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Proteste gegen geplante Teilschließung des Krankenhauses "Waldfriede"
Berlin, 25.01.1999/APD Über 600 Menschen demonstrierten vor dem Zehlendorfer Rathaus in Berlin gegen den geplanten Bettenabbau am dortigen adventistischen Kranken-haus "Waldfriede". Nach einem Vorschlag der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales sollen die Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe mit derzeit 70 Betten geschlossen werden. Tausende von Protestschreiben gingen an den Regierenden Bürger-meister Eberhard Diepgen. Bis zum Jahr 2005 soll die Zahl der Krankenhausbetten in Berlin von derzeit 26 500 auf 22 000 gesenkt werden, um jährlich eine Milliarde Mark einzusparen. Die Gesundheitssenatorin Beate Hübner (CDU) geht davon aus, daß dadurch bis zu 8 000 Arbeitsplätze wegfallen. Besonders betroffen seien Krankenhäuser in freier Trägerschaft. Auch mit der Schließung ganzer Kliniken werde gerechnet. Der Senat muß bis 1. Februar den Bundeskrankenkassen eine konkrete Konzeption vorlegen. Ansonsten wollten diese den Krankenhäusern die Verträge kündigen, was deren finanzielles Aus bedeuten würde.
Die Leitung des Krankenhauses "Waldfriede" hält eine Schließung der Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe für absolut ungerechtfertigt. Laut Geschäftsführer Edwin Scharfschwerdt betrugen die Fallkosten am Krankenhaus 4 825 Mark. Dies sei weit weniger als der Berliner Durchschnitt von 9 353 Mark und auch viel günstiger als der Durchschnitt in der Bundesrepublik, der bei 6 029 Mark liegt. Ein Wegfall der Abteilungen würde dazu die Patientinnen in die wesentlich teureren Krankenhäuser führen, so daß statt der beabsichtigten Kostensenkung eine deutliche Erhöhung die Folge wäre. Außerdem hat "Waldfriede" in der Versorgungsregion Süd-West der Stadt die einzigen Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe, so daß Zehlendorfer Frauen künftig in anderen Stadtteilen entbinden müßten. In "Waldfriede" erblicken jedes Jahr über 1 000 Kinder das Licht der Welt. Das Krankenhaus erfreue sich eines wachsenden Zuspruchs bei den Patientinnen, was der Anstieg der Geburtenzahlen um 16 Prozent im letzten Jahr deutlich zeige. Auch Untersuchungen der Stiftung Warentest und der Zeitschrift Focus hätten den hohen Quali-tätsstandard der beiden Abteilungen belegt. Nach Auffassung der Krankenkassen sollten sie deshalb bestehen bleiben.
Die "Initiative Zehlendorfer Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt der Gynäkologie/Geburtshilfe am Krankenhaus Waldfriede" weist in Massenprotestschreiben an Eberhard Diepgen darauf hin, daß für Generationen von Zehlendorferinnen und Zehlendorfern die Geburtshilfe des Krankenhauses Ausgangspunkt einer lebenslangen "Beziehung" zu "Wald-friede" und seinen Gesundheitseinrichtungen sei. Sie fragt den Regierenden Bürgermeister: "Sollen die Zehlendorferinnen zukünftig in weitaus größerer Entfernung vom Wohnort in der anonymen Atmosphäre eines Großklinikums entbinden müssen?" Da die Schließung der Abteilung weder für die Krankenkassen noch für die Patientinnen einen Sinn habe, fordert die Initiative das Stadtoberhaupt auf, den geplanten Bettenabbau zu verhindern.
Der ärztliche Direktor von "Waldfriede", Dr. Ronald Noltze, hält die von der Senatsverwaltung vorgeschlagene Integration von 40 Betten der Abteilung Naturheilweise des von der Schließung bedrohten Krankenhauses Moabit für keinen ausreichenden Ersatz. In der Summe bedeute dieses Planvorhaben eine Kürzung der Bettenzahl um 15 Prozent gegen-über dem bisherigen Stand von 230. Noltze spricht sich dagegen für den Vorschlag der Krankenkassen zur Krankenhausplanung aus, der eine Aufstockung der Bettenzahl von "Waldfriede" auf 250 vorsieht. Dann ließe sich auch die Abteilung Naturheilweise integrie-ren, die das medizinische Spektrum von Krankenhaus und Gesundheitszentrum "Wald-friede" sinnvoll ergänzen würde.
