APD


Rezension



Dieter Leutert (Hrsg.), "Festschrift 100 Jahre Friedensau 1899-1999", Hamburg, Grindeldruck, 1999, Paperback, 57 Seiten, 10,00 DM, Bezug: Theologische Hochschule Friedensau, An der Ihle 19, 39291 Friedensau.
  Die Festschrift würdigt zunächst recht ausführlich das Wirken von Professor Dr. Erhard Hübener (1881-1958), Landeshauptmann der preußischen Provinz Sachsen (bis 1933) und nach dem Krieg erster Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Darauf folgt ein kurzer Abriß der Geschichte Friedensaus, die in folgende Abschnitte unterteilt ist: 1899 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Weimarer Republik, NS-Zeit, DDR und Nachwendezeit. Nach der Beschreibung der Werte und Ziele der Hochschule stellen sich die Fachbereiche Theologie, Christliches Sozialwesen und Musik sowie die Bibliothek und das Historische Archiv der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa vor. Es folgt eine Kurzdarstellung der Institute der Hochschule für Geschichte der Siebenten-Tags-Adventisten, Biblische Archäologie und Altes Testament, Entwicklungszusammenarbeit, Familien und Sozialforschung, integrierte Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit, Psychologie und Seelsorge, Religionsfreiheit, Kirchenmusik sowie Sprachen. Vorgestellt wird auch das Friedensauer Museum und der Förderverein "Freundeskreis Friedensau". Adressen und ein tabellarischer Überblick der angebotenen Studiengänge beschließen den informationsreichen Band.

Holger Teubert



"Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers", Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984, Stuttgart, Deutsche Bibelgesellschaft, 1999, gebunden, 1296 bzw. 1472 Seiten (mit Apokryphen), ohne Apokryphen 28,00 DM, ISBN 3-438-01502-1; mit Apokryphen 32,00 DM, ISBN 3-438-01522-6; Schulausgabe mit Apokryphen 16,80 DM, ISBN 3-438-01230-8.
  Jetzt gibt es die bewährte Lutherbibel auch in der neuen Rechtschreibung. Dabei entschieden sich die Deutsche Bibelgesellschaft und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die für die Textgestaltung der Lutherübersetzung zuständig ist, für "behutsame Neuerungen". Wo die Rechtschreibreform die Wahl zwischen der bisherigen Schreibweise und der neuen läßt, bleibt es bei der alten. Da die Lutherbibel als historischer Text auch bisher nicht ganz der Normrechtschreibung entsprach, weicht der Text auch bei der neuen Orthographie hin und wieder ab. Darüber hinaus gibt es an einigen Stellen inhaltliche Änderungen. So wird künftig auch im Alten Testament meist von "Frauen" statt von "Weibern" die Rede sein.

Die weitaus häufigste Korrektur ist der Übergang von "ß" zu "ss" nach kurzem Vokal, zum Beispiel bei "dass". Konsequent gilt das Stammprinzip für alle Wörter einer Wortfamilie. So sind Bannungen, Geisterbeschwörungen und Zeichendeutereien Gott jetzt ein "Gräuel" (5. Mose 18,12). Das Wort "Gräuel" kommt 123 mal in der Bibel vor. Zusammengeschrieben werden Wörter wie "wohlgeordnet" (2. Mose 15,18), "wohlgefallen" (Lukas 12,32) und "wohlmachen" (Psalm 37,5). "Wohl" kann "gut" aber auch "wahrscheinlich" bedeuten. Eine getrennte Schreibweise könnte zu Mißverständnissen führen. Mißverstanden werden kann auch das Wort "wiederfinden", wenn es getrennt geschrieben wird. Es geht nicht um ein "immer wieder", wenn der Vater den verlorenen Sohn wiederfindet (Lukas 15,32). Für die Kommasetzung gilt das Prinzip: Dort, wo ein Komma zum Verständnis nötig ist, wird es auch weiter stehen - selbst wenn es nach den neuen Regeln nicht stehen müßte. Da die Lutherbibel auch als Schulbuch zugelassen ist, muß sie sich wie alle Schulbücher an die verbindliche Schreibweise halten. Dies ist mit der jetzt vorliegenden Ausgabe geschehen, die rechtzeitig zum Beginn des neuen Schuljahres vorliegt.

Holger Teubert



Bernhard Oestreich, Horst Rolly und Wolfgang Kabus (Hrsg.), "Glaube und Zukunftsgestaltung. Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Theologischen Hochschule Friedensau. Aufsätze zu Theologie, Sozialwissenschaften und Musik", Frankfurt/Main, Peter Lang, 1999, Leinen, 434 Seiten, 120,00 DM, ISBN 3-631-34547-X.
  Der Titel der vorliegenden Festschrift "Glaube und Zukunftsgestaltung" umschreibt, was sich in den 100 Jahren der Geschichte Friedensaus bewährt und als dynamisches Ziel erwiesen hat. Er deutet zugleich an, welche Erwartungen die Geschichte an diejenigen stellt, die an der weiteren Entwicklung der Theologischen Hochschule beteiligt sind. Die Aufsätze dieser Festschrift kommen aus den Bereichen Theologie, Sozialwissenschaften und Musik. Sie spiegeln damit die Fachbereiche wider, die in Friedensau gelehrt werden und in denen geforscht wird. Es ist ein Zeichen der Offenheit der Hochschule, daß Autoren aus verschiedenen Kirchen und Ländern vertreten sind. Obwohl die Abgrenzung der Fachbereiche Theologie, Sozialwissenschaften und Musik klar sein sollte, erwies sich die Gliederung der Beiträge als schwierig. Das lag daran, daß viele Arbeiten die Grenze zu einem anderen Fachbereich überschreiten: sozialwissenschaftliche Themen werden mit theologischen Aspekten verknüpft, Theologie bezieht soziologische Fragen mit ein, und die Musik ist nicht nur ein gesellschaftsrelevantes Phänomen, sondern auch "eine hochtheologische Angelegenheit" (Thomas Mann). Aber noch eine andere Grenze wird ständig in beiden Richtungen überquert: theoretische Forschungen finden sich neben praktischen Erwägungen und vermischen sich gar. Doch dies entspricht der Ausbildung in Friedensau. Sie hat sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, Theorie und Praxis zu verbinden und über den Horizont nur einer Disziplin, etwa der Theologie, hinauszukommen.
Der Band beginnt mit dem geschichtlichen Überblick "100 Jahre Ausbildung in Friedensau". Es folgen 13 Artikel aus dem Bereich Theologie, beispielsweise "Heil inmitten Unheil: Eine Auslegung von Jeremia 29,4-7" oder "Argumentation für den Frieden in Römer 14,1-15,13". Die sieben Beiträge zum Thema Sozialwissenschaften enthalten Fragen, wie "Jugend und Gewalt", "Therapie Suchtkranker und Suchtprävention - wichtige Aufgaben christlicher Sozialarbeit" oder "Söhne und Vaterbild". Die vier Artikel des Bereiches Musik behandeln unter anderem "Musik und Theologie - Chancen einer Partnerschaft" und "Mystik und geistliches Singen bei Gerhard Tersteegen". Mit einem Autorenverzeichnis schließt das Buch. Die wissenschaftliche Festschrift möchte, so der Rektor der Hochschule, Professor Dr. Udo Worschech, dem Leser Antworten geben und zu neuem Fragen anregen. Dies scheint gelungen zu sein. Das Werk kann auch direkt bei der Theologischen Hochschule Friedensau, An der Ihle 19, 39291 Friedensau, bezogen werden.

Holger Teubert




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© APD Geändert am: 15.07.99

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