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Satellitenübertragung "Leben wagen" in 500 Städten
Ostfildern, 21.10.1999/APD In über 500 europäischen Städten laden die Siebenten-Tags-Adventisten ab Samstag, 6. November, zum Satellitenprogramm "Leben wagen" mit Pastor Johann Gerhardt, ein. Gerhardt studierte in Deutschland und in den USA, war Seelsorger in Süddeutschland und lehrt seit 1991 an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Jugend, Kommunikation und seelsorgerlich-therapeutische Beratung. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Um Orientierung und eine stabile eigene Identität geht es im ersten Vortrag am Samstagabend. Weitere Veranstaltungen befassen sich mit den Themen "Die Welt erleben und deuten", "Vertrauen, wie macht man das?", "Leistungsgesellschaft und Menschenwürde", "Krisen als Chancen erleben" und "Wofür zu leben sich lohnt". Johann Gerhardt hält das Seminar bis 21. November jeden Samstag, Sonntag, Dienstag und Freitag in einem Gemeindezentrum der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt. Von dort aus wird es per Satellit auf Großbildleinwand in 300 Orte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie in über 200 weitere europäische Städte übertragen. Simultanübersetzungen werden in Bulgarisch, Italienisch, Französisch und Russisch angeboten. Themen und Veranstaltungsorte sind auch im Internet unter http://www.net99.de zu finden.
Seit 1996 führt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten derartige Satellitenübertragungen durch. Erstmals kommt der Redner aus Deutschland, der die Fragen und Bedürfnisse hiesiger Menschen kennt und Alternativen aufzeigen will.
Norddeutsche adventistische Pastoren nicht für Stasi tätig
Hamburg, 21.10.1999/APD Bei den Siebenten-Tags-Adventisten in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein gab es unter den Pastoren keine Informellen Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der ehemaligen DDR. Wie der für die Freikirche in diesen Bundesländern zuständige Vorsteher Heinz-Ewald Gattmann (Hamburg) mitteilte, wurden insgesamt 19 Geistliche von der Gauck-Behörde überprüft, die vor der Wende in Ost und West im aktiven Dienst standen. Auch die Pastoren in Hamburg und Schleswig-Holstein hätten ihre Überprüfung beantragt, um sich mit ihren ostdeutschen Kollegen solidarisch zu zeigen.
Bereits vor einigen Monaten wurde die Untersuchung der adventistischen Pastorenschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen abgeschlossen. Von insgesamt 83 im Dienst stehenden oder bereits pensionierten Theologen hatten 79 die Bestätigung erhalten, dass "keine Hinweise" auf eine hauptamtliche oder inoffizielle Tätigkeit für die Stasi vorliegen. Vier Personen wurden als "IM" geführt, von denen eine keine Kenntnis davon hatte und aufgrund der Unterlagen nachweislich auch nicht als "IM" tätig war. Ein Geistlicher wußte zwar davon, hatte aber ebenfalls keine Auskünfte über Personen oder die Freikirche gegeben, die nicht bereits bekannt waren. Zwei Seelsorger hatten zwar engeren Kontakt zur Stasi, aber nicht zum Nachteil einzelner Personen oder der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten. Auch die adventistischen Pastoren in Berlin und Brandenburg beantragten ihre Überprüfung bei der Gauck-Behörde. Ein abschließendes Ergebnis liege nach Mitteilung des zuständigen Vorstehers Gerd Eiteneier (Berlin) noch nicht vor.
