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Evangelische und Katholiken im Bundestag fast gleich stark
Bonn, 11.03.1999/APD Von den 669 Volksvertretern des neuen Deutschen
Bundestages sind 202 katholisch, 221 evangelisch, 18 konfessionslos und
drei (Sabine Jünger/PDS, Christina Schenk/PDS und Simone Violka/SPD)
Atheisten. Frank Hempel (SPD) bekennt sich zu den
Siebenten-Tags-Adventisten, und Ekin Deligöz (Grüne) gibt als Religion
"Islam" an. 223 Abgeordnete machten in "Kürschners Volkshandbuch", dem
traditionellen Parlamentarierverzeichnis, das jetzt in einer aktuellen
Ausgabe in der Neuen Darmstädter Verlagsanstalt erschien, keine Angaben
über ihre Religionszugehörigkeit.
Für Frank Hempel, dem ersten adventistischen Abgeordneten im Deutschen
Bundestag, ist Politik eigentlich nichts Neues. In einem Interview mit dem
Gemeindeblatt der Siebenten-Tags-Adventisten "Adventecho", wies er auf
seine kommunalpolitischen Erfahrungen im Stadtparlament von Neustrelitz
hin. Er sei dort auch als Christ "durchaus wahrgenommen worden". Im
Bundestag wolle er kein "Hinterbänkler" sein, sondern in verschiedenen
Ausschüssen engagiert mitarbeiten. Wie jeder andere Abgeordnete auch habe
er Entscheidungen nach seinem Gewissen zu treffen. Die Grenze verliefe bei
ihm da, wo er sagen müßte: "Das kann ich vor Gott nicht mehr verantworten".
Hempel betonte, daß es in allen Fraktionen des Parlaments gläubige Christen
gebe, die sich in unregelmäßigen Abständen zum "Gebetsfrühstück" treffen,
woran er gern teilnehme. Er empfahl Christen, sich ganz konkret zugunsten
ihrer Mitbürger in diese Gesellschaft einzubringen, sonst würde man ihnen
alles Reden über Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe nicht abnehmen.
Musiktherapie Magisterfach in Friedensau
Friedensau bei Magdeburg, 11.03.1999/APD Die adventistische Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg bietet neuerdings auch Musiktherapie an. Darauf wies Professor Wolfgang Kabus, Leiter des Instituts für Kirchenmusik, hin. Das Magisterstudium besteht aus zwei Hauptfächern oder einem Hauptfach und zwei Nebenfächern. Als Haupt- beziehungsweise Nebenfach kann unter anderem der Bereich Musiktherapie gewählt werden. Die Studierenden werden dabei angeleitet, Musik therapeutisch anzuwenden. Zum Beispiel könne das Anhören bestimmter Melodien eine entspannende, schmerz- und angstlösende Wirkung auf Menschen ausüben. Gearbeitet werde aber auch mit freier Improvisation mittels der Stimme, aller möglicher Arten von Musikinstrumenten und Bewegung. Die erforderlichen psychologischen und pädagogischen Voraussetzungen werden im Haupt- beziehungsweise zweiten Nebenfach an der Hochschule erworben.
Juri dank zahlreicher Spender jetzt in Leipzig zur Behandlung
Leipzig, 11.03.1999/APD Der zehnjährige seit Monaten mit schweren
Brandverletzungen im weißrussischen Zentralkrankenhaus in Gomel liegende
Juri Olegowitsch Sujew wurde zur Behandlung nach Leipzig verlegt. Das
dortige St. Georg-Klinikum wird ihn im neuen Brandverletzten-Zentrum
weiterbehandeln. Die Ärzte operieren den Jungen honorarlos, für zusätzliche
Kosten kommen zahlreiche Spender auf. Wie Oberarzt Dr. Johannes Wilde,
Abteilungsleiter für Gefäßchirurgie mitteilte, brach Ende August letzten
Jahres im Haus von Juris Eltern in Derbitschi, Bezirk Gomel, ein Feuer aus.
Der Junge war allein und konnte schließlich durch ein Fenster gerettet
werden. "Doch außer am Hals und an den Füßen hat er überall schwerste
Verbrennungen". Inzwischen sei das Gesicht "einigermaßen geheilt, aber am
Kopf und am Rücken klaffen noch offene Wunden". Schmerzhafte Narben würden
die Gliedmaßen zusammenziehen und das Laufen erschweren.
