Leipzig, 20.01.2013/APD   Zum 8. Kongress christlicher Führungskräfte unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“ kamen vom 17. bis 19. Januar über 3.200 Besucher aus 14 Ländern nach Leipzig. In einem Festgottesdienst im Vorfeld der Eröffnung des Kongresses betonte Jochen Bohl (Dresden), Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens, dass Führungskräfte stets das Ganze im Blick haben sollten. Reichtum sei kein Selbstzweck. Das Leitungsethos eines Christenmenschen bestehe darin, von sich selbst abzusehen und der Gemeinschaft zu dienen.

Die europäischen Staaten seien Sklaven ihrer Schulden geworden. Die Politiker müssten tun, was die Märkte von ihnen verlangten. Diese Ansicht vertrat der Hochschullehrer und Chefvolkswirt der tschechischen Handelsbank AG, Tomas Sedlacek (Prag), in seinem Referat. Die Staatsverschuldung sei eine verführerische Macht. Sie vergrößere zunächst das Ausmaß an Freiheit. Indem der Staat Schulden aufnehme, könne er in Infrastruktur und Bildung investieren, und die Wirtschaft wachse schneller. Zunehmend würden die Staaten jedoch Sklaven ihrer Schulden und verlören ihre Freiheit.

Professor Dr. Klaus Henning vom Beratungsunternehmen OSTO (Aachen) meinte, dass es in Deutschland keinen Grund zur Resignation gebe. „Gemeinsinn und Wirtschaftsstärke sind die zwei festen Standbeine unserer Gesellschaft.“ Doch werde das im eigenen Land nicht angemessen wahrgenommen. Dabei sei Deutschland in den Augen anderer Staaten ein faszinierendes Land und ein Vorbild für Viele. Deshalb gelte es auf allen Ebenen, neu zu lernen, alle Potenziale zu entfalten, „sonst holen uns die Länder ein, denen wir helfen, sich weiter zu entwickeln“.

Nach Ansicht des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), müsse Deutschland neue Wege bei der Einwanderungspolitik gehen. Zwar gebe es in Deutschland millionenfach gelungene Integration. Trotzdem müsse man mit der Lebenslüge aufräumen, dass Einwanderung automatisch eine Bereicherung für ein Land sei. Gebraucht würden hierzulande mehr hochqualifizierte Einwanderer und solche, welche die Gesellschaft stärkten und ihr neue Impulse gäben. Gegenwärtig wanderten aber vor allem sozial schwache Menschen zu. Buschkowsky erwarte von Zuwanderern den Willen, sich zu integrieren, die deutsche Sprache zu lernen sowie die Grundrechenarten zu beherrschen. Auch deshalb sollte die Gesellschaft mehr Geld in Schulen und Lehrer investieren. Das erspare spätere Kosten, etwa für Plätze in Haftanstalten, so der Politiker.

Christen sollten sich aktiv zu den Wertmaßstäben bekennen, die Jesus Christus in der Bibel gegeben habe, anstatt passiv und zurückhaltend zu sein. Denn sie seien ein großer Gewinn für das Gemeinwesen und „der Sauerteig der Gesellschaft“, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) beim Kongress. Er sprach zum Thema „Ohne Werte ist kein Staat zu machen“. Der Staat sei auf Bürger angewiesen, die sich an Werten orientierten, um sich selbst zu erhalten. Denn gesicherte Wertvorstellungen böten Orientierung, stärkten die Handlungsfähigkeit und hülfen, sachgerechte Entscheidungen zu treffen. Wem hingegen klare Wertmaßstäbe fehlten, der sei angewiesen auf Stimmungslagen und werde ein leichtes Opfer von Bevormundung und Manipulation. Daher sei es ein gutes Zeichen für Deutschland, dass die „Nachfrage nach christlichen Werten und Tugenden“ derzeit wachse, so der Minister.

Zum Abschluss des Kongresses erhielten die Teilnehmer des dreitägigen Treffens eine Kongresserklärung. Basis für ein erfolgreiches und soziales Handeln seien die Maßstäbe Gottes für die Menschen, wie sie beispielhaft in den Zehn Geboten zum Ausdruck kämen, heiße es in der Präambel. Wer sich an diesen Maßstäben orientiere, bemühe sich um Integrität, Ehrlichkeit, Fleiß, Verlässlichkeit, Barmherzigkeit und Fairness in allen Lebensbereichen. Er lehne Korruption, Betrug, unfaire Löhne, überzogene Gehälter und Abfindungen ebenso wie Habsucht, Neid, Geiz und üble Nachrede ab. Er engagiere sich für das öffentliche Wohl und fördere Ehen, Familien und Kinder als Basis der Gesellschaft.

Neben den Vorträgen gab es während des Kongresses mehr als 60 Seminare. Dabei ging es unter anderem um die Themen Wirtschaft und Ethik, Glaube am Arbeitsplatz, christliche Führungsprinzipien oder die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Bei der kongressbegleitenden Ausstellung präsentierten sich rund 250 Organisationen, wie Wirtschaftsverbände, Medien, Bildungs-, Freizeit- und Therapieeinrichtungen, Werbeagenturen, Missions- und Hilfswerke, Jugendverbände, Reisebüros und Einzelhändler. Darunter befand sich auch das Medienzentrum „Stimme der Hoffnung“ der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt mit seinem „Hope Channel“ Radio- und Fernsehprogramm.

Der Kongress christlicher Führungskräfte in Leipzig fand nach Fellbach (1999), Kassel (2001), Hannover (2003), Nürnberg (2005), Leipzig (2007), Düsseldorf (2009) und Nürnberg (2011) bereits zum achten Mal statt. Er wird von einer Allianz aus Unternehmerverbänden, landes- und freikirchlichen sowie anderen christlichen Organisationen getragen. Veranstalter ist die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit der Firma „tempus Akademie & Consulting“ (Giengen bei Ulm). Der neunte Kongress soll vom 26. bis 28. Februar 2015 in Hamburg stattfinden.
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