Die Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten zeigte sich als Träger des Krankenhauses in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister von den Absichten der Senatsverwaltung sehr betroffen. Für Pastor Bruno Liske (Ostfildern bei Stuttgart), dem Vorsitzenden der deutschen Adventisten, und Erich Amelung (Bern) von der europäischen Leitung der evangelischen Freikirche, ist die geplante Schließung der Abteilungen Geburts-hilfe und Gynäkologie "nicht verständlich und akzeptabel". Sie weisen darauf hin, daß gerade für konfessionelle Einrichtungen diese Abteilungen "eine große Bedeutung haben". Außerdem sei "Waldfriede" das einzige Akutkrankenhaus der Freikirche in Deutschland und Mitteleuropa. Das in das weltweite Gesundheitssystem der Freikirche eingebundene Krankenhaus habe einen hohen Bekanntheitsgrad. "Gerade jetzt, wo Berlin wieder Haupt-stadt Deutschlands ist und damit auch unser Krankenhaus in der Zukunft eine noch größere Anzahl von Besuchern aus allen Teilen der Welt zu erwarten hat, würde eine solche Maß-nahme auf größtes Unverständnis stoßen". Die Kirchenleiter fordern deshalb Diepgen auf, den Erhalt dieser Abteilungen zu gewährleisten.
Das 230-Betten-Akutkrankenhaus "Waldfriede" in Berlin-Zehlendorf wurde 1920 gegründet. Es versorgt mit den Fachabteilungen Chirurgie, Innere, Gynäkologie, Geburtshilfe und Anästhesie jährlich 5 500 Patienten stationär und 3 500 ambulant. Es umfaßt neben einer Krankenpflegeschule mit 80 Ausbildungsplätzen ein Gesundheitszentrum und eine Sozial-station. Laut dem Ärztlichen Direktor Dr. Ronald Noltze gehört zum Konzept der Klinik nicht nur das Heilen von Krankheiten, sondern auch die Verhinderung möglicher Krankheiten durch Gesundheitsaufklärung. Aber auch an die Patienten sei gedacht, die nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht alles wieder selbst machen könnten. Hier helfe die Sozialstation. Dieses umfassende Konzept habe auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überzeugt, so daß sie 1996 "Waldfriede" in das "Netz gesundheitsfördernder Krankenhäuser" aufnahm. Die renommierte Krankenanstalt ist außerdem Lehrkrankenhaus der Freien Universität Berlin, Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg und Teil des "Adventist Health Systems" der evangelischen Freikirche. Die Siebenten-Tags-Adventis-ten verfügen weltweit über insgesamt 159 Krankenhäuser und 306 Kliniken, in denen 64 501 Ärzte, Krankenschwestern und weiteres Personal jährlich über 10 Millionen Patienten behandeln.
"Adventisten auf einen Blick 1999"
Ostfildern bei Stuttgart, 25.01.1999/APD Die für 1999 erschienene Kurzinformation "Sieben-ten-Tags-Ad-ventisten - Auf einen Blick" enthält neben Angaben über Glau-be, Herkunft und Lebensstil ihrer Mitglieder die wichtigsten statistischen Zahlen und Erläu-terun-gen zu den zahlreichen Aktivitäten der weltweiten evangelischen Freikir-che. Die unter "Fakten" mit Stand vom 1. Januar 1998 in 205 Ländern genannten 9 702 834 erwachse-nen getauften Gemeindeglieder haben Ende September letzten Jahres die Zehn-Millionen-Grenze überschritten. Nach der römisch-katholischen Kirche unterhalten die Siebenten-Tags-Adventi-sten mit 5 416 Schulen, Colleges und Universitäten das größte kirchliche Bildungswerk der Welt. Die "Ad-ventistische Entwicklungs- und Katastro-phenhilfe" (ADRA-International) arbei-tet derzeit in 155 Ländern. Das Faltblatt kann kosten-los bei der Gemein-schaft der Siebenten-Tags-Ad-ven-ti-sten, Senefelderstraße 15, 73760 Ostfildern, Telefon (0711) 44 81 90, Telefax (0711) 4 48 19 60, bezogen werden.
Neuer Chefredakteur für Evangelischen Pressedienst
Frankfurt/Main, 25.01.1999/APD Thomas Schiller (35) wird neuer Chefredakteur der Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Frankfurt am Main. Der promo-vierte Journalist wurde vom Vorstand des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizis-tik (GEP) zum Nachfolger von Hans Hafenbrack (62) berufen, der im November letzten Jahres in den Ruhestand trat. Schiller hatte nach dem Journalistik- und Geschichtsstudium in Dortmund sowie dem Volontariat seit 1990 das Büro der Deutschen Presseagentur (dpa) in Erfurt mit aufgebaut und war von 1993 bis 1996 Chef vom Dienst im dpa-Landesbüro München. Seitdem ist er dpa-Auslandskorrespondent in Paris. Hafenbrack hatte die epd-Zentralredaktion 17 Jahre geleitet. Der gebürtige Stuttgarter arbeitete von 1960 bis 1978 in der württembergischen Landeskirche, zuletzt als Pfarrer in Bad Mergentheim.
