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Deutschland


Adventisten und das Jahr 2000

Lüneburg, 24.06.1999/APD Die bevorstehende Jahrtausendwende hat weltweit Spekulationen, Ängste und Zweifel hinsichtlich der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität ausgelöst. In einer Umfrage bat das "Adventecho", die Gemeindezeitschrift der deutschsprachigen Siebenten-Tags-Adventisten, fünf Leiter der evangelischen Freikirche um eine Stellungnahme zur Bedeutung des Jahres 2000. Hierauf antworteten ziemlich übereinstimmend Ulrich Frikart (Bern), Präsident der europäischen Kirchenleitung Euro-Afrika Division, sowie die Vorsteher Reinhard Rupp (Hannover - Norddeutscher Verband), Bruno Liske (Stuttgart - Süddeutscher Verband), Günter Schleifer (Wien - Österreichische Union) und Paul Hofmann (Zürich - Deutschschweizerische Vereinigung).

Obwohl für sie in der Regel ein Jahr wie jedes andere ist, sehen sie dennoch in dem Wechsel in das 3. Jahrtausend eine besondere Aufforderung zu verstärkter missionarischer Arbeit mit dem Blick auf die baldige Wiederkunft des Herrn. "Perspektive 2000" bedeutet für die fünf Geistlichen zum anderen, die biblisch gebotene Balance zwischen Wachsamkeit, Nüchternheit und Freude in Christus zu halten und den Menschen angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Kriege und Katastrophen Hoffnung durch das Evangelium zu vermitteln. Schließlich gebe die Heilige Schrift nicht nur Kenntnis vom Ende der Welt, sondern auch von einem neuen Anfang auf einer neuen Erde, obwohl nirgends ein Zeitpunkt für die letzten Dinge angedeutet werde.

Euphorie oder Ängste wegen des für viele so schicksalhaften Jahreswechsels konnten in den deutschsprachigen Adventgemeinden trotz einer gewissen Spannung nicht ausgemacht werden. Die Empfehlung der fünf Pastoren lautet: "Das zuversichtliche Warten auf Jesu Kommen mit Hilfe des prophetischen Wortes der Bibel unbeirrt fortzusetzen." Von nöten sei jedoch eine "neue Strategie der Hoffnung für die christlichen Gemeinden sowie auch für die Menschen überhaupt. Dazu rufen die fünf zu einer verantwortlichen Bewahrung der Schöpfung auf, "denn die nach uns Lebenden brauchen eine intakte und zukunftsorientierte Welt sowie eine den Kindern und Jugendlichen zugewandte Gemeinde". Das bedeute einerseits Bereitschaft, Christus hier und heute zu begegnen, gleichzeitig aber aktiv im Dienste des Evangeliums zu stehen, als ob die Zeit bis zur Wiederkunft Christi noch Jahrhunderte dauern würde.

Als "Proviant" für die Gemeinde auf ihrem Weg ins neue Jahrtausend muß für das adventistische Führungsgremium "Christus im Zentrum unseres Lebens und Handelns stehen, den Menschen außerhalb der Gemeinde mehr Liebe und Zuneigung geschenkt und die Gemeinde selbst immer stärker zu einer Offenbarung des Leibes Christi werden". "Jesus Christus ist das Brot des Lebens und unser Endzeit-Proviant. Nur wer die Rechtfertigung durch Christus hat, wird überleben." Trotz befürchteter innergemeindlicher Pluralität und Uneinigkeit, mangelnde Einsatzbereitschaft und nachlassender Liebe glauben alle Befragten an die Zukunft der Gemeinde, da Nachfolge Christi noch nie ein leichter Weg war. Sie warnen dazu vor einem materialistisch geprägten Lebensstil, der die konsequente Ausrichtung auf das Wort Gottes und die Wärme in der Gemeinde gefährden könnte. Abschließend wurde die Ansicht vertreten, "daß eine runde Jahreszahl weder unser Vertrauen noch unser Mißtrauen verdient. Vertrauen verdient einzig und allein unser Herr Jesus Christus."



Adventisten beim Stuttgarter Kirchentag vertreten

Stuttgart, 24.06.1999/APD Während des 28. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Stuttgart waren auch die Siebenten-Tags-Adventisten mit mehreren Ausstellungsständen vertreten. Beim "Markt der Möglichkeiten" in der Messe Killesberg stellten sich die Advent-Kindergärten vor, von denen es mittlerweile zwölf in Deutschland gibt. In Halle 11 präsentierten gemeinsam die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA), das Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) und der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG) ihre Arbeit. Im Internetcafé in der Schleyer-Halle fand sich auch der Verein st@online. Er war mit fünf gesponserten Computern vertreten, die mit 21-Zoll-Monitoren und zwei ADSL-Leitungen einen klaren und schnellen Zugang ins Internet ermöglichten. Hauptsächlich junge Besucher drängten an die Tastaturen, um ihre Kontakte in aller Welt zu pflegen. Aber auch ohne Computer gab es ausreichend Gelegenheit, zu diskutieren und zu fachsimpeln. Ein Vertreter der evangelischen Freikirche nahm am Gesprächsforum "Zukunftserwartung zwischen Weltverneinung und Weltverantwortung" in der Stadtkirche Bad Cannstatt teil.



