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International


Wegen Völkermordes verdächtigter Pastor aus Haft entlassen

Laredo, Texas/USA, 21.01.1998/APD Der pensionierte adventistische Geistliche aus Ruanda, Elizaphan Ntakirutimana (73), ist noch vor Weihnachten durch einen amerikanischen Bundesrichter freigelassen worden. Er befand sich seit September 1996 wegen Verdachts auf Völkermord in Laredo, Texas, in Haft. Ein Tribunal der Vereinten Nationen zur Untersuchung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit hatte den Ruander mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er floh mit seiner Familie noch während des Bürgerkrieges aus seiner Heimat und betreibt inzwischen in Laredo ein Reformhaus. Da es keine entsprechende Vereinbarung zwischen den USA und den Vereinten Nationen gibt, entschied Richter Marcel C. Notzon, daß Ntakirutimana nicht an das UN-Tribunal ausgeliefert werden dürfe. Das Gesetz aus dem Jahre 1995, das die Überstellung an internationale Gerichte, die wegen Greueltaten in Bosnien und Ruanda gebildet wurden, erlaubt, sei verfassungswidrig.

Ntakirutimanas Rechtsanwalt Ramsey Clark betonte, daß die Anklage gegen seinen Mandanten falsch und nur ein Racheakt sei. Das UN-Tribunal wirft dem Hutu vor, als damaliger Vorsteher der Südruanda Mission der Adventisten Hunderte von Tutsis in eine Kirche gelockt zu haben. Doch anstatt ihnen dort Schutz zu geben, hätte der Geistliche die Hutu-Miliz herbeigerufen, die die Flüchtlinge ermordete. Der pensionierte Pastor hatte die Vorwürfe stets bestritten. Auch sein Sohn, ein in Laredo arbeitender Arzt, sagte: "Die Anklagepunkte sind alle erfunden. Mein Vater ist kein Mörder."

Ein Sprecher des US-Außenministeriums äußerte sich enttäuscht über die Freilassung, nannte sie eine "ernste Angelegenheit" und deutete an, daß nach anderen Möglichkeiten einer legalen Auslieferung gesucht werde. Ein Sprecher der Vereinten Nationen erklärte, daß seine Organisation eine Überstellung begrüßt hätte, da das UN-Tribunal zur Anklage gegen Ntakirutimana Anlaß habe.

Der Kommunikationsdirektor der adventistischen Kirchenleitung in West- und Zentralafrika, Pastor Emmanuel Nlo Nlo, Abidjan/Elfenbeinküste, sagte, daß die Freikirche jede Gewalt verurteile und daß Schuld nachgewiesen werden müsse. "Wir haben keine Möglichkeit herauszufinden, ob Elizaphan Ntakirutimana schuldig ist oder nicht. Wir befürworten die Initiative der Vereinten Nationen und der ruandischen Regierung, diejenigen vor Gericht zu bringen, die für Verbrechen in diesem Land verantwortlich sind." Auch Pastor Lowell C. Cooper, Silver Spring, Maryland/USA, stellvertretender Sekretär der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten, betonte: "Wir verurteilen Gewalt in jeder Form und sind über die Massaker entsetzt, die 1994 in Ruanda geschahen. Viele Adventisten verloren bei diesem Völkermord ihr Leben. Unsere Kirche unterstützt alle Bemühungen, um Ruanda Einheit und Heilung zu bringen. Wir helfen dem Land humanitär und durch Versöhnungsprogramme. Was Pastor Ntakirutimana betrifft, so ist unser Standpunkt, daß eine Person so lange als unschuldig gilt, bis seine Schuld bewiesen ist."

Während des Bürgerkrieges in Ruanda wurden 225 adventistische Pastoren und über 10 000 Gemeindeglieder ermordet. In allen dortigen Adventgemeinden wie auch für die Öffentlichkeit führten im letzten Jahr speziell ausgebildete Kirchenleiter, Pastoren und Laienglieder Versöhnungsseminare durch. Die evangelische Freikirche zählt zur Zeit in Ruanda 326 250 Mitglieder in 846 Gemeinden.