62 neue Studenten in Friedensau
Friedensau bei Magdeburg, 21.10.1999/APD Für das Studienjahr 1999/2000 haben sich 62 neuen Studenten an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg eingeschrieben. Davon sind 23 angehende Theologen, 26 Sozialarbeiter und 13 nehmen an dem Kurs "Deutsch für Ausländer" teil. Insgesamt gibt es in Friedensau jetzt 203 Studierende, wobei Theologen und Sozialarbeiter etwa gleich stark vertreten sind. 80 von ihnen stammen aus europäischen Ländern (Russland, Ukraine, Moldau, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Italien, Schweiz), aus Afrika (Äthiopien, Kenia, Tansania, Ghana), Asien (Südkorea, Vietnam, Myanmar) und Südamerika (Bolivien). Das von den Siebenten-Tags-Adventisten 1899 gegründete Theologische Seminar Friedensau ist seit September 1990 staatlich anerkannte Theologische Hochschule. Es bietet die akademischen Grade Diplom-Theologe, Magister der Theologie, Diplom?Sozialarbeiter, den Magister in Internationaler Sozialwissenschaft und Sozialer Verhaltenswissenschaft sowie das Propädeutikum in Kirchenmusik an.
Klausurtagung der Fachhochschulbibliotheken in Friedensau
Friedensau bei Magdeburg, 21.10.1999/APD Zum fünften Mal trafen sich die Leiter der Fachhochschulbibliotheken Sachsen-Anhalts zu ihrer jährlichen Klausurtagung an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg. Wie in den Vorjahren waren auch diesmal Fachkräfte aus Sachsen und Thüringen eingeladen, um über ihre Arbeit in den dortigen wissenschaftlichen Bibliotheken zu berichten. Weitere Themen der zweitägigen Beratungen waren Fragen der Bibliothekskonzeption und zum gemeinsamen kostengünstigen Zugriff auf Datenbanken mit den damit zusammenhängenden technischen Fragen. Die Bibliotheken der Fachhochschulen in Sachsen-Anhalt sind Mitglieder des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV), der sieben Bundesländer umfasst und einen Onlinekatalog mit Fernleihmöglichkeiten anbietet (http://www.gbv.de).
Zehn Jahre Sozialstation "Waldfriede" in Berlin
Berlin, 21.10.1999/APD Vor zehn Jahren wurde in Deutschland erstmalig eine Sozialstation gegründet und einem Akut-Krankenhaus angegliedert. Die mit Eigenmitteln aufgebaute adventistische Einrichtung in Berlin-Zehlendorf arbeitete bereits nach sechs Monaten kostendeckend. Heute betreuen 50, vor allem teilzeitbeschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jährlich bis zu 600 Hilfsbedürftige. Die allererste Patientin vom Oktober 1989 wird immer noch versorgt.
In einem Festakt zum 10-jährigen Bestehen der Sozialstation wies der Verwaltungsdirektor des Krankenhauses "Waldfriede", Edwin Scharfschwerdt, auf das ganzheitliche Menschenbild der Siebenten-Tags-Adventisten hin. Es gelte dem Menschen mit Würde zu begegnen und ihn nicht nur als "Kostenfaktor" zu sehen. Es gehe deshalb in einem Krankenhaus nicht um "Reparaturdienste", sondern um eine ganzheitliche Betreuung von guter Qualität und mit qualifiziertem Personal. Um den schnellen Übergang vom Krankenhaus zur häuslichen Pflege mit möglichst wenig Ansprechpartnern zu erleichtern, entstand 1989 die Sozialstation. Hilfsbedürftige sollen Unterstützung bei ihren täglichen Aufgaben im gewohnten Lebensumfeld erhalten. Ab November bietet die Sozialstation auch einen "Mobilen Mittagstisch" an. Um pflegenden Angehörigen bei Überlastung oder Erkrankung einen Ausweg zu bieten, wurde im Frühjahr 1997 im Krankenhaus "Waldfriede" die Kurzzeitpflegestation mit 14 Betten eröffnet.
