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Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten kaufte 1899 das etwa 10 Kilometer von der Kleinstadt Möckern entfernt gelegene Gut "Klappermühle". In "Friedensau" umbenannt, entstand dort nicht nur eine Ausbildungsstätte für Geistliche, die heutige Theologische Hochschule der Freikirche, sondern auch ein Sanatorium. Wie es in dem Waldgebiet östlich von Magdeburg vor fast 100 Jahren zur modernen Heilbehandlung, besonders für chronisch Kranke und Genesende kam, schildert Dr. Manfred Böttcher. Er war seit 1982 Direktor des Theologischen Seminars in Friedensau und 1992 nach seiner Pensionierung noch drei Jahre für die Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule zuständig.
Moderne Therapie Anfang des Jahrhunderts in Friedensau
Schon 1899 war beim Kauf des Friedensauer Grundstücks durch die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, neben der Ausbildung von Predigern und Missionaren, die Errichtung eines Sanatoriums vorgesehen. Man hatte dafür einen erfahrenen Arzt aus dem adventistischen Battle Creek Sanatorium in Michigan/USA gewinnen können, das um die Jahrhundertwende wegen seiner modernen physikalisch-diätischen Heilmethoden bekannt geworden war. Noch ehe in Friedensau der Bau des ersten festen Schulgebäudes in Angriff genommen werden konnte, erfolgte etwa sechs Monate nach dem Kauf des Grundstücks der erste Spatenstich für die neue Heilstätte. Die Arbeiten leitete von Anfang an der deutsch-amerikanische Arzt Dr. Hoenes, der in der kleinen Müllerstube der "Klappermühle" wohnte.
Das Sanatorium sollte eine physikalisch-diätische Heilanstalt werden. Damit war für die Behandlung Kranker eine doppelte Zielsetzung gegeben: die Nutzung natürlicher Kräfte, unter Einschluß der verschiedensten Formen von Wasseranwendungen, Massagen und Heilgymnastik, und außerdem die Unterstützung der Heilungskräfte durch eine gesunde vollwertige Ernährung. Mit dieser Zielsetzung war man der Entwicklung in der Naturheilkunde und Rehabilitation um viele Jahre voraus.
Der künftige leitende Arzt des Sanatoriums, Dr. Hoenes, wußte, daß die Ausbildung von geeignetem Pflegepersonal ebenso wichtig wie die solide Ausführung der Bauarbeiten war. Unverzüglich begann er mit Unterstützung einer erfahrenen Oberschwester, die er aus den USA mitgebracht hatte, mit der Ausbildung der erforderlichen Pflegekräfte. Unter äußerst bescheidenen Voraussetzungen fing Hoenes damit in zwei Räumen im Kessel- und Waschhaus an. Die Einrichtung bestand aus einer Badewanne, einer Gießkanne und einer Massagebank. Das Wasser wurde im Nebenraum erwärmt und dann hineingetragen.
Nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren fand die feierliche Einweihung des Sanatoriums im Beisein von etwa 600 Gästen im Juli 1901 in Friedensau statt. Vorerst konnten in den gut eingerichteten Räumen etwa 30 Patienten aufgenommen werden. In der Badeabteilung waren die erforderlichen medizinischen Wasseranwendungen der verschiedensten Art gegeben. Dazu standen damals modernste Geräte, darunter Lichtbäder mit Bogen- und Glühlichtbestrahlung, zur Verfügung. Von Anfang an gehörte zum Sanatorium ein Bewegungsbad, das damals für Behandlungszwecke in Deutschland kaum bekannt war. Um die Heilanstalt herum wurde ein Park angelegt.
Bald kamen aus allen Teilen Deutschlands chronisch Kranke und Genesende nach Friedensau, die nicht nur die weitsichtigen Behandlungsmethoden schätzten, sondern auch an der Ruhe und Abgeschiedenheit dieses Ortes mit den ausgedehnten Kiefernwäldern Gefallen fanden.