Erneut Massaker an Tutsis in Ruanda

Mudende/Ruanda, 21.01.1998/APD Im Dezember wurden wiederum 272 Tutsis getötet und 227 verletzt, als ein mit Macheten bewaffneter Mob von Hutus in ein Flüchtlingslager auf dem Gelände der früheren adventistischen Universität im ruandischen Mudende nahe der Grenze zum Kongo eindrang. Bereits im August 1997 hatte dort ein ähnliches Massaker 130 Tote und 80 Verletzte gefordert. Das Lager wurde zuletzt vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) betreut. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) hatte ihre ausländischen Experten bereits im Januar letzten Jahres von Mudende abgezogen, da deren Sicherheit nicht mehr gewährleistet schien. Zuvor waren in dem Gebiet drei spanische Mitarbeiter einer anderen Hilfsorganisation ermordet worden. Ungeachtet der anhaltenden Gewalttaten im Land arbeiten die Siebenten-Tags-Adventisten an der Aussöhnung zwischen Tutsis und Hutus in Ruanda. In Seminaren werden die Teilnehmer ermutigt, über ihre Schuld in der Vergangenheit zu sprechen und ihre Zukunftserwartungen für das Land in dem Bewußtsein darzulegen, daß durch Greueltaten eine Million Menschen ums Leben kam.

Adventisten helfen bei Stromausfall

Oshawa, Ontario/Kanada, 21.01.1998/APD Die Siebenten-Tags-Adventisten haben in den vom Eissturm betroffenen kanadischen Provinzen Quebec und Ontario ihre Gemeindezentren und Schulen als Notquartiere zur Verfügung gestellt. Generatoren der Armee versorgen die Unterkünfte mit Strom. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA stellt den Bedürftigen Nahrungsmitteln und Decken zur Verfügung. ADRA ist auch im US-Bundesstaat New York im Einsatz, wo es durch den Eissturm ebenfalls zu Stromausfällen kam.

Adventistin US-Botschafterin auf Malta

Washington, D. C./USA, 21.01.1998/APD Kathryn Haycock Proffitt aus Phoenix/Arizona ist seit Jahresbeginn die neue US-Botschafterin auf der Mittelmeerinsel Malta. Sie war zuvor Präsidentin der privaten Telefongesellschaft "Call America" sowie stellvertretende Vorstandsvorsitzende der "Competitive Telecommunications Association" (CompTel) und vertrat die Vereinigten Staaten bereits bei verschiedenen internationalen Konferenzen. Die Diplomatin gehört der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten an.

Fortschritte für Baptisten und Adventisten auf Kuba

Havanna/Kuba, 21.01.1998/APD Die kommunistische Regierung auf Kuba hat dem Baptistischen Weltbund erlaubt, die rund 22 000 Baptisten auf der Karibikinsel mit direkten Hilfslieferungen zu unterstützen. Bisher mußten derartige Sendungen über den Ökumenischen Rat von Kuba abgewickelt werden, der als regierungsnah gilt. Zunächst sollen Milchpulver und Medikamente geliefert werden. Ausdrücklich hat das Religionsministerium den Baptisten untersagt, mit den Hilfslieferungen auch Bibeln und christliche Literatur ins Land zu bringen. Keine Fortschritte konnte der Weltbund dagegen bei der staatlichen Genehmigungspraxis für baptistische Bau- und Renovierungsvorhaben erreichen. Die meisten der über 200 baptistischen Kirchen sind baufällig, weil die Regierung den Gemeinden die Sanierung verweigert. Allerdings konnte der Weltbund den Anbau eines Altersheimes in Havanna im letzten Jahr mit rund 27 000 Mark subventionieren.