Laut Scharfschwerdt gehöre zur Gesunderhaltung aber auch die Vorbeugung. Deshalb wurde 1985 ein Gesundheitszentrum mit einem vielfältigen Kursangebot auf dem Krankenhausgelände gegründet. Danach entstand die Physiotherapie mit Bädern und Krankengymnastik. Und schließlich als drittes Standbein eine öffentliche Cafeteria, da bei der Lebensqualität die Ernährung eine wichtige Rolle spiele. "Wenn wir unseren Patienten in Seminaren Konzepte vermitteln, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, dass sie diese in der Praxis ausleben können. Also können sie sich in unserer Cafeteria über Wochen und Monate so ernähren, wie wir uns das vorstellen und wie sie es gelernt haben."
Das 230?Betten?Akutkrankenhaus "Waldfriede" wurde 1920 gegründet. Es versorgt mit den Fachabteilungen Chirurgie, Innere, Gynäkologie, Geburtshilfe und Anästhesie jährlich 5 500 Patienten stationär und 3 500 ambulant. Zu ihm gehört auch eine Krankenpflegeschule mit 80 Ausbildungsplätzen. Das ganzheitliche Konzept mit Sozialstation, Kurzzeitpflege sowie dem Zentrum für Gesundheit und Physiotherapie veranlasste 1996 die Weltgesundheitsorganisation (WHO) "Waldfriede" in das "Netz gesundheitsfördernder Krankenhäuser" aufzunehmen. Die Krankenanstalt ist außerdem Lehrkrankenhaus der Freien Universität Berlin. Nach Edwin Scharfschwerdt beträgt die Liegedauer in "Waldfriede" 10,4 Tage und werde noch in diesem Jahr auf weniger als zehn Tage sinken. Dies sei unter dem Durchschnitt in Berlin (zwölf Tage) und im Bundesgebiet (elf Tage).
80 Jahre adventistische Gehörlosenmission
Stadthagen, 21.10.1999/APD Seit 80 Jahren gibt es eine adventistische Gehörlosenmission in Deutschland. Margarete Puich kümmerte sich erstmals 1919 um gehörgeschädigte Gottesdienstbesucher in Bremen. Seit diesen bescheidenen Anfängen finden gegenwärtig jeden Samstag, dem biblischen Sabbat, in über 20 deutschen Adventgemeinden Gottesdienste mit Übersetzung in der Gebärdensprache für Hörgeschädigte statt. In Gesprächskreisen und besonderen Aktionswochen studieren Gehörlose und Hörende gemeinsam die Bibel und geben diese Botschaft anderen Menschen weiter. Jedes Jahr kommen laut Horst-Dieter Meyer (Stadthagen), selbst gehörlos und Leiter dieser Mission, die Betroffenen über Ostern zusammen, um Gemeinschaft zu erleben und Erfahrungen auszutauschen. Das 80-jährige Bestehen begehen die Hörgeschädigten am 30. Oktober im Zentrum der Adventgemeinde Heilbronn mit einem Gottesdienst, dem sich das "1. Biblische Gebärdensprachfestival" anschließt.
100 Jahre Adventisten in Braunschweig
Braunschweig, 21.10.1999/APD Mit einer Festwoche beging die Adventgemeinde Braunschweig ihr 100-jähriges Bestehen. Dazu gehörten ein Chor- und Orgelkonzert, der Vortrag "Griechisch und Hebräisch für jeden", ein Kindernachmittag, eine Seniorenbegegnung, ein Ghana-Abend und der Festgottesdienst. Die Jubilarin geht bereits auf das Jahr 1898 zurück, als einige Adventisten in dem Raum einer Konditorei Gottesdienst hielten. 1899 gründeten 28 Gläubige eine eigene Gemeinde, die bis 1923 auf 200 Glieder anwuchs. 1949 wurde ein Grundstück am Bültenweg erworben und darauf ein eigenes Gemeindezentrum errichtet, das nach verschiedenen Umbauten noch heute genutzt wird. 1979 entstand das Bibeltelefon, welches dem Anrufer täglich eine neue Kurzandacht von drei Minuten Länge bot. Im Laufes seines zehnjährigen Bestehens wurde die Einrichtung von fast 23 000 Anrufern in Anspruch genommen. In den 90er Jahren hielt die moderne Technik in die Kirchenräume Einzug. Die evangelistischen Großveranstaltungen ProChrist 1993 mit Billy Graham, 1995 und 1997 mit Pfarrer Ulrich Parzany sowie NET'98 mit dem adventistischen Pastor Dwight Nelson wurden per Satellit auf eine Großleinwand übertragen. Zur Zeit versammeln sich jeden Samstag, dem biblischen Sabbat, etwa einhundert Menschen zum Gottesdienst.