SPD in Friedensau vorn

Friedensau bei Magdeburg, 24.06.1999/APD Größeres Interesse als im Bundesdurchschnitt fand die Europawahl bei den Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg. Statt 45 Prozent gingen dort von den 273 Wahlberechtigten 164 (60 Prozent) zur Wahlurne. Auch die Ergebnisse weichen vom Bundestrend ab. Für die SPD votierten 41,5 Prozent, während die CDU nur 29 Prozent der Stimmen erhielt. Die Grünen konnten mit 13,2 Prozent zufrieden sein. Die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) kam immerhin noch auf 4,6 Prozent. Für die FDP und PDS stimmten jeweils vier, die Tierschutzpartei drei, die Autofahrerpartei (APD) und die Republikaner jeweils zwei Wähler sowie für die ödp, die Grauen und die Naturgesetzpartei je einer. Die übrigen acht Parteien gingen leer aus. Wie Wahlleiter Dr. Rolf Pöhler mitteilte, konnte gegenüber der Europawahl 1994 die CDU ihr Ergebnis um 10,7 und die SPD um 3,2 verbessern. Die Grünen nahmen um 0,7 Prozent zu. Die FDP verlor dagegen 7,4 Prozent. In der politischen Gemeinde Friedensau wohnen fast ausschließlich Siebenten-Tags-Adventisten. Die evangelische Freikirche unterhält dort eine Theologische Hochschule und ein Altenpflegeheim. Von den 273 Wahlberechtigten waren etwa 40 Prozent Senioren und 20 Prozent Studenten. Die meisten Studierenden haben allerdings ihren ersten Wohnsitz nicht in Friedensau und sind deshalb dort nicht wahlberechtigt. Schon öfter hatten die Friedensauer anders als im Bundesdurchschnitt gestimmt. Bei der Bundestagswahl 1998 votierten 38,8 Prozent für Helmut Kohl, während Gerhard Schröder nur auf 31,6 Prozent kam.



Adventisten sammeln für Waisenkinder und arme Bauern

Ostfildern bei Stuttgart, 24.06.1999/APD Um Spenden für Waisenkinder und Kranke in Indien sowie für arme Bauern in Mexiko bittet in den nächsten Monaten die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten anläßlich ihrer in verschiedenen Bundesländern stattfindenden Landessammlung 1999 für die Adventmission. In einem Vorort der südindischen Stadt Hyderabad finden 64 Jungen und Mädchen in einem Waisenhaus Platz. Sie wurden aus den Slums der Großstadt herausgeholt, in denen sie als Straßenkinder und Bettler lebten. Für sie soll ein neues Wohnheim errichtet werden, so daß jedes Kind sein eigenes Bett und einen Schrank für seine persönlichen Sachen hat. Dem Waisenhaus ist eine Schule angegliedert, um den Kindern durch eine gute Ausbildung einen besseren Start ins Berufsleben zu ermöglichen. 1997 eröffnete die Adventmission in Bangalore (Südindien) ein Krankenhaus, das ein Ambulanzfahrzeug benötigt, um auch verunglückten Menschen helfen zu können. Im Gebiet von Uman in der südmexikanischen Provinz Yucatan wirft der karge und steinige Boden nur wenig Ertrag für die Bauern ab. Sie sind arm und haben kein Geld für einen Arztbesuch oder für Medikamente. Die Adventmission möchte in Uman ein Wohlfahrtszentrum einrichten, in dem Kleidung und Nahrungsmittel verteilt werden. Außerdem soll es dort medizinische Hilfe geben und Unterricht in Hygiene und gesunder Lebensweise erfolgen, damit bestimmte Krankheiten erst gar nicht auftreten. Bei der Landessammlung 1998 wurden in Deutschland 430 000 Mark für die Sozialarbeit der Adventmission gesammelt, die mithalfen, die Not auf den Philippinen und in Aserbaidschan zu lindern.