Die Siebenten-Tags-Adventisten konnten dagegen auf Kuba seit 1994 33 neue Gemeindezentren bauen und 80 renovieren. Für 23 weitere liegen Baugenehmigungen vor. 1996 weihte die evangelische Freikirche ein neues Theologisches Seminar in Nuevo Santiago de las Vegas, nahe der Hauptstadt Havanna, ein. Ihre alte Ausbildungsstätte in Santa Clara war zu Beginn der kommunistischen Herrschaft im Jahre 1959 enteignet worden. 1993 bekamen die Adventisten zum ersten Mal nach 30 Jahren die Erlaub-nis, wieder Studien-anleitungen zur Bibel zu drucken. 1995 durften sie 250 000 B-roschüren mit dem Titel "Der Weg zu Christus" für Evangelisationsveranstaltungen herstellen. Im Februar 1998 findet in Anwesenheit von Pastor Robert S. Folkenberg, Silver Spring, Maryland/USA, dem Präsidenten der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Freikirche, eine Fortbildungsveranstaltung für alle 85 adventistische Geistliche auf der Karibikinsel statt. Sie sollen durch ein Team aus den Vereinigten Staaten für Evangelisationsvorträge und Bibelseminare geschult werden. Auf Kuba zählen die Siebenten-Tags-Adventisten zur Zeit fast 27 000 ständige Gottesdienstbesucher, davon über 16 000 erwachsene getaufte Mitglieder, in 142 Gemeinden. Die erste Gemeinde wurde 1905 in La Lisa bei Havanna gegründet.

Adventistische Kirchenleiter besuchen China

Peking/China, 21.01.1998/APD Zwei Wochen lang besuchten Ende letzten Jahres zehn adventistische Kirchenleiter den Nordosten und Osten Chinas, um sich ein Bild von der Situation der Christen im Land zu machen. Die einzelnen Stationen waren unter anderem die Städte Peking, Schenjang, Haicheng, Xi'an, Nanking und Schanghai. "Der Hauptzweck der Reise war das Zusammentreffen mit Regierungs- und Kirchenvertretern, um zu versuchen, mehr über die dortigen Christen und ihre Bedürfnisse zu erfahren", erklärte Pastor Tadaomi Shinmyo, Kommunikationsdirektor der Nordasien-Pazifik-Division der Siebenten-Tags-Adventisten. Sie ist die Kirchenleitung der Adventisten in China, der Mongolei, Korea, Japan und auf Taiwan und hat ihren Sitz in Seoul/Südkorea. Die Delegation besuchte sechs Adventgemeinden, die die Erlaubnis haben, am biblischen Sabbat (Samstag) ihren Gottesdienst zu feiern, während die anderen Protestanten dies im selben Kirchengebäude am Sonntag tun. "Seit dem Ende der Kulturrevolution im Jahre 1969 hat die chinesische Christenheit ein phänomenales Wachstum erlebt", sagte Shinmyo. "Heute gibt es über zehn Millionen Protestanten in China im Vergleich zu 700 000 im Jahre 1950. 12 000 Kirchen sind geöffnet und an 25 000 weiteren Stellen finden Gottesdienste statt. Im Land gibt es über 230 000 Siebenten-Tags-Adventisten in 600 Gemeinden." Die Ausbildung junger Geistlicher sei dringend erforderlich, berichtete der Präsident der Nordasien-Pazifik-Division, Pastor Pyung Duk Chun. In China verfügen die Protestanten über 17 theologische Seminare. Die Delegation besuchte das Ostchina Theologische Seminar. Unter den einhundert Studenten sind neun Adventisten. "Es war für uns eine sehr nützliche Reise", sagte Chun, "so daß wir jetzt mit Planungen beginnen können, um die Christen in China zu unterstützen."