Bitter für den Jungen sei zudem, so Wilde, daß "die Eltern sich von ihm
losgesagt haben". Nicht ein einzige Mal hätten sie ihn im Krankenhaus
besucht. Die Mutter habe geäußert, sie könne das Elend nicht ertragen. In
Gomel nahmen sich die dortigen Siebenten-Tags-Adventisten des
Schwerverletzten an. Sie wandten sich um Beistand an die adventistische
Gemeinde in Zeitz/Sachsen-Anhalt, die regelmäßig Hilfstransporte nach Gomel
durchführt. Dadurch erfuhr auch die Adventgemeinde Leipzig von der Not.
Beide Gemeinden baten die Bevölkerung um Spenden. "Die Resonanz war
überwältigend", sagte Oberarzt Dr. Wilde, der selbst der Freikirche
angehört. Die Adventgemeinde Leipzig will sich demnächst durch einen
Hausmusikabend bei den zahlreichen Spendern bedanken. Neben den Zeitzer
sind auch die Leipziger Adventisten sehr sozial engagiert. Ihr
Advent-Wohlfahrtswerk unterhält in der Stadt ein Übernachtungshaus für
nichtseßhafte Frauen, eine Kleiderkammer für Bedürftige und eine
Selbsthilfegruppe für Suchtkranke. Die Ortsgruppe des Deutschen Vereins für
Gesundheitspflege lädt jeden ersten Dienstag im Monat ein, Vollwertkost in
der gemütlichen Atmosphäre eines Restaurants kennenzulernen.
Auch ohne Erwachsenentaufe Gastmitglied bei den Baptisten
Berlin, 11.03.1999/APD Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) öffnet sich für Gastmitglieder. Eine entsprechende Empfehlung wurde von deren Bundesleitung in Elstal bei Berlin verabschiedet. Generell hält die größte deutsche Freikirche an ihrem Grundsatz fest, daß nur Christen aufgenommen werden, die zuvor die Gläubigentaufe empfangen haben. In seelsorgerlichen Ausnahmefällen könnten jedoch auch Christen Mitglieder werden, "die sich gewissensmäßig an ihre Säuglingstaufe gebunden fühlen", heißt es in einem Zusatz für ein früheres "Wort der Bundesleitung": "Damit lassen wir die Christen, die bei uns eine geistliche Heimat suchen, aber aufgrund unseres Tauf- und Gemeindeverständnisses noch nicht Vollmitglied werden können, unsere Liebe und Annahme sowie unseren Respekt vor ihrem Glaubens- und Lebenszeugnis spüren." Da man der Taufe keine heilsnotwendige Bedeutung zumesse, könne man eine vertiefte geistliche Gemeinschaft mit allen Christen erleben. Nach Einschätzung von Bundesdirektor Lutz Reichardt (Bad Homburg) sei der Bedarf an einer solchen Gastmitgliedschaft innerhalb der Freikirche nicht groß. Einer Umfrage zufolge gibt es bisher in 15 der über 900 Gemeinden diese Gastmitgliedschaft. Weitere 48 Gemeinden haben weitreichende Rechte für Gäste und Freunde eingeführt. Das Wort der Bundesleitung hat empfehlenden Charakter und muß noch von der im Mai in Oldenburg tagenden Bundeskonferenz angenommen werden.
Deutscher Evangelischer Kirchentag wird 50
Stuttgarter Kirchentag hilft Kindersoldaten und Opfern des Menschenhandels
Fulda, 11.03.1999/APD Die Gottesdienstkollekten des 28. Deutschen
Evangelischen Kirchentages, der vom 16. bis 20. Juni in Stuttgart
stattfindet, soll Kindersoldaten und Opfern des Menschenhandels helfen. Die
Gabensammlung im Abschlußgottesdienst ist für Projekte gegen den Einsatz
von Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten und Kriegen gedacht. Nach
Schätzungen sind weltweit 300 000 Kinder und Jugendliche an militärischen
Kampfhandlungen beteiligt. Kirchliche und sonstige Organisationen versuchen
die Heranziehung von Kindern zur Kriegsführung zu verhindern und ihnen auch
nachträglich bei der Bewältigung traumatischer Erfahrungen beizustehen. Die
Kollekte aus den etwa 65 geplanten Eröffnungsgottesdiensten kommt
evangelischen Beratungsstellen für Frauen zugute, die dem Menschenhandel
zum Opfer fielen. Unterstützt und betreut werden vor allem ausländische
Prostituierte in Notsituationen und Frauen, die durch Heirat nach
Deutschland gekommen sind.