Über dem Eingang des Sanatoriums stand das Motto: "Medicus curat, natura sanat" ("Der Arzt behandelt, die Natur heilt"). Schon ein Jahr später erwies sich die Heilanstalt infolge des guten Zuspruchs als zu klein. 1903 entstanden ein Erweiterungsbau, die sogenannte Villa, ein Wintergarten und eine Liegehalle. In den ersten zwölf Jahren erhielten im Sanatorium mehr als 200 junge Leute ihre Ausbildung in der Krankenpflege für die Auslandsmission und Schwesternheime. Allein in Deutschland waren von 1903 bis 1912 elf solcher Heime in größeren Städten entstanden, die von "Friedensauer Schwestern" besetzt waren. Man könnte sie mit heutigen Sozialstationen vergleichen.
Während des Ersten Weltkrieges diente das Sanatorium als Militärlazarett. Die guten zwanzigjährigen Erfahrungen in der ärztlichen Betreuung und im pflegerischen Dienst der Heilanstalt waren ein Grund, nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin-Zehlendorf ein günstig gelegenes Grundstück zu erwerben und das bisherige Friedensauer Sanatorium dort ab April 1920 unter dem Namen "Waldfriede" weiterzuführen.
Es war zunächst mit 39 Betten, Operationsräumen und einer kleinen Röntgen- und Bäderabteilung ausgestattet. Um auch die Genehmigung für eine staatlich anerkannte Krankenpflegeschule zu erhalten, waren mindestens 100 Betten vorgeschrieben. Die Aufstockung erfolgte innerhalb von zwei Jahren, so daß der erste Kurs mit fünf Schülerinnen und einem Schüler am 1. Oktober 1922 beginnen konnte. Heute stehen in der "Krankenpflegeschule Waldfriede" achtzig Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Durch Anbauten und größere Neubauvorhaben ist aus dem Berliner Sanatorium ein modernes Krankenhaus mit 230 Akutbetten geworden. Aber immer noch werden die Prinzipien hochgehalten, die vor fast hundert Jahren zur Gründung des Friedensauer Sanatoriums führten. Seit 1989 gehören zum Krankenhaus Waldfriede eine Sozialstation für ambulante Krankenpflege und seit fünf Jahren ein Gesundheitszentrum. 1996 wurde es von der Weltgesundheitsorganisation WHO in das "Netz gesundheitsfördernde Krankenhäuser" aufgenommen. Waldfriede gehört zum "Adventist Health Systems" der Freikirche, die gegenwärtig weltweit 161 Krankenhäuser und 313 Kliniken mit 3 675 Ärzten und 62 361 Krankenschwestern, Pflegern und sonstigem Personal unterhält.
Die Gebäude des früheren Friedensauer Sanatoriums wurden ab 1920 zunächst als Schülerwohnheim, kurze Zeit als Müttergenesungsheim, dann als Erholungsheim und im Zweiten Weltkrieg wieder als Lazarett genutzt. Die staatliche Anerkennung des bisherigen Seminars als Theologische Hochschule vor sieben Jahren und der weitere Ausbau der Hochschuleinrichtungen führten dazu, daß aus den Gebäuden des früheren Sanatoriums ein modernes Gästehaus für die Hochschule mit etwa 45 Betten, zwei Studentenwohnheime und ein Begegnungszentrum für Studenten entstanden.
Nach wie vor bestehen enge Beziehungen zwischen Friedensau und dem heutigen Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf. Im Fachbereich "Christliches Sozialwesen" der Hochschule unterrichten als ständige Lehrkräfte und Gastdozenten Zehlendorfer Ärzte. Das Krankenhaus mit Sozialstation und Gesundheitszentrum bietet andererseits Möglichkeiten für Praktika von Friedensauer Studenten.
| © APD | Geändert am: 06.04.98 |
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