Südkoreanische Adventisten trotz Währungsverfall mit Zukunftsplänen

Seoul/Südkorea, 21.01.1998/APD Der Verfall der südkoreanischen Währung Won beeinträchtigt auch die dortige adventistische Freikirche. Laut Vorsteher Pastor Sang Woo Han (Seoul) gibt es in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung für die kirchlichen Angestellten. Es besteht auch ein Einstellungsstopp für Verwaltungsangestellte. Lediglich einige weitere Pastorenstellen sind genehmigt worden, damit neu entstandene Gemeinden seelsorgerlich betreut werden können. In Südkorea gibt es zur Zeit 145 000 Siebenten-Tags-Adventisten in 670 Adventgemeinden. Im letzten Jahr schlossen sich 6 500 Menschen der Freikirche an. Das Spendenaufkommen erhöhte sich gegenüber 1996 um 18 Prozent. Trotz finanzieller Engpässe will Vorsteher Han die adventistische Sahmyook Universität in Seoul ausbauen lassen. Eine medizinische Fakultät sei dringend erforderlich. Die Bildungsstätte feierte im letzten Jahr ihr 50jähriges Bestehen und ist mit 3 600 Studenten die größte der weltweit 87 Hochschulen der Siebenten-Tags-Adventisten. Neben der Universität unterhalten sie in Südkorea zehn Grundschulen, eine Mittelschule, sieben Gymnasien, eine Krankpflegeschule, 21 englische Sprachschulen, zwei Krankenhäuser, ein Gesundheitszentrum, zwei Fabrikationsstätten für Naturkost, ein Verlagshaus, ein Medienzentrum und zwei Ausbildungszentren für Laienmissionare.

50 Jahre adventistisches Krankenhaus in Pakistan

Karatschi/Pakistan, 21.01.1998/APD Seit 50 Jahren gibt es im pakistanischen Karatschi ein adventistisches Krankenhaus. Es begann 1947 mit einer einfachen medizinischen Behandlungsstation, die 1951 als erste private Heilstätte des Landes zu einem 72-Betten-Hospital ausgebaut wurde. Zehn Jahre später kam eine Krankenpflegeschule dazu, aus der bisher 555 diplomierte Krankenschwestern und Pfleger hervorgingen. 1963 führten Spezialisten der kalifornischen adventistischen Loma Linda Universität zum ersten Mal Operationen am offenen Herzen im Krankenhaus in Karatschi durch. Heute verfügt es über 149 Betten. Bei der Jubiläumsfeier im Dezember letzten Jahres mit über eintausend Gästen fand die Grundsteinlegung für einen Anbau mit 54 weiteren Betten statt. In Pakistan bestehen 72 Gemeinden mit 12 800 Siebenten-Tags-Adventisten. Neben dem Krankenhaus unterhält die evangelische Freikirche dort zwei Kliniken, ein Theologisches Seminar, ein Verlagshaus und ein Medienzentrum.

Adventistisches Krankenhaus überfallen

Lagos/Nigeria, 21.01.1998/APD Eine Frau wurde erschossen und ein Mann an der Schulter verletzt, als im Dezember bewaffnete Angehörige des Ife-Stammes in das adventistische Krankenhaus in Ile-Ife im nigerianischen Bundesstaat Osun eindrangen. Wie der Kommunikationsdirektor der adventistischen Kirchenleitung in West- und Zentralafrika, Pastor Emmanuel Nlo Nlo, Abidjan/Elfenbeinküste, mitteilte, gaben die Bewaffneten vor, das Hospital schützen zu wollen. Mit der Behauptung, daß sich dort Angehörige des mit ihnen verfeindeten Modakeke-Stammes versteckt hielten, durchsuchten sie die Krankenzimmer. In der Frau und dem Mann meinten sie fälschlicherweise Mitglieder dieser ethnischen Gruppe gefunden zu haben und schossen sie nieder. Der im August letzten Jahres ausgebrochene Stammeskonflikt hat bereits zahlreiche Opfer gefordert. Die örtliche Polizei ist laut Pastor Nlo Nlo machtlos, da beide Gruppen schwer bewaffnet seien. In Nigeria leben 134 000 erwachsene getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 574 Gemeinden. Die evangelische Freikirche unterhält dort vier Krankenhäuser, neun Kliniken, ein Theologisches Seminar und 14 Grundschulen.

