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Deutschland


"Minderheitskirche zu sein ist kein Unglück"

Lüneburg, 20.09.1999/APD "Eine Minderheitskirche zu sein ist kein Unglück, denn Licht der Welt und Salz der Erde zu sein, das sind Aufgaben von Minderheiten", sagte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Dr. Reinhard Höppner, in einem Gespräch mit dem Gemeindeblatt "Adventecho" der deutschsprachigen Siebenten-Tags-Adventisten. Die Säkularisierung habe der Kirche schon zu DDR-Zeiten nicht geschadet. Sie habe sich zwar vermindert, doch selbst wenn die Volkskirche zur Minderheitskirche werde, sei das kein Unglück. "Ein Unglück wäre es, wenn sie daraus den Schluß ziehen würde, dass sie sich, ähnlich wie viele Lobbygruppen in der Gesellschaft, jetzt um ihre Existenzsicherung küm-mern müsste." Dann sei ihre Existenz in der Tat gefährdet. "Wenn sich die Kirche aber um ihre Aufgaben kümmert, dann ist mir um ihre Existenz nicht bange", betonte Höppner. Es sei in der Tat merkwürdig, dass man mehr an den Schwierigkeiten wachse als zu Zeiten, wenn alles glatt gehe. Deshalb seien Schwierigkeiten kein Grund zum Klagen, "sondern zum Teil auch ein Zeichen dafür, dass Gott sich offenbar manchmal für die Menschen viel originellere Wege sucht, als wir uns das vorstellen können".

Die hauptsächlich von Siebenten-Tags-Adventisten bewohnte politische Gemeinde Friedens-au, 30 Kilometer östlich von Magdeburg, sei ein Zeichen dafür gewesen, dass man während der DDR "mit einer gewissen Beharrlichkeit und Freundlichkeit diese Zeit auch gut überle-ben und nicht nur manches bewahren konnte, sondern dass auch manches gewachsen ist, was sich bis heute auswirkt", sagte der Ministerpräsident. Vieles aus der Geschichte von Friedensau zu DDR-Zeiten habe er nicht nur nachempfinden können, sondern in ähnlicher Weise selbst erlebt. Ein Bundesland wie Sachsen-Anhalt brauche engagierte Leute, die für ihre Sache eintreten, "dabei den Kontakt zu den ganz andern nicht verlieren und dadurch zu einer Bereicherung werden". Originalität müsse nicht absondernde Extravaganz sein. Dies sei auch sein Wunsch für Friedensau und dessen adventistische Theologische Hochschule: "Dass es so bleibt, wie es immer gewesen ist - eine Besonderheit, aber offen für ein Miteinander, das auch anderen Anregungen vermittelt und befruchtend wirkt". In diesem Sinne benötige Sachsen-Anhalt - und darüber hinaus - auch solche Orte wie Friedensau.



Adventistisches Schulzentrum mit steigenden Schülerzahlen

Darmstadt, 20.09.1999/APD Nach wie vor erfreut sich das adventistische Schulzentrum Seminar Marienhöhe in Darmstadt einer großen Nachfrage. 677 Schülerinnen und Schüler - 27 mehr als im Vorjahr - besuchen die Bildungsstätte der evangelischen Freikirche. Neben 567 Gymnasiasten und Kollegiaten gehören 110 der Realschule an. 152 von ihnen sind neu, 70 wohnen im Internat. Nur 149 Schülerinnen und Schüler stammen aus adventisti-schen Familien. Auf der Marienhöhe unterrichten 56 Lehrkräfte, darunter 40 Siebenten-Tags-Adventisten. Neun Angestellte sind in den Internaten tätig, zwölf in der Verwaltung, vier in der Küche und sechs im technischen Dienst. Außerdem leisten dort fünf Kriegs-dienstverweigerer ihren Zivildienst ab.