Chemnitzer Adventisten blicken auf 100 Jahre zurück
Chemnitz, 21.10.1999/APD Auf einhundert Jahre blicken die Chemnitzer Adventisten zurück. Im Juli 1898 kam der adventistische Evangelist Gerhard Perk in die damalige sächsische Industriemetropole und hielt Bibelvorträge. Zehn Monate später ließen sich 26 Menschen taufen und eine neue christliche Gemeinde entstand. Anfang 1905 zählte sie bereits 50 Glieder und 1917 stieg die Zahl auf 317. Da die gemieteten Räumlichkeiten zu klein wurden, errichtete die Gemeinde in der Hans-Sachs-Straße ein eigenes Zentrum, das bis zu 1 200 Besuchern Platz bot. Von 1945 bis 1951 war das Adventhaus zugleich Spielstätte des dortigen Theaters. Da nach der Wiedervereinigung Deutschlands das Gemeindezentrum nicht mehr zu sanieren war, mußte es für die heutigen 140 Adventisten völlig neu aufgebaut werden. Nur die Straßenfront blieb aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten. Rechtzeitig zur Festwoche "100 Jahre Adventgemeinde Chemnitz" wurde nach zehnmonatiger Bauzeit die Begegnungsstätte im Wert von 1,8 Millionen Mark fertig gestellt. In ihr ist auch wieder die in der Stadt geschätzte Suchtberatungsstelle des Advent-Wohlfahrtswerkes mit ihren fünf Mitarbeitern untergebracht.
Weltweite Gebetswoche der Adventisten
Ostfildern bei Stuttgart, 21.10.1999/APD Unter dem Motto "Eine ganz besondere Familie" steht vom 20. bis 27. November die jährliche, weltweite Gebetswoche der Siebenten?Tags?Adventisten, an der sich auch die 575 deutschen Gemeinden der evangelischen Freikirche mit besonderen Gebetsversammlungen beteiligen. Die täglichen Lesungen befassen sich diesmal mit der christlichen Gemeinde, die aus "Tausenden von Volksgruppen rund um die Welt besteht, Hunderte von Sprachen spricht und eine Vielzahl von Kulturen umfasst", so der Präsident der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), Jan Paulsen (Silver Spring, Maryland/USA). "Solche unterschiedlichen Menschengruppen zu vereinen ist weder einfach noch natürlich, wie wir an den sozialen und politischen Spaltungen sehen, mit denen wir überall konfrontiert werden. Nur durch das Wirken des Heiligen Geistes werden unterschiedliche Meinungen und das Streben nach Unabhängigkeit ausgeglichen, so dass wir tatsächlich zu einer Familie Gottes werden", stellte Paulsen gegenüber dem Adventistischen Pressedienst (APD) fest. Beim Abschlussgottesdienst am 27. November findet eine Opfersammlung für die weltweite Mission der Freikirche statt. Im letzten Jahr betrugen die "Gebetstagsgaben" der 35 500 Adventisten in Deutschland 1,6 Millionen Mark.