Gymnasium in Burundi überfallen

Bujumbura, Burundi, 21.01.1998/APD Ende letzten Jahres überfielen Rebellen in Bubanga das 41 Kilometer nördlich der burundischen Hauptstadt Bujumbura gelegene adventistische Kivoga Gymnasium. Sie schlugen Fensterscheiben ein, stahlen, was ihnen wertvoll erschien, und nahmen einen Lehrer als Geisel, den sie erst nach einer Woche wieder freiließen. In Burundi bestehen 121 Gemeinden mit über 45 000 Siebenten-Tags-Adventisten. Die evangelische Freikirche unterhält dort außer dem Gymnasium fünf Grundschulen, zwei Kliniken, vier Sanitätsstationen und ein Medienzentrum.

EXPLO 97 will Solidarität mit den Schwachen

Basel/Schweiz, 21.01.1998/APD Zum Jahreswechsel kamen 8 650 Dauerteilnehmer und 2 700 Tagesgäste zur interkonfessionellen Konferenz EXPLO 97 nach Basel. Laut Veranstalter Hanspeter Nüesch wollte die Konferenz Menschen aus verschiedenen christlichen Lagern zusammenbringen, damit sie sich kennenlernen und Vorurteile abbauen. Sie sollten "auf die unverzichtbare Mitte des Glaubens und Lebens, Jesus Christus", hingewiesen werden. Gleichzeitig hatte EXPLO das Ziel, durch Förderung der Solidarität gegenüber den Schwächeren der Gesellschaft, wie alleinerziehende Mütter und "unproduktive" Arbeitslose, einer zunehmenden Entsolidarisierung entgegenzuwirken. Dazu fanden neben den Plenarveranstaltungen über 100 Seminare und Workshops statt. In einer eigenen Messehalle stellten 210 christliche Werke, Missionen und Institutionen ihre Arbeit vor. Darunter befand sich auch die Theologische Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg.

Bibelvorträge in Bulgarien

Zürich/Schweiz, 21.01.1998/APD Vier Wochen lang hielt sich der adventistische Pastor Hans Niedermaier (Zürich) zu Bibelvorträgen in der bulgarischen Stadt Pasardschik auf. Die 300 Plätze im Saal des städtischen Jugendzentrums waren fast immer besetzt. 260 Besucher baten um eine Bibel zum persönlichen Studium. Über 40 von ihnen nehmen bereits am Gottesdienst der örtlichen Adventgemeinde teil.

Waffenloser Dienst in der griechischen Armee

Athen/Griechenland, 21.01.1998/APD Seit Beginn des Jahres gibt es in der griechischen Armee einen waffenlosen Dienst. Die neue Regelung, für die sich Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos persönlich einsetzte, beendet die Aburteilung von Kriegsdienstverweigerern aus Gewissensgründen. Bisher gab es eine Befreiung vom Waffendienst nur für orthodoxe Gläubige, die sich auf ihr Gewissen beriefen. Evangelische Christen, darunter auch Pfarrer, und Zeugen Jehovas mußten dagegen die bis zu zweijährige Militärzeit in einem eigens für sie eingerichteten Gefängnis in Malakassa bei Athen absitzen. Dort wollte man sie zur "richtigen Wehrgesinnung" umerziehen. Dieses Verfahren führte in der Vergangenheit zu einer Reihe von Verurteilungen Griechenlands durch europäische und internationale Gremien.

Ohne einer bestimmten Kirche anzugehören, kann sich jetzt jeder Wehrpflichtige zum waffenlosen Dienst melden. Es handelt sich dabei nicht um einen Sozialdienst, sondern der Betreffende ist "Soldat ohne Waffe". Er wird innerhalb der Streitkräfte in Schreibstube und Küche, als Reinigungspersonal, Fahrer und sonstige Arbeitskraft eingesetzt. Der weitgehend aus Kartoffelschälen und Reinigen von Toilettenräumen bestehende Alternativdienst dauert mit 30 Monaten fünfmal so lang wie die sechsmonatige Mindestwehrzeit und doppelt so lang wie die durchschnittliche Militärzeit von eineinhalb Jahren. Dadurch sollen sogenannte "Drückeberger" davon abgehalten werden, sich als Kriegsdienstverweigerer auszugeben. Der Vorschlag, daß evangelische Pfarrer und freikirchliche Pastoren ihre Mitglieder als Soldatenseelsorger betreuen dürfen, scheiterte am Einspruch der Griechischen Orthodoxen Kirche. Sie beansprucht für sich allein das geistliche Monopol in der Armee. In Griechenland sind 97 Prozent der Bevölkerung orthodox.