Tschernobyl-Kinder auf der Wachtelburg

Potsdam, 24.06.1999/APD 40 Kinder aus der strahlenverseuchten Tschernobyl-Region halten sich mit ihren einheimischen Betreuern seit 15. Juni für einen Monat zur Erholung auf der Wachtelburg, einer Freizeitstätte der Siebenten-Tags-Adventisten in Werder/Havel, auf. Die Adventgemeinde Potsdam führt zum sechsten Mal diese Erholungsmaßnahme mit finanzieller Unterstützung des brandenburgischen Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport sowie mit Spenden von adventistischen Nachbargemeinden durch.



Bundesverdienstkreuz für Hilfe im Osten

Hamburg, 24.06.1999/APD Für seinen Hilfseinsatz im Osten erhielt Paul Radach, Mitglied der adventistischen Gemeinde Hamburg-Grindelberg, das Bundesverdienstkreuz. Seit 1990 organisiert er Lebensmittel- und Sachgütertransporte, deren Wert bereits Ende 1996 1,2 Millionen Mark erreichte, nach Rußland, Weißrußland, die Ukraine, Rumänien und Moldawien. Nach wie vor sammelt der 69jährige Geld- und Sachspenden für Notleidende im Osten. Sein zweiter Schwerpunkt ist zusammen mit seiner Ehefrau Brunhilde der Erholungsaufenthalt für Tschernobyl-Kinder im Haus "Waldfried" in Staufenberg-Speele bei Kassel. Bis jetzt konnten jedes Jahr etwa 50 Kinder für vier Wochen nach Deutschland kommen.



Margot Käßmann zweite Bischöfin in Deutschland

Hannover, 24.06.1999/APD Dr. Margot Käßmann (41), die noch Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ist von der Synode der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zur Bischöfin gewählt worden. Die aus Fulda stammende Theologin tritt am 4. September ihr Amt als Nachfolgerin von Landesbischof Horst Hirschler an. Als erste Frau übernahm Maria Jepsen 1992 das Bischofsamt in Hamburg. Weltweit haben inzwischen sechs der insgesamt 124 lutherischen Kirchen eine Bischöfin. Die Hannoversche evangelisch-lutherische Landeskirche ist mit 3,3 Millionen Mitgliedern die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.



Professor Frieling verläßt nach 32 Jahren Konfessionskundliches Institut

Bensheim, 24.06.1999/APD In den Ruhestand verabschiedet wurde Professor Dr. Reinhard Frieling, seit 18 Jahren Direktor des Evangelischen Bundes und Leiter des Konfessionskundlichen Instituts, Bensheim. Schon davor war er 14 Jahre am Institut als Referent für die Bereiche Ökumene und Lateinamerika zuständig. Frieling setzt mit seinen theologischen Arbeiten seit mehr als 30 Jahren auf die Vermittlung zwischen akademischer Theologie und kirchlicher Praxis. Er ist Mitglied und Berater einer Reihe ökumenischer Gremien und Ausschüsse auf europäischer und Weltebene. Auch nach seiner Pensionierung wird Frieling einige seiner Funktionen behalten, so als Vorsitzender des Europa-Ausschusses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Studienkommission "Kirche im Dialog" der Konferenz Europäischer Kirchen sowie als Honorarprofessor für Systematische und Ökumenische Theologie in Marburg. Sein Nachfolger ist Privatdozent Dr. Jörg Haustein.

 

Kein Grund für Minderwertigkeitskomplexe bei Baptisten

Bad Homburg, 24.06.1999/APD Gegen baptistische Minderwertigkeitskomplexe in Deutschland gegenüber den großen Volkskirchen wandte sich der Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes, Dr. Denton Lotz (McLean bei Washington/USA), in einem Interview mit der Pressestelle des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Sie seien unberechtigt, denn mit weltweit 43 Millionen Mitgliedern und über 100 Millionen Gottesdienstbesuchern gehörten die Baptisten zu den größten protestantischen Kirchen, auch wenn sie in der Bundesrepublik eine Minderheit bildeten. Lotz äußerte sich dankbar, daß es in der ökumenischen Zusammenarbeit mit Evangelischen und Katholiken kaum Probleme gebe. Dies gelte jedoch nicht für die orthodoxen Kirchen. Sie seien oft nationalistisch eingestellt und diskriminierten Andersgläubige. Dies reiche von Beschimpfungen bis zu tätlichen Übergriffen. Der Generalsekretär wies auch die immer wieder von orthodoxer Seite vorgebrachte Anschuldigung zurück, die Baptisten riefen zum Religionswechsel auf. "Das stimmt nicht. Wir versuchen ausschließlich, säkulare Menschen zu erreichen." Jemand, der von seiner Großmutter in eine Kirche getragen wurde, um dort eine angebliche Taufe zu empfangen, sich aber "nie bekehrt" habe, sei kein Christ.



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© APD Geändert am: 04.07.99