| Rüdiger Runge und Margot Käßmann (Hrsg.), "Kirche in Bewegung. 50 Jahre
Deutscher Evangelischer Kirchentag", Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus,
1999, gebunden, 224 Seiten, ISBN 3-579-02099-4, 68,00 DM.
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"Deutsche Evangelische Woche" nannte sich der erste Kirchentag, der vom 28.
Juli bis 1. August 1949 in Hannover stattfand. Er wollte an die Tradition
der Bekennenden Kirche anknüpfen, die 193
5 am gleichen Ort erstmals eine solche Woche veranstaltete. Im Jahre 1949
befand sich Deutschland in einem Zustand der Zerrissenheit. Zwei getrennte
Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen entstanden, und vieles
lag noch in Trümmern, als sich bis zu 7 000 Dauerteilnehmer in Hannover
einfanden. Zu ihnen sprach unter anderem der spätere Bundespräsident Gustav
Heinemann über die öffentliche Verantwortung der evangelischen Christen.
Ein Jahr später strömten 180 000 zur Hauptversammlung ins Essener
Ruhrstadion mit dem großen stählernen Kreuz. 1951 erwies sich der
Kirchentag in Berlin als einzigartiges Begegnungsforum der Deutschen, die
miteinander sangen, beteten, feierten, diskutierten, einander informierten
und Erfahrungen austauschten. Beim Kirchentag ein Jahr später in Stuttgart
wartete man vergeblich auf 20 000 Teilnehmer aus der "Ostzone", die keine
Reisepapiere erhalten hatten. Anders war es 1953. Wegen des 17. Juni und
des nachlassenden Konfrontationskurses, den Moskau dem Ostberliner SED-Chef
Walter Ulbricht verordnet hatte, erhielten 10 000 ostdeutsche Christen
spontan Reisegenehmigungen und Sonderzüge nach Hamburg. Ein einmaliges
Ereignis war zweifellos der Kirchentag 1954 in Leipzig. Erst ein
Vierteljahr vor seinem Beginn genehmigte die DDR-Führung die
Großveranstaltung. 650 000 Menschen kamen damals zum Abschlußgottesdienst
auf die Rosentalwiese. Es war die größte Hauptversammlung in der Geschichte
des Kirchentages. Der 27. Deutsche Evangelische Kirchentag fand 1997 wieder
in Leipzig statt. Diesmal in einem vereinigten Deutschland mit ganz anderen
Herausforderungen und Fragen als 1954.
Der Jubiläumsband erinnert mit seinen zahlreichen Dokumenten und Bildern an
längst Vergessenes. Er faßt skizzenhaft ein halbes Jahrhundert Geschichte
von Gesellschaft und evangelischer Kirche in Deutschland zusammen. Die
Autorinnen und Autoren betrachten dabei die einzelnen Jahrzehnte als
geschlossene Entwicklungsabschnitte mit eigenen Leitthemen. Zufall oder
nicht: Die Übergänge der Entwicklung in Kirche und Gesellschaft lagen immer
nahe an der Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt. Das galt kurz vor dem Bau
der Mauer 1961 ebenso wie 1989 kurz vor ihrem Fall - oder auch 1969 zu
Zeiten der Studentenbewegung. "Kirche in Bewegung" hieß das Leitwort der
"Evangelischen Woche" 1949 in Hannover. Bewegung ist gut, nur kommt es auf
die Richtung an. Der Band dokumentiert, wie die Evangelischen Kirchentage
auf die Herausforderungen der Zeit zu antworten versuchten. Ob dabei die
Antworten mehr dem Zeitgeist entsprachen oder auch Wegweisendes enthielten,
das sich am Wort Gottes orientierte, soll der Leser selbst entscheiden.
Holger Teubert
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