Friedensau schließt Kooperationsabkommen mit chinesischer Universität

Friedensau bei Magdeburg, 20.09.1999/APD Zur Unterzeichnung eines Kooperations-abkommens besuchten fünf Professoren und Dozenten der ostchinesischen Shanxi Wirtschafts-Universität in Taiyuran die adventistische Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg. Die Wissenschaftler kamen zu einem Gegenbesuch nach Sachsen-Anhalt. Bereits im letzten Jahr war der Dekan des Fachbereiches Christliches Sozialwesen und Leiter des Institutes für Entwicklungszusammenarbeit, Dr. Horst Rolly, einer Einladung zu Gastvorlesungen an der Universität gefolgt. Seine Vorschläge für das Modell eines asiati-schen Zusammenschlusses in Anlehnung an die Europäische Union stießen auf großes Interesse. Im November 1998 ernannte ihn die Bildungsbehörde der Provinz Shanxi zum Gastprofessor. Durch das Abkommen sollen die bereits bestehenden Kontakte auf dem Gebiet internationaler entwicklungspolitischer Zusammenarbeit zwischen der adventisti-schen Hochschule und der Wirtschafts-Universität vertieft werden. In Friedensau tauschten sich die chinesischen Experten mit den dortigen Dozenten auch über zivilisatorische Aspekte, wie die Konflikte in Asien und den Kampf der Kulturen, Religionen und Rassen aus.



Spurensuche im Emmental

Symposium freikirchlicher Historiker zum Basler Täufertum
Münster, 20.09.1999/APD Zur Spuren- und Identitätssuche trafen sich etwa 40 Histori-ker des Vereins für Freikirchenforschung (VEfGT) zu einem Symposium über das Thema "Basel als Ort der Täufer und der Erweckung" am täuferisch-mennonitischen Theologischen Seminar Bienenberg, Liestal/Schweiz. "Obwohl die Täufer in Basel nie mehr als ein Promille der Bevölkerung ausmachten, wurden sie von den Behörden als gefährlich eingestuft und immer wieder verfolgt", stellte Dr. Hanspeter Jecker, Dozent am Seminar Bienenberg, in seinem Referat fest. Kennzeichen der als "Wiedertäufer" abschätzig bezeichneten Christen waren die Ablehnung der Kindertaufe, die Eides- und Kriegsdienstverweigerung sowie die eigene religiöse Unterweisung ihrer Kinder und die Nichtteilnahme am Gottesdienst der Kirche. Durch Ausweisung, Gefängnis oder sogar Todesstrafe versuchte die Obrigkeit, das Problem mit den "aufrührerischen" Täufern zu lösen. Diese hatten nur die Möglichkeit, der Verfolgung durch Auswanderung oder Anpassung zu entgehen. Dr. Jecker verwies auf Quellen, die belegten, dass Täufer, um nicht aufzufallen, beispielsweise nominell am Kirchgang teilnahmen, ihre Kinder von nichttäuferischen Verwandten zum Pfarrer zur Taufe bringen ließen oder, um nicht in illegitimer Ehe zu leben, die Trauung in der Kirche akzep-tierten. So wurden aus missionarisch gesinnten Christen, die ihre biblischen Erkenntnisse auch anderen vermitteln wollten, die "Stillen im Lande".

Mit dem Thema "Auf der Suche nach Identität zwischen Tradition und Veränderung" befasste sich der Leiter des Seminars Bienenberg, Bernhard Ott. Er zeigte an Beispielen auf wodurch eine Identitätskrise bei einer Freikirche ausgelöst werden könne, stellte die Gefahren auf dem Weg aus der Krise dar und beleuchtete die Aufgabe des Historikers bei der Bewältigung des Problems. Dr. Olaf Kuhr (Hannover) ging auf die Auseinandersetzung des Basler Theologen und Reformators Johannes Oekolampad mit dem Täufertum in den Jahren 1525 bis 1527 ein. Basel als Stadt der Erweckungsbewegung war das Thema von Dr. Thomas Kuhn (Basel). Pfarrerin Andrea Chudaska (Minden) führte in das Liedgut der Täufer ein. Die Referate werden in der Heftreihe "Freikirchenforschung" veröffentlicht, die beim VEfGT, Pastor Manfred Bärenfänger, Schelmenstiege 8, 48161 Münster, erhältlich ist.

Eine Exkursion führte die Historiker ins Emmental, wo sich im 17. und 18. Jahrhundert die Täufer vor Verfolgungen zurückzogen, um in Abgeschiedenheit nach ihren Glaubens-grundsätzen leben zu können. Besucht wurden unter anderem ein für damalige Verhältnisse typischer Bauernhof, ein Kerker, in dem Täufer gefangengehalten wurden, und die älteste heute noch bestehende Mennonitengemeinde in Langnau.