Jesuiten-General befürchtet "eisernen Vorhang" der Konfessionen

Rom/Italien, 21.01.1998/APD Der General des Jesuitenordens, Peter-Hans Kolvenbach, hat laut dem Bochumer Informationsdienst "Orthodoxie Aktuell" seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht, daß ein Zusammenbruch der ökumenischen Beziehungen in Europa einen neuen "eisernen Vorhang" entstehen lassen könnte, der die Frontlinien des Kalten Krieges durch konfessionelle Feindschaften ersetzt. Die Trennung könnte "zwischen der Orthodoxie, die den Osten als ihr ureigenes Territorium behandelt, und der mehr oder minder zerrissenen Christenheit des Westens" bestehen. Während die evangelischen Kirchen sich immer mehr zu einer "gegenseitigen Anerkennung der Verschiedenheit", nicht aber zur Einheit in Christus hinbewegten, wäre "die Orthodoxe Kirche sehr empfindlich geworden und interpretiere alles, was wir tun, als einen Versuch, ihre Gemeinden zu unterminieren". Die 1992 neu gegründete Jesuiten-Provinz für Rußland und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) hat ihre Zentren in Moskau und Nowosibirsk und zählt derzeit 23 Priester und zwölf Seminaristen.

Generalsekretär der Europäischen Evangelischen Allianz "frustriert"

Zürich/Schweiz, 21.01.1998/APD Nach fünf Jahren als Generalsekretär der "Europäischen Evangelischen Allianz" (EAA) in Wien hat der schottische Theologe Stuart McAllister zu Jahresbeginn sein Amt aufgegeben. Er geht als Leiter an das Institut für Apologetik und Geistliche Wissenschaften in Atlanta/USA. Gegenüber dem Pressedienst "idea" bezeichnete er seine Amtszeit als "teilweise frustrierend". "Ich wurde oft zornig über die engstirnigen, alles schnell verurteilenden Leiter, die es zwar nicht so genau nehmen mit der Wahrheit, aber um so arroganter auftreten." Er habe sehr viel Schaden, zerbrochene Beziehungen und Verständigungsprobleme unter den "Propheten der Gerechtigkeit" gesehen, "die oft als böse Leute daherkommen, um andere zu verletzen". Er sei aber auch vielen begegnet, die sich "voll fürs Evangelium einsetzen".

In der "Europäischen Evangelischen Allianz" (EAA) arbeiten nationale Allianzen aus 25 Ländern und christliche Organisationen zusammen, die rund acht Millionen evangelische Christen repräsentieren. In Brüssel unterhält sie ein Verbindungsbüro zur Europäischen Union und anderen europäischen Institutionen, das ebenfalls neu besetzt werden müsse. Die Amtsinhaberin, Julia Doxat-Purser, kehrt nach dreijähriger Amtszeit aus familiären Gründen nach Großbritannien zurück. Über einen Nachfolger für McAllister wird das EEA-Exekutivkomitee voraussichtlich im kommenden Sommer entscheiden. Bis dahin werden drei Komitee-Mitglieder die Aufgaben des Generalsekretärs nebenamtlich übernehmen. Pfarrer Rudolf Westerheide, Referent der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), soll die Kontakte zu den Mitgliedsverbänden aufrechterhalten. Für die Weiterarbeit am "Runden Tisch", an dem die meisten evangelikalen Organisationen teilnehmen, ist John Earwicker (London) verantwortlich. Der Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA), Frank Probst, übernimmt zusätzlich zur Aufgabe des Schatzmeisters auch die des Beauftragten für Religionsfreiheit. Das EEA-Büro bleibt vorerst in Wien

