Bern/Schweiz, 11.11.2012/APD   50 Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil mache sich Ernüchterung breit, meint die Fokolar-Bewegung, Organisator einer Ökumene-Tagung am 8. November in Bern. An ihr tauschten sich Kardinal Kurt Koch, Kirchenbundpräsident Gottfried Locher sowie Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, über den Stand der ökumenischen Kontakte und über Perspektiven für die Zukunft aus.

Kurt Koch: Ökumene mit unklaren Zielen
Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hielt fest, dass man beim Autofahren nicht überholen könne, ohne vorher in den Rückspiegel zu schauen. Gleichermaßen sei es bei den zwischenkirchlichen Kontakten gut, auf das zu schauen, was an Verständigung und Annäherung erreicht wurde, und das sei nicht wenig. Das katholische Lehramt verstehe das ökumenische Engagement nicht als Kür, sondern als Pflicht und damit als irreversibel. Das Ziel der Ökumenischen Bewegung hingegen, „die sichtbare Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in den kirchlichen Ämtern“, so Koch, habe man noch nicht erreicht. Vielmehr sei das Ziel der Ökumenischen Bewegung in den letzten Jahrzehnten „immer undeutlicher geworden“. Man habe keine tragfähige Verständigung darüber erzielt und sei uneins darüber, weil es unterschiedliche Zielvorstellungen gebe. Es sei an der Zeit, so Kardinal Kurt Koch, sich gemeinsam darauf zu besinnen, „wohin die weitere ökumenische Reise gehen soll“.

Gottfried Locher: Wandlungsverständnis ist Grundproblem der Ökumene
Nach Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), stelle das Verständnis der Wandlung beim Abendmahl sowohl das Grundproblem als auch den Schlüssel zur Ökumene dar. Nach katholischem Verständnis ist Jesus Christus im Brot und Wein real präsent, wogegen die Reformierten dies als eine symbolische Gegenwart verstehen. Es stelle sich die Frage, ob das Verwandelnde beim Abendmahl eine Wirkung des gepredigten Wortes Gottes oder des Sakraments sei, so Locher. Kirchliche Annäherung bedinge eine solche im Wandlungsverständnis.

Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, machte in ihrem Beitrag deutlich, dass die Liebe von Christus das zentrale Element sei, um der Ökumene Gestalt zu geben. Die Fokolar-Bewegung sei eine in 182 Ländern vertretene Bewegung von Menschen, die sich für Einheit und Geschwisterlichkeit engagietren. Sie entstand 1943 in Trient und werde zu den christlichen Aufbruchsbewegungen des 20. Jahrhunderts gerechnet. Ihre Ursprünge lägen in der katholischen Kirche, doch engagierten sich in der Bewegung inzwischen Christen vieler Kirchen. Außerdem fühlten sich ihr Menschen anderer Religionen und nichtreligiöser Weltanschauungen verbunden. Die Schwerpunkte der Fokolar-Bewegung lägen im gesellschaftlich-sozialen und kirchlich-religiösen Bereich.

Die Referate stehen auf der Website der Fokolar-Bewegung als Download zur Verfügung: www.fokolar-bewegung.ch
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