Kein "Jahrhundertereignis", aber "erster Schritt"
Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung" in Augsburg
Augsburg, 21.10.1999/APD Mehrtägige Feierlichkeiten begleiten die Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" durch die römisch-katholische Kirche und den Lutherischen Weltbund in Augsburg. Das offizielle Festprogramm beginnt am 29. Oktober um 11 Uhr mit einer Pressekonferenz im Augustanahaus und zahlreichen Veranstaltungen des sogenannten Rahmenprogramms. Am Samstag, 30. Oktober, steht für die geladenen Gäste um 10.30 Uhr ein Festakt im Goldenen Saal des Rathauses auf dem Programm, dem im Anschluss an das Mittagessen eine Führung durch die geschichtlich und kirchengeschichtlich bedeutsame Stadt folgt. Ein spezielles Jugendprogramm ist ebenfalls für Samstag ab 14.30 Uhr beabsichtigt. Zur Vorbereitung der Unterzeichnung ist für 18 Uhr eine ökumenische Vesper in der Basilika St. Ulrich und Afra vorgesehen. Den Sonntag bestimmen Gottesdienste in verschiedenen Augsburger Kirchen. Die eigentlichen Unterzeichnungsfeierlichkeiten beginnen um 9.30 Uhr mit einer Statio im Dom, der sich eine Prozession durch die Innenstadt anschließt. Um 10.45 Uhr findet der feierliche Gottesdienst mit der Unterzeichnung in der St. Annakirche statt. Das Ereignis wird auf eine Großleinwand außerhalb der Kirche übertragen. Das Programm, der Text der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" und weitere Dokumente sind auch im Internet unter http://www.rechtfertigung.de zu finden.
Während der Lutherische Weltbund von einem "Meilenstein in der Geschichte der ökumenischen Bewegung" spricht, warnt das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes, Bensheim, davor, die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" überzubewerten. Im Blick auf die römisch-katholische Kirche kritisierte Institutsdirektor Dr. Jörg Haustein die Spannung zwischen der positiv zu bewertenden Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung einerseits und dem Inhalt der päpstlichen Bulle "Incanationis mysterium, wo der Ablass zum zentralen theologischen Thema des "Heiligen Jahres" 2000 gemacht wird, andererseits: "Dass im Jahr einer Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in einem römisch-katholischen Dokument Begriffe, wie Verdienst, Erlangen, Erwerben, eine Hauptrolle spielen, muss enttäuschen." Haustein betonte, dass die Reformation nicht mit einem Dissens in der Rechtfertigungslehre begann, sondern mit dem Angriff Luthers auf die Ablasslehre. "Ein Gespräch über die Abschaffung des Ablasses", so Haustein, "wäre auch heute nicht möglich".
Selbst nach der Unterzeichnung bleiben beide Partner ihrer Bekenntnistradition verpflichtet, so das Konfessionskundliche Institut. Es gehe nicht um die Preisgabe der Identitäten, sondern um Versöhnung der Verschiedenheiten. An die Stelle der Verurteilung träten Verständnis und Anerkennung der theologischen Anliegen der anderen Seite, auch dort, wo sie in Spannung zur eigenen Auffassung stünden. Protestantische Kritiker der Gemeinsamen Erklärung räumen zwar ein, dass in ihr lutherische Formulierungen aufgenommen wurden, diese aber nur katholisch interpretiert und verstanden werden könnten. Katholiken befürchten dagegen, dass in der Gemeinsamen Erklärung Positionen der eigenen Kirche aufgegeben wurden. Haustein ist deshalb im "Materialdienst" des Konfessionskundlichen Instituts der Ansicht, dass von einem "ökumenischen Jahrhundertereignis" und einem "Durchbruch" nicht gesprochen werden könne. Die Wendung "erster Schritt" wäre nach wie vor angemessener. Denn wie sollten "Kirchenmänner in Augsburg den verblüfften Journalisten zu erklären versuchen, warum zwar ein ,ökumenisches Jahrhundertereignis' begangen wird, aber aus schwerwiegenden theologischen Gründen natürlich nicht mit einer gemeinsamen Abendmahlsfeier"?