Fehlentwicklungen und Mißstände im Baptismus

Washington, D. C./USA, 21.01.1998/APD Fehlentwicklungen und Mißstände im weltweiten Baptismus hat der Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes, Denton Lotz (McLean bei Washington, D. C.), beklagt. Die besten geistlichen Leiter seien heute außerhalb des Baptismus zu finden, neue Veröffentlichungen baptistischer Theologen bestimmten nur selten die theologische Diskussion, und es gebe keine baptistischen Prediger mehr von Weltformat. In der vorherigen Generation sei dies, wie zum Beispiel mit Bürgerrechtler Martin Luther King und Evangelist Billy Graham noch anders gewesen. Lotz hält es auch für vordringlich, theologische Spannungen zu lösen. Man habe mit verschiedenen Strömungen zu kämpfen, die von einem neu aufkommenden Fundamentalismus bis hin zur liberalen Theologie reichen. Manche Baptisten setzten ihre Hoffnung auf eine charismatische geistliche Erneuerung, andere lehnten diese aus Sorge vor Spaltung ab. Auch in ethischen Fragen gebe es keine Einmütigkeit. Zu den Themen Abtreibung, Homosexualität, Rassismus, Armut, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte würden völlig gegensätzliche Auffassungen vertreten. Kritische Anfragen hat Lotz auch an die Struktur des Baptistenbundes und das Prinzip der völligen Selbständigkeit der Ortsgemeinden. Daß eine engere Zusammenarbeit auch Vorteile bringe, sei weithin aus dem Blick geraten. Das gegenwärtige System "ist sehr schwerfällig". Um diese und andere Zukunftsfragen aufzuarbeiten, regte der Generalsekretär die Gründung eines informellen Ad-hoc-Komitees an. In ihm sollten die profiliertesten Fachleute aus dem weltweiten Baptismus mitarbeiten. Der Baptistische Weltbund repräsentiert rund 100 Millionen Gottesdienstbesucher. In Deutschland gehören die Baptisten zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der mit 88 000 Mitgliedern größten Freikirche.

Papua-Neuguineas Demokratie in einer Dauerkrise

Hamburg, 21.01.1998/APD Über 90 Prozent der 4,3 Millionen Einwohner Papua-Neuguineas bekennen sich zum Christentum. Derzeit gibt es laut der in Hamburg von der Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Entwicklungsdienste herausgegebenen Zeitschrift "der überblick" 54 Kirchen und religiöse Gemeinschaften auf der Inselgruppe. Mit 30 Prozent sind die Katholiken am stärksten vertreten, gefolgt von den Lutheranern (22 Prozent), den Reformierten (13 Prozent), den Siebenten-Tags-Adventisten (8 Prozent) und den Pfingstlern (6,7 Prozent). Das Land ist reich an Rohstoffen wie Gold, Kupfer, Öl und Gas. Doch seitdem Papua-Neuguinea 1975 von Australien in die Unabhängigkeit entlassen wurde, gab es gewaltsame Konflikte bei der Verteilung der Reichtümer, Korruption, Mißwirtschaft, steigende Kriminalität und Stammesrivalitäten unter den 800 Sprachgemeinschaften. Die dortige Demokratie befindet sich laut "der überblick" in einer "Dauerkrise".

Die Kirchen leisten seelsorgerlichen Beistand bei zahlreichen sozialen Problemen. Sie beteiligen sich in einem gewissen Rahmen auch an gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen. So sprachen sie sich gegen die großflächige Abholzung des Tropenwaldes durch asiatische Konzerne aus und setzten sich für einen Waffenstillstand und eine Verhandlungslösung im Bougainville-Konflikt ein. Die letzten Parlamentswahlen führten laut "der überblick" meist Siebenten-Tags-Adventisten oder evangelikal geprägte Christen an die Spitzen von Parlament, Verwaltung und Justiz. Die Evangelikalen hatten die Bevölkerung zu einer "Gebetskampagne" aufgerufen, damit die "richtigen Führer" und eine "gottesfürchtige Regierung" gewählt würden. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift finden sich auch Berichte über die Krisenherde in Nordkorea, Algerien und dem Sudan sowie über die Industriearbeit in China.



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© APD Geändert am: 23.01.1998

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