St. Albans/Großbritannien, 15.11.2012/APD   Die 200 Delegierten der 56 adventistischen Kirchengemeinden in den Niederlanden haben am 11. November im Kongresszentrum von Scherpenzeel einem Antrag zur geschlechtsunabhängigen Ordination zum Pastorendienst mit großer Mehrheit zugestimmt, wie „tedNEWS“ berichtete.

Der Beschluss der Delegiertenversammlung der 5.500 Adventisten in den Niederlanden lautet: „In Anbetracht des biblischen Grundsatzes der Gleichheit von Männern und Frauen, stellen die Delegierten fest, dass sie die gegenwärtige Situation der Ungleichheit in der Kirche prinzipiell ablehnen. Aus diesem Grund und unter Berücksichtigung der Verhältnisse in der niederländischen Gesellschaft, beauftragen sie den Vorstand, diese Sichtweise in der Weltkirche mit Nachdruck zu vertreten. So bald als möglich, aber nicht später als sechs Monate nach der nächsten Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) im Jahr 2015, soll auf allen Ebenen der niederländischen Kirche die Gleichstellung von Männern und Frauen umgesetzt werden. Die geschlechtsunabhängige Ordination von Frauen zum Pastorendienst gehört dazu.“

„Diese Entscheidung drückt unsere Entschlossenheit aus, die geschlechtsspezifische Diskriminierung in der Kirche zu beenden und ist eine ernste Verpflichtung, am Studienprozess zu Fragen der Ordination teilzunehmen, den die Weltkirche bis Juli 2015 vorgesehen hat“, erläuterte Pastor Wim Altink, wiedergewählter Präsident der adventistischen Kirchenleitung in den Niederlanden (Niederlande Union Conference).

Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten hat 2012 eine Studienkommission eingesetzt, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen soll. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sollen die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollen.

„Wir werden mit der Umsetzung unseres Beschlusses warten“, sagte Pastor Wim Altink, „bis wir die Ergebnisse der Studie zur Ordination und die Entscheidung der Generalkonferenz-Vollversammlung dazu kennen.“

„Es ist gut, dass die Kirche Frauen und Männer als Gleiche im Priestertum aller Gläubigen unterstützt“, betonte Pastor Bertil Wiklander, Präsident der Adventisten in Nord- und Südosteuropa zur Entscheidung der niederländischen Adventisten. „Es scheint mir aber aus prinzipiellen Gründen nicht ratsam, einen Beschluss über eine Handlung zu fassen, die man erst in drei Jahren ausführen will, zumal niemand weiß, wie das Ergebnis der Studie zur Ordinationstheologie ausfallen wird.“

2012 haben drei überregionale adventistische Kirchenleitungen Beschlüsse zur geschlechtsunabhängigen Ordination gefasst: Die „Columbia Union Conference“ im Osten und die „Pacific Union Conference“ im Westen der USA sowie der „Norddeutsche Verband“. In den beiden nordamerikanischen Kirchenregionen sind inzwischen mehr als zehn Frauen als Pastorinnen ordiniert worden. Wie der Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Johannes Naether (Hannover), mitteilte, liege derzeit kein Antrag von einer der vier regionalen Freikirchenleitungen („Vereinigungen“) in Nord- und Ostdeutschland zur Ordination einer Frau als Pastorin vor. Bei Stellung eines derartigen Antrages werde der Verbandsausschuss darüber nach denselben Kriterien wie für männliche Geistliche entscheiden.

Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorin „gesegnet“ werden und damit fast alle Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen; doch ordiniert werden nur männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung), berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist. Während die Ordination von Pastoren weltweit innerhalb der Freikirche Gültigkeit hat, dürfen Frauen als Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung praktiziert.

1881 richteten die nordeuropäischen Adventisten eine Anfrage an die Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) ob eine Frau, die als Evangelistin in Finnland tätig war, ordiniert werden könne. Zwar gibt es im Protokoll der Generalkonferenz-Vollversammlung von 1881 in Battle Creek, Michigan/USA, den Vermerk, dass über eine Beschlussvorlage bezüglich der Ordination von Frauen als Pastorinnen diskutiert und der Agendapunkt an den Ausschuss der Generalkonferenz überwiesen wurde, doch es existieren keine Aufzeichnungen, dass sich der Ausschuss später damit beschäftigt oder dazu einen Beschluss gefasst hat.

Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten dagegen die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit über 17 Millionen erwachsen getauften Adventisten leben, umstritten.

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