"Christliche Patientenverfügung" für würdevolles Sterben
Bonn/Hannover, 21.10.1999/APD Eine "Christliche Patientenverfügung" haben die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz, der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) gemeinsam herausgegeben. Sie soll lebensverlängernde Maßnahmen verhindern, wenn sich nach eindeutiger medizinischer Diagnose der Patient im unmittelbaren Sterbeprozess befindet oder es zu einem nicht behebbaren, zum Tode führenden Ausfall lebenswichtiger Funktionen des Körpers kommt. Die Verfügung wird dann angewendet, wenn der Sterbende sich selbst nicht mehr äußern kann. Ziel ist, den Menschen seinen letzten Lebensabschnitt in Würde beenden zu lassen. Aktive Sterbehilfe werde allerdings ausdrücklich abgelehnt, "weil Gott allein Herr über Leben und Tod ist". Das "Christlich" bei der "Patientenverfügung" bedeute nicht, dass sie nur von Christen benutzt werden dürfe. Sie enthält jedoch christliches Gedankengut zum Thema Sterbebegleitung. So schenke die Auferstehung Jesu von den Toten die Gewissheit, dass es ein Leben nach dem Tode gebe. Die Zuversicht auf die Gegenwart Christi verleihe Menschen den Mut, Sterbende auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens zu begleiten und ihnen deutlich zu machen: "Auch im Sterben sind wir von Jesus Christus und seiner Gnade umfangen." Die aus einer Handreichung und einem Formular bestehende "Christliche Patientenverfügung" wurde zunächst in einer Auflage von 200 000 Exemplaren gedruckt. Sie kann beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn und dem Kirchenamt der EKD in Hannover angefordert werden.
Führungswechsel bei europäischen Baptisten
Hamburg, 21.10.1999/APD Der Dachverband der 750 000 europäischen Baptisten hat eine neue Leitung. Während der Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) in Hamburg übernahm der bisherige Vizepräsident Ole Joergensen (Kopenhagen) den Vorsitz. Sein Vorgänger David Coffey (Didcot), Generalsekretär des britischen Baptistenbundes, schied nach zweijähriger Amtsperiode satzungsgemäß aus. Zum neuen Vizepräsidenten wählten die 160 Delegierten aus 50 Ländern den Präsidenten des Baptistenbundes der Ukraine, Gregorij Komendant (Kiew). Der seit 1989 als EBF-Generalsekretär amtierende Deutsche Karl Heinz Walter (Hamburg) trat in den Ruhestand und übergab seine Aufgaben an den Präsidenten des bulgarischen Baptistenbundes, Theo Angelov (Sofia).
Der neue Präsident der Europäischen Baptistischen Föderation will gegen jede Form des christlichen Fundamentalismus vorgehen. In seiner Antrittsrede während der EBF-Ratstagung in Hamburg sagte er, dass fundamentalistisch orientierte Christen eine Sicherheit vorgaukeln würden, die es so im christlichen Glauben nicht gebe. Fundamentalisten seien für eine immer größere Spaltung der Christenheit verantwortlich. Die vordringlichste Aufgabe der EBF sei es, die unterschiedlichen theologischen Strömungen und verschiedenen Kulturen beisammen zu halten, um so die Glaubwürdigkeit zu stärken.
Aufwärtstrend für Freie evangelische Gemeinden
Braunschweig, 21.10.1999/APD Das Wachstum des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) resultiere vor allem aus dem Wechsel von Mitgliedern anderer Kirchen, sagte der Präses der Freikirche, Peter Strauch (Witten), in einem Gottesdienst vor 1 500 Besuchern in Braunschweig. Nötig sei deshalb ein stärkeres Wachstum aufgrund von "Bekehrungen". Die Mitgliederzahl des BFeG stieg seit 1990 kontinuierlich von 25 800 auf fast 31 100 an. In Deutschland gibt es 387 Freie evangelische Gemeinden.
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