Den Abschlußgottesdienst am 20. Juni hält Superintendentin Gertrud Knoll
aus Eisenstadt im österreichischen Burgenland. Die 40jährige Theologin,
deren Amt in ihrer Kirche demjenigen einer Bischöfin entspricht, hat in
Bibelarbeiten bereits an vergangenen Kirchentagen mitgewirkt. Einer
breiteren Öffentlichkeit wurde die mit einem Pfarrer verheiratete Mutter
von drei Kindern bekannt, als sie im Frühjahr 1998 für die Wahl des
Bundespräsidenten in Österreich kandidierte und ein beachtliches Ergebnis
erzielte.
In Stuttgart feiert der Deutsche Evangelische Kirchentag sein
fünfzigjähriges Bestehen. Gegründet wurde er am 31. Juli 1949 während der
sogenannten "Evangelischen Woche" in Hannover, die heute als 1. Deutscher
Evangelischer Kirchentag gezählt wird. Aus diesem Anlaß erscheint der
Bildband "Kirche in Bewegung. 50 Jahre Deutscher Evangelischer Kirchentag".
Geplant sind außerdem zwei Cds. Eine soll Originaltondokumente aus einem
halben Jahrhundert Kirchentag enthalten, die zu einem zeitgeschichtlichen
Feature zusammengestellt sind. Die andere CD läßt "neue geistliche Lieder"
Revue passieren, mit denen der Kirchentag seit den sechziger Jahren starken
Einfluß auf die kirchliche Musik nahm.
Die zentrale Mittagsverpflegung während des Kirchentages besteht wieder aus
vegetarischen Eintopf-Gerichten, die zum ersten Mal ökologisch angebautes
Gemüse enthalten. Etwa 20 000 Portionen wird die Johanniter-Unfall-Hilfe
täglich kochen und an die Teilnehmenden in einem Verpflegungszelt auf dem
Cannstatter Wasen und in einer Messehalle ausgeben.
Für Kürzung der Zivildienstzeit
Hannover, 11.03.1999/APD Für dieselbe Dauer von Wehr- und Zivildienst hat sich Landessuperintendent Walter Herrenbrück ausgesprochen, der im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Seelsorge an Soldaten und Kriegsdienstverweigerern zuständig ist. "Die Gründe für einen längeren Zivildienst, etwa Reserveübungen oder Überstunden von Soldaten, sind weitgehend weggefallen." Derzeit dauert der Zivildienst 13, der Wehrdienst 10 Monate. Herrenbrück betonte während einer Tagung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK) in Hannover, daß die Seelsorge an Soldaten, Zivildienstleistenden und Kriegsdienstverweigerern für die EKD den gleichen Stellenwert haben müsse. Angesichts von 110 Militärpfarrern dürften die kirchlichen Zuschüsse für die rund 20 hauptamtlichen Betreuer der Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistenden nicht weiter gekürzt werden. Die EAK wurde 1958 von Mitgliedern der evangelischen Jugend gegründet. In ihr haben sich rund 60 Vertreter landes- und freikirchlicher evangelischer Verbände zusammengeschlossen.
Evangelische Kirche für muslimischen Religionsunterricht
Hannover, 11.03.1999/APD Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) befürwortet einen Religionsunterricht für muslimische Schülerinnen und Schüler als ordentliches Lehrfach nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes. In einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme des Kirchenamtes der EKD wird gleichzeitig die Einrichtung einer separaten, staatlich geprägten Religionskunde abgelehnt. Jede Religionsgemeinschaft müsse ihre religiösen Grundsätze für den Religionsunterricht in eigener Verantwortung festlegen, ohne daß der weltanschaulich neutrale Staat auf die Inhalte Einfluß nehmen dürfe.
Dialog über Protestantismus und Kultur
Berlin, 11.03.1999/APD Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und
die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) wollen in den nächsten
beiden Jahren das Verhältnis zwischen Protestantismus und Kultur zu einem
Schwerpunktthema machen. In dem in Berlin vorgestellten Impulspapier
"Gestaltung und Kritik" werde deutlich, so Methodistenbischof Walter
Klaiber, daß christliche Kirchen Teil der Kultur in der Gesellschaft seien.
