen-Anhalt

Die politische Wende eröffnete 1989 für das damalige Theologische Seminar Friedensau neue Perspektiven. Die ersten freien Wahlen für die DDR-Volkskammer waren für den 18. März 1990 angesetzt. In ihrem Wahlprogramm hatte die DDR-CDU auch eine nachträgliche Anerkennung kirchlicher Ausbildungsprogramme in Aussicht gestellt. Es handelte sich um jene, die von der DDR-Regierung toleriert, aber deren Ausbildung nicht anerkannt wurde. Das sollte auf Antrag und nach entsprechender Prüfung durch das Ministerium für Wissenschaft und Bildung geschehen, wenn die fachliche Ausbildung dem Niveau der staatlichen Fach- und Hochschulen entsprechen würde.

Nach der Wahl von Lothar de Maizière zum DDR-Ministerpräsidenten am 5. April 1990 und der bald darauf folgenden Berufung von Professor Dr. Hans Joachim Meyer zum Minister für Bildung und Wissenschaft wandte sich Seminardirektor Manfred Böttcher in einem Schreiben an den Minister, der ihm flüchtig durch Tagungen der Ost-CDU bekannt war. Darin nahm er unter anderem auf die im Wahlprogramm in Aussicht gestellte mögliche staatliche Anerkennung bezug. In dem Antwortschreiben des Ministers wurde die grundsätzliche Bereitschaft zur Prüfung eines möglichen Antrages zugesichert. Zugleich bot er ein Gespräch mit dem zuständigen Abteilungsleiter im Ministerium in Berlin (Ost) zur Klärung der notwendigen Sachfragen an, das bereits zehn Tage später erfolgte.

Da seit Jahren gute Beziehungen zwischen dem Theologischen Seminar und der Universität in Halle bestanden, kam es außerdem Ende Mai 1990 zu einer Konsultation mit dem Dekan und Mitgliedern der Theologischen Fakultät. Danach erklärten sie ihre Bereitschaft, Friedensau bei der Stellung eines Antrages zu unterstützen und zur fachlichen Einschätzung beizutragen. Zugleich wurden die Dekane der theologischen Fakultäten in Berlin und Greifswald davon unterrichtet. Bald darauf gelang es darüber hinaus, einen Gesprächstermin mit dem Minister für Kultur und Wissenschaft des Landes Niedersachsen in Hannover zu erhalten. Nach eingehender Darstellung der Studiengänge in Friedensau nahm der Minister Einblick in die mitgebrachten Unterlagen über die Ausbildung am Theologischen Seminar. Danach riet er, auf der Grundlage des Hochschulrahmengesetzes der Bundesrepublik eine Anerkennung als Theologische Hochschule ohne Promotionsrecht anzustreben.

Die folgenden Wochen dienten der Erarbeitung des umfangreichen Antrages, dem die Unterlagen für alle Studienfächer beigefügt wurden. Sie enthielten genaue Angaben zum Lehrkörper, zum Lehrprogramm im jeweiligen Fach sowie die erforderlichen Literaturhinweise. Ende Juni 1990 wurden die Antragsunterlagen dem persönlichen Referenten des Ministers in Berlin übergeben. Eine wohlwollende Prüfung wurde zugesagt. Dazu gehörte auch das Votum der Hochschulrektoren-Konferenz der DDR. Zumindest drei von ihnen kannten Friedensau gut und haben sich für eine Anerkennung als Theologische Hochschule ausgesprochen. Nach einer Beratung im DDR-Ministerrat unterschrieb am 10. September 1990 der Minister für Bildung und Wissenschaft die Urkunde, die Friedensau den Status einer staatlich anerkannten Theologischen Hochschule mit Wirkung vom 15. September 1990 verlieh.

Da in der Bundesrepublik die Bildungshoheit weitgehend den Ländern zugeordnet ist, war es nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erforderlich, um die Bestätigung der erteilten staatlichen Anerkennung durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Landesregierung von Sachsen-Anhalt nachzusuchen. Die Bestätigung wurde 1991 nach entsprechender Überprüfung erteilt. So gehörte der im Frühjahr 1991 neu berufene Rektor der Friedensauer Theologischen Hochschule, Professor Dr. Baldur Ed. Pfeiffer, seit dem Herbst 1991 auch zur Landesrektoren-Konferenz von Sachsen-Anhalt. 1993 erteilte das Ministerium die Genehmigung, als zweiten Studiengang "Christliches Sozialwesen" an der Theologischen Hochschule aufzunehmen. Von den im Herbst 1990 anerkannten kirchlichen Ausbildungseinrichtungen in der damaligen DDR existieren nur noch die Theologische Hochschule Friedensau und die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Halle.

Friedensau begann nach der staatlichen Anerkennung mit etwa 60 Studenten. Im Studienjahr 1997/98 sind es in den beiden Fachbereichen inzwischen 227 Studierende. Davon kommt etwa ein Drittel aus dem Ausland. Es ist absehbar, daß die Studentenzahlen weiter ansteigen werden. Die Hochschule wird gegenwärtig von Rektor Professor Dr. Udo Worschech geleitet, dem der Prorektor Professor Wolfgang Kabus und der Kanzler Roland Nickel zur Seite stehen. Für die Fachbereiche Theologie und Christliches Sozialwesen sind die Dekane Dr. Johann Gerhardt und Dr. Horst Friedrich Rolly verantwortlich.



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© APD Geändert am: 23.01.1998

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