Christus-Pavillon direkt an EXPO-Plaza
Hannover, 25.01.1999/APD Der Standort für den Pavillon der beiden großen Kirchen Deutschlands während der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover steht fest: Der Stahl-Glasbau wird auf der EXPO-Plaza, dem zentralen Platz des Weltausstellungsgeländes errichtet. Er liegt in direkter Nachbarschaft zum deutschen Pavillon und der Arena, in der vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 die Großveranstaltungen stattfinden. Von der zentralen Lage versprechen sich die Kirchen einen guten Besuch ihrer Einrichtung. Der Bau, dessen Entwurf von dem Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner stammt, ist in seiner Gestaltung auf das Thema "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewig-keit" ausgerichtet. Von den drei EXPO-Themen "Mensch-Natur-Technik" stehe damit Jesus Christus im Mittelpunkt, der als Gott Mensch wurde. Laut Dr. Günter Linnenbrink, Vizeprä-sident des Kirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, bilde der Mittelpunkt des Pavillons das Christussymbol. Dadurch sollen die Besucher zu der Frage angeregt werden: "Was bedeutet Christus für mich?" Es soll deutlich werden: Glaube an Jesus bereichert das Leben. Da sich der Pavillon auf Christus, die Mitte der christlichen Botschaft konzentriert, können die evangelische und die katholische Kirche das Projekt gemeinsam betreiben. Die Besonderheiten, wie auch die Unterschiede der beiden Konfes-sionen, stünden, so Linnenbrink, nicht im Vordergrund.
EXPO zog umstrittenes Teufelsplakat zurück
Hannover, 25.01.1999/APD Nach kirchlichen Protesten hat die EXPO in Hannover ein umstrittenes Plakat mit einer Teufelsgestalt zurückgezogen. Laut Gerhard Wegener, Leiter des Evangelischen EXPO-Büros, habe es massive Proteste von evangelischer, katholischer und freikirchlicher Seite gegeben. Die gehörnte Gestalt auf dem umstrittenen Plakat sollte für das Kultur- und Ereignisprogramm während der Weltausstellung werben. Da eine 19stündige Aufführung von Goethes "Faust" während der EXPO geplant ist, kam der rollenbelastete Mephisto aufs Plakat. Wegener gegenüber der Presse: "Wir haben nichts gegen Faust. Aber das Plakat erzeugt Mißverständnisse."
Nachrichtenagenturen ab August mit neuer Rechtschreibung
Frankfurt/Main, 25.01.1999/APD Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen werden die neue Rechtschreibung zum 1. August 1999 weitestgehend umsetzen. Darauf haben sie sich in Frankfurt am Main geeinigt. Sie wollen dabei den Regeln der zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung folgen. Bei den von der Kommission vor-gesehenen Wahlmöglichkeiten streben die Nachrichtenagenturen eine einheitliche Schreib-weise an. So wollen sie bei Fremdwörtern aus lebenden Sprachen der bisherigen Schreib-weise, bei Fremdwörtern aus alten Sprachen der neuen Variante den Vorzug geben. In der Zeichensetzung halten die Agenturen wegen der besseren Lesbarkeit der Nachrichten an den bisherigen Regeln vorwiegend fest. Agence France Press (AFP), Associated Press (AP), Austria Presse Agentur (APA), Deutscher Depeschen Dienst (ddpADN), Deutsche Presse-Agentur (dpa), Evangelischer Pressedienst (epd), Katholische Nachrichtenagentur (KNA), Reuters, Schweizerische Depeschenagentur (SDA), Sport-Informations-Dienst (sid) und Vereinigte Wirtschaftsdienste (vwd) wollen die Rechtschreibung aufmerksam beobachten und gegebenenfalls auf neue Entwicklungen gemeinsam reagieren.
Im Restaurant beten
Köln, 25.01.1999/APD Christen sollten sich nach Auffassung des Kölner Erzbischofs Joachim Meisner wieder stärker offen zu ihrem Glauben bekennen. Sie sollten sich nicht scheuen, in einem Restaurant vor dem Essen zu beten, sagte der Kardinal vor Journalisten. "Wir brauchen einen ,unverschämten' Glauben, der aus einem gesunden Selbstbewußtsein kommt", meinte der Kölner Oberhirte. Allzuviele Christen versteckten heutzutage ihren Glauben und scheuten sich, etwa in der Öffentlichkeit zu beten. Doch wer seinen Glauben verstecke, könne ihn nicht entfalten.
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