Sie würden von ihr geprägt und gestalteten sie mit. Zugleich würden die
Kirchen durch die Botschaft des Evangeliums oft in eine Distanz zur
herrschenden Kultur gestellt und müßten sich mit ihr kritisch
auseinandersetzen. Diese Spannung durchzuhalten, sei eine wichtige Aufgabe
für sie. Sie dürften weder im herrschenden Wertsystem völlig aufgehen noch
versuchen, sich ganz aus der gesamtgesellschaftlichen Kultur
zurückzuziehen. "Von ihrer Geschichte und ihrem Ansatz her haben die
Freikirchen eher den kulturkritischen Part in diesem Feld übernommen",
sagte der Vorsitzende der VEF.
Der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Manfred Kock, versteht das Impulspapier
und den darauf bezogenen zweijährigen Konsultationsprozeß als Beitrag der
evangelischen Kirchen zur Jahrtausendwende. Es gehe um die Frage: Was ist
die Bilanz von 2000 Jahre Christentumsgeschichte? Bischof Wolfgang Huber
von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, unter dessen Vorsitz
der Text "Gestaltung und Kritik" entstand, ist der Ansicht, daß die
gegenwärtige kulturelle Prägung der Gesellschaft ohne den Einfluß des
Christentums, zu dem der Protestantismus das Seine beigetragen habe, nicht
zu verstehen sei. Eine radikale Säkularisierung fördere keineswegs die
freie Entfaltung der Kultur, sondern trage die Gefahr der Verengung in
sich. Christen wie Nichtchristen seien zum Dialog in den verschiedenen
kulturellen Bereichen eingeladen. Eine Serie von Veranstaltungen soll den
Konsultationsprozeß anregen. Am Ende des auf zwei Jahre angelegten
Vorhabens ist ein gemeinsames Wort des Rates der EKD und des Präsidiums der
VEF vorgesehen. Zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen zählen zwölf
Freikirchen, darunter auch die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
als Gastmitglied.
Maria und Lukas Spitzenreiter
Wiesbaden, 11.03.1999/APD Bei Deutschlands Eltern stehen Maria und Lukas
ganz oben auf der Namenswunschliste. Wie eine Erhebung der Wiesbadener
Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ergab, wurden beide Vornamen im
vergangenen Jahr am häufigsten gewählt. In der Hitliste 1998 folgen auf
Maria die Namen Julia, Anna oder Anne, Sophie und die in diesem Jahr
getrennt gezählte Marie. Auf den Plätzen sechs bis zehn plazierten sich
Laura, Lisa, Vanessa, Sarah und Katharina. Bei den Jungen rangierten auf
den Plätzen zwei bis fünf die Namen Alexander, Maximilian, Daniel und
Philipp vor Felix, Tim, Jan, Florian und Jonas.
Seit vier Jahren behauptet sich der Vorname Maria als Spitzenreiterin. Nach
Angaben von Helmut Walther von der Wiesbadener Sprachgesellschaft haben
sich die Prioritäten bei den Mädchennamen gegenüber 1997 ohnedies kaum
verändert: Kein einziger neuer Name ist in die Spitzengruppe vorgestoßen.
Auffällig sei nur der allmähliche Abstieg von Katharina, 1994 noch auf
Platz zwei, ist sie inzwischen auf den zehnten Platz gefallen. Der Aufstieg
von Lukas, der 1997 auf Platz drei stand und nun Alexander vom ersten Platz
verdrängen konnte, geht nach Angaben der GfdS auch auf die wachsende
Beliebtheit des Namens in den neuen Bundesländern zurück. In Ostdeutschland
kletterte Lukas vom neunten auf den zweiten Rang. Allerdings konnte sich
der ostdeutsche Spitzenreiter Paul erneut nicht in die gesamtdeutsche
Top-Ten-Gruppe schieben. Neu darin sind dagegen Tim und Jonas, wobei der
erste Name im Osten, der zweite im Westen bevorzugt wurde.
Vermehrt würden wieder Namen biblischen und christlichen Ursprungs
vorgezogen, berichtete die GfdS. Walther verwies darauf, daß das
Oberlandesgericht Frankfurt 1998 erstmals die Vergabe des Namens Jesus
erlaubt habe. Auch die aus der Bibel bekannten Varianten Josua oder Josias
würden in jüngster Zeit von Eltern häufig gewünscht. In aller Regel sei
diese Namenswahl aber nicht religiös motiviert.
| © APD | Geändert am: 22.03.99 |