Vor dem Symposium tagte in Liestal die Arbeitsgruppe "Die Freikirchen in der Einen Christenheit" des Vereins. Sie möchte einen Überblick gewinnen, welche zwischenkirch-lichen Beziehungen Freikirchen pflegten und welche Haltung sie zur Ökumene einnähmen. Der Verein zur Freikirchenforschung entstand 1990 an der Universität Münster. Ihm gehören heute rund 180 Fach- und Laienhistoriker aus zwölf Ländern und 24 Denominatio-nen sowie 19 Institutionen an.



Zweite deutsche Bischöfin in ihr Amt eingeführt

Hannover, 20.09.1999/APD Tausende begleiteten die Einführung von Dr. Margot Käß-mann in ihr Amt als Bischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Unter den 1 100 geladenen Gästen der Marktkirche im Zentrum der niedersächsischen Lan-deshauptstadt befand sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder. Außerhalb der Kirche verfolgten etwa 4 000 Menschen den Gottesdienst auf einem großen Videoschirm. Das sich auf Wunsch der neuen Bischöfin anschließende Volksfest dauerte bis in die Abendstunden. Margot Käßmann tritt die Nachfolge von Dr. Horst Hirschler an, der als ehemaliger Vizeprä-sident des Lutherischen Weltbundes (LWB) weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt wurde. Seit 1994 war die promovierte Theologin und Mutter von vier Töchtern Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Sie gehört seit der Vollver-sammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Vancouver (1983) dem Zentral-ausschuss des ÖRK an. Dort setzte sie sich besonders für das Programm zur Überwindung der Gewalt ein. Nach Maria Jebsen in der Evangelisch-lutherischen Kirche Nordelbiens ist Margot Käßmann die zweite evangelische Bischöfin in Deutschland. Mit 41 Jahren ist sie zugleich die jüngste der deutschen Landesbischöfe und Kirchenpräsidenten. Sie wurde im Juni diesen Jahres von der Synode der 3,3 Millionen Mitglieder umfassenden Hannover-schen Landeskirche gewählt. Während ihr Vorgänger, Bischof Hirschler, und der Rats-vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, sich mit ihren Voten im Gottesdienst eindeutig für die Wahl von Frauen in das Bischofsamt aus-sprachen, bekräftigte eine kleine Gruppe von 160 konservativen Mitgliedern der Landeskir-che ihren Widerstand gegen die Wahl Margot Käßmanns. Ihrem Aufruf zu einer "Notsyn-ode" folgte jedoch nicht einmal ein Zehntel der erwarteten 2 000 Personen.



Adventisten in neuer Aufmachung im Internet

Ostfildern bei Stuttgart, 20.09.1999/APD In neuer Aufmachung präsentiert sich das Internet-Angebot der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Unter http://www.adventisten.de finden sich Informationen über Herkunft, Glaubensüberzeugung und Zahlenmaterial der Freikirche. Die Adressen von Dienststellen, Institutionen und Gemeinden können ebenso wie Termine, Informationen des Adventistischen Pressedienstes (APD), das Gästebuch und ein Bibelfernkus abgerufen werden. Für die Gestaltung der Internetseiten zeichnet der 1997 in Köln gegründete Verein staonline verantwortlich.



Neue Präsentation der römisch-katholischen Kirche im Internet

Ostfildern bei Stuttgart, 20.09.1999/APD Mit einem neuen Outfit und überarbeiteten Inhalten präsentiert sich jetzt das Internet-Angebot der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Zwei Jahre nach dem Start des Projekts "Kirche-Online-Koordination" (KOK) der Deutschen Bischofskonferenz sind jetzt über 2 500 kirchliche Online-Adressen ge-sammelt und in einer Datenbank aufbereitet. Die Palette reicht bei http://www.katholische-kirche.de vom Erzbistum bis zum Kinderchor, von aktuellen Diözesanmeldungen und kirchlichen Einrichtungen bis zu Nachrichten von Radio Vatikan. "Links" verweisen auf alle deutschen Bistümer, die schweizerische und österreichische katholische Kirche, europäische und außereuropäische Bischofskonferenzen, den Ökumenischen Rat der Kirchen und auf evangelische Kirchen in Deutschland. Laut KOK-Redaktion werden die Internet-Seiten monatlich von über 35 000 Surfern aufgesucht.




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© APD Geändert am: 22.09.99