Bei Frauenordination nicht voreilig handeln

Altena/Westfalen, 04.12.2012/APD   Pastor Johannes Naether (52), Präsident des Norddeutschen Verbandes der Siebenten-Tags-Adventisten in Hannover, ist für die nächsten fünf Jahre der neue Vorsitzende der Freikirche in Deutschland. Er löst turnusmäßig Pastor Günther Machel (63), Präsident des Süddeutschen Verbandes in Ostfildern bei Stuttgart, ab, der nun Naethers Stellvertreter ist.

Johannes Naether wurde im April 2012 als Präsident der Adventisten in Nord- und Ostdeutschland gewählt. Der gebürtige Kölner studierte zunächst Geschichte und Englisch und bereitete sich danach am damaligen adventistischen Theologischen Seminar Marienhöhe, Darmstadt, auf sein geistliches Amt vor. Als Pastor wirkte er 14 Jahre in Hannover, Gifhorn und Braunschweig. Seit 2001 war er Vorsteher der Siebenten-Tags-Adventisten in Niedersachsen und Bremen. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

„Es ist kein Geheimnis – ich bin für die Ordination von Frauen als Pastorinnen“
Vor dem in Altena/Westfalen tagenden und aus 52 stimmberechtigten Mitgliedern bestehenden Ausschuss der deutschen Adventisten, informierte Pastor Bruno R. Vertallier, Präsident der Intereuropäischen Division (EUD), der Freikirchenleitung in Mittel- und Südeuropa mit Sitz in Bern/Schweiz, über die Jahrestagung des Exekutivausschusses der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) im Oktober. Das oberste Gremium der weltweiten Freikirche zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Weltsynoden habe mit 265 zu 25 Stimmen eine Stellungnahme beschlossen, welche die Vorgehensweise und das Verfahren in der Weltkirche klarstelle, wenn Meinungsverschiedenheiten und abweichende Beschlussfassungen vorlägen.

Anlass dazu seien, so Vertallier, Beschlüsse von drei überregionalen adventistischen Kirchenleitungen zur geschlechtsunabhängigen Ordination gewesen. Die Delegierten der „Columbia Union Conference“ im Osten und die „Pacific Union Conference“ im Westen der USA sowie der „Norddeutsche Verband“ hätten 2012 beschlossen, auch Frauen als Pastorinnen zu ordinieren. Die Weltkirche könne aber nicht Praktiken legitimieren, die eindeutig im Widerspruch zu den Beschlüssen der Weltsynoden von 1990 und 1995 stünden, heiße es in der beschlossenen Erklärung. Deshalb anerkenne die Weltkirche die Beschlüsse von regionalen (Vereinigungen) und überregionalen (Verbände/Unionen) Kirchenleitungen nicht, welche die Ordination zum Pastorendienst unabhängig vom Geschlecht zuließen. Sanktionen gegen die Abweichler seien in der Stellungnahme aber weder ausgesprochen noch vorgeschlagen worden, betonte Pastor Vertallier.

Er wies auf den Verwaltungsausschuss der Weltkirchenleitung hin, der 2012 eine Studienkommission eingesetzt habe, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen solle. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sollten die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollten.

Der Präsident der Adventisten in Mittel- und Südeuropa betonte: „Es ist kein Geheimnis, dass ich für die Ordination von Frauen als Pastorinnen bin.“ Doch sollte nicht voreilig gegen die Richtlinien der Weltkirche gehandelt werden. Pastor Vertallier empfahl, in der Studienkommission mitzuarbeiten und das Ergebnis der Weltsynode 2015 abzuwarten.

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