Weiterstadt bei Darmstadt, 16.09.2012/APD   „Ihr seid dort, wo die Schwachen zu Hause sind“, betonte der Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südeuropa, Pastor Bruno R. Vertallier (Bern), am 15. September im Festgottesdienst in Darmstadt zum 25-jährigen Bestehen der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland. Der Geistliche nahm Bezug auf die „Speisung der Fünftausend“ im Matthäusevangelium Kapitel 14 mit der Aufforderung Jesu an seine Jünger: „Gebt ihr ihnen zu essen“. Genau das habe auch ADRA Deutschland in den letzten 25 Jahren getan: „ADRA besteht, um Menschen Leben zu geben“. Er dankte allen, die für das Hilfswerk arbeiten und es unterstützen.

Der amtierende Präsident von ADRA International, Robert Rawson (Silver Spring, Maryland/USA), würdigte in seiner Ansprache zur Jubiläumsfeier in Weiterstadt bei Darmstadt vor 150 geladenen Gästen aus fünf Kontinenten den Direktor von ADRA Deutschland, Pastor Erich Lischek, der das Hilfswerk 1987 in Darmstadt gründete. Rawson erinnerte an den Neuaufbau der Lepra-Kolonie in Khokna/Nepal, eines der ersten Projekte von ADRA Deutschland im Jahr 1987. Er habe bald darauf selbst Nepal besucht und die schönen neuen Gebäude samt den Werkstätten gesehen, die den Lepra-Kranken Arbeit geben.

Sarajevo, die Stadt der Olympischen Winterspiele 1984, sei während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1996 belagert und zerstört worden. In dieser Zeit habe ADRA Deutschland 2,5 Millionen Tonnen Nahrungsmittel, 254.000 Tonnen Kleidung, 16.000 Paar Schuhe und rund 511.000 Nahrungsmittelpakete von privaten Spendern in die umkämpfte Stadt gebracht. Gleichzeitig seien durch ADRA über 3.400 Pakete und 1,16 Millionen Briefe aus Sarajevo befördert sowie rund 1,7 Millionen Briefe in die eingeschlossene Stadt gebracht und zugestellt worden. Etwa 50.000 Menschen hätten Medikamente oder medizinische Versorgung durch das Hilfswerk erhalten. Zwei ADRA-Mitarbeiter seien bei ihrem Einsatz in Bosnien-Herzegowina getötet und fünf weitere zum Teil schwer verletzt worden. Rawson habe 1996 das zerstörte Sarajevo selbst besucht und mit Menschen gesprochen, die besonders dankbar über die Aufrechterhaltung des Postverkehrs durch ADRA mit ihren Verwandten in Deutschland gewesen seien. Das Hilfswerk sei damals in Sarajevo nicht nur ein Begriff gewesen, sondern hätte den Menschen auch Hoffnung gegeben.

Der Präsident von ADRA International zeigte sich beeindruckt von den Unterlagen über die vielen in den letzten 25 Jahren von ADRA Deutschland durchgeführten Projekte, die er im Archiv des Hilfswerks in Weiterstadt gesehen habe. Er zeichnete Erich Lischek und seine Mitarbeiter für die langjährige Tätigkeit mit einer gravierten gläsernen Skulptur aus. Der Vorsitzende der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, Pastor Günther Machel (Ostfildern bei Stuttgart), dankte besonders Lischek für sein Engagement und die 25 Jahre Hilfe für Notleidende in aller Welt, „damit Menschen wieder hoffen können“.

Mit nur einer Teilzeitsekretärin bereitete Pastor Lischek 1986 die Gründung von ADRA Deutschland im Jahr 1987 in Darmstadt vor. Heute arbeiten im ADRA-Landesbüro in Weiterstadt 28 Festangestellte und zehn Freiwillige sowie Ehrenamtliche. Das Hilfswerk bietet auch einen Ausbildungsplatz in Bürokommunikation an.

ADRA Deutschland ist Teil des Netzwerkes von ADRA International, das 120 Länderbüros miteinander verbindet. Gemeinsam setzen sie sich für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und der Nothilfe ein. ADRA Deutschland ist Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sowie Mitbegründerin des Verbandes Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (VENRO), der „Aktion Deutschland Hilft“ und „Gemeinsam für Afrika“. Sie führt Projekte der Nahrungsmittel-Sicherheit, der Gesundheit, der Bildung, der Einkommensförderung durch Kleinkredite und der Katastrophenhilfe auf vier Kontinenten durch. Projekte des Jahres 2012 sind beispielsweise der Aufbau eines Frühwarnsystems vor Naturkatastrophen in Nepal, Aufklärung über Frühheirat und Genitalverstümmelung in Kenia, das erste duale Berufsbildungssystem in Haiti, Aufbau von Schulen und Bildungszentren in Somalia, Einkommensförderung in der Mongolei, Aufbau einer Backstein-Fabrik in Costa Rica oder Nahrungsmittelhilfe für Notleidende in Mali. Außerdem entsendet ADRA Deutschland jedes Jahr im Rahmen von „weltwärts“ 15 bis 16 Freiwillige zur Mithilfe bei Projekten nach Albanien, Moldau, Tansania, Kenia, Mexiko, Costa Rica und Indien. Weitere Informationen über ADRA gibt es im Internet unter www.adra.de.
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