| APD |
| Kommentar |
|
Profil bei Katholiken - verpaßte Chance der Protestanten
|
|
| Es hat schon größere Katholikentage gegeben. Lag's am Wetter? Es war durchwachsen wie die Stimmung zwischen den deutschen Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, deren Dissonanzen schon im Vorfeld reichlich für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt hatten. Sie blieben auch vor Ort spürbar bis in die Pressekonferenzen hinein. Vielleicht hat ja auch die zeitgleich beginnende Fußballweltmeisterschaft dazu beigetragen, daß dieser 93. Deutsche Katholikentag in Mainz, der 150 Jahre nach dem ersten Katholikentag und 50 Jahre nach 1948 an gleicher Stelle ein mehrfaches Jubiläum markierte, trotz seiner etwa 25 000 Dauerteilnehmer insgesamt eine ziemlich überschaubare Veranstaltung blieb. Sechs Themenblöcke standen vom 10. bis 14. Juni in Mainz unter dem Motto "Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung" auf dem Programm. Es ging um die Bewahrung der Schöpfung, um Europa, Politik und Gesellschaft, Bildung und Erziehung und die Dialogfähigkeit der Kirchen. Vor allem aber ging es um die Herausforderung, in einer säkularisierten Welt Zeichen der Hoffnung zu setzen. Die damit verbundene Schwierigkeit hat der katholische Religionssoziologe Franz-Xaver Kaufmann treffend formuliert, wenn er feststellt: "Es ist schwierig, in dieser Gesellschaft zum Christen zu werden. Es ist schwierig, in dieser Welt als Christ zu leben - und Menschen, die als Christen in dieser Welt leben wollen, werden für diese Gesellschaft schwierig." Im Wissen um diese Schwierigkeiten haben die Verantwortlichen in Mainz gleich am Eröffnungsabend deutliche Zeichen der Hoffnung gesetzt, die überraschten: "Gottes Ewigkeit und Christi Auferstehung, das sind die Gründe der christlichen Hoffnung, und daraus erwächst das Vertrauen, daß uns Gottes Güte nicht im Stich lassen wird, solange wir uns an ihm festhalten" (Ministerpräsident Bernhard Vogel, Erfurt). "Unsere Hoffnung hat einen Namen: Jesus Christus, der treue Zeuge Gottes in dieser Welt, der uns durch sein Leiden und seinen Sieg am Kreuz eine Hoffnung geschenkt hat, die uns im Leben und im Sterben Halt gibt" (Karl Lehmann, Bischof von Mainz). Selten zuvor hat man auf Katholikentagen so eindeutig christozentrische Aussagen gehört. Weit weniger erfreulich (wieder einmal) der "vorauseilende ökumenische Gehorsam" protestantischerseits. Wenn der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker (Darmstadt), in seinem Grußwort dazu aufrief, die evangelischen Gemeinden der Stadt Mainz mögen am Abschlußsonntag des Katholikentages eigene Gottesdienste ausfallen lassen, um sich mit den katholischen Schwestern und Brüdern zu vereinen, dann konnte man das noch überschäumender Begeisterung zurechnen. Die anschließende Feststellung, daß die wissenschaftliche Theologie ja auf dem Weg zur Ökumene schon viel weiter sei als die kirchliche, ließ schon erste Fragezeichen aufkommen. Als dann Reiner Meusel, Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ergänzte, nicht die theologischen Gremien, sondern das Volk habe das letzte Wort, wenn es um die Verwirklichung der Einheit der Kirchen gehe, war da doch nur noch mit Mühe protestantisches Profil zu entdecken. Auch der Ökumenische Studientag, durchgeführt im Hinblick auf den für 2003 geplanten Ökumenischen Kirchentag, ließ vielfach das ziemlich einseitig-protestantische Drängen nach Verwirklichung der eucharistischen Gemeinschaft deutlich werden. Interessant die klare Antwort von Bischof Lehmann auf einer der Pressekonferenzen: "Keine Abendmahlsgemeinschaft ohne volle Übereinstimmung in fundamentalen Glaubensaussagen." Deutlicher ging es nicht. Ganz im Sinne dieser bischöflichen Feststellung zeigte die Kirche in diesen Mainzer Tagen sehr eindeutig Profil - nicht nur anläßlich der großen Fronleichnamsprozession mit 30 000 Teilnehmern quer durch die Innenstadt. Auch die Anwesenheit von 274 katholischen Organisationen und Verbänden, die sich auf der "Kirchenmeile" präsentierten, ließ die umfassende römisch-katholische Präsenz im öffentlichen Leben unseres Landes deutlich werden. Daß die Bandbreite dabei von der katholischen Presse bis zur "Legio Mariä" reichte, versteht sich fast von selbst. "Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung." Kein Zweifel: Unter diesem durch und durch missionarisch-evangelistischem Motto haben die deutschen Katholiken trotz aller Kontroversen in Mainz deutliche Zeichen gesetzt, nicht zuletzt durch das große Interesse an Gottesdiensten und anderen geistlichen Veranstaltungen. Wie es scheint, hatten die Evangelischen vor Ort nichts auch nur annähernd Gleichwertiges entgegenzusetzen. Entsprechende Möglichkeiten wurden in Mainz verpaßt. |
|
| © APD | Geändert am: 26.06.98 |
URL dieser Seite:
http://adventisten.de/apd/1998/juni/kommentar.html
Webmaster Jan Prieser, St. Augustin, Mitglied im st@online
e. V.