Prag/Tschechien, 28.02.2013/APD   Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Tschechischen Republik wird während der nächsten 30 Jahre jährlich 1,395 Millionen Franken (1,147 Millionen Euro) vom Staat erhalten, insgesamt 41,8 Millionen Franken (34,3 Millionen Euro). Das berichtete Adventist News Network (ANN). Noch im laufenden Jahr sollen die ersten Entschädigungszahlungen erfolgen, die kirchenintern an Institutionen und Departements der Freikirche zur Förderung ihrer Aufgaben fließen sollen.

16 Führer von Religionsgemeinschaften, darunter auch Pastor Mikulás Pavlík, Präsident der Adventisten in Tschechien und der Slowakei, haben am 22. Februar in Prag je einen individuellen Vertrag mit dem tschechischen Premierminister, Petr Necas, unterzeichnet. Dieses Abkommen regelt die Kompensation der vom Tschechoslowakischen Staat unter kommunistischer Herrschaft ab 1948 den Kirchen und Religionsgemeinschaften enteigneten und beschlagnahmten Güter. Adventistische Kirchenvertreter in Prag schätzten den Wert des verlorenen Kircheneigentums bei der Beschlagnahme durch das kommunistische Regime 1952 auf 48,3 Millionen Franken (39,7 Millionen Euro). Es brach 1989 in der sogenannten „Samtenen Revolution“ zusammen.

„Die Unterzeichnung des Vertrags bedeutet, dass das rechtliche Verfahren bezüglich des Eigentumsschadens, den das kommunistische Regime den Siebenten-Tags-Adventisten zugefügt hat mit dessen Wiedergutmachung abgeschlossen ist“, sagte Pastor Pavlík. Nach Angaben von ANN bestehe die Möglichkeit, dass die Adventisten in Tschechien auch Immobilien zurückerhalten würden.

Unter den 16 unterzeichnenden Religionsgemeinschaften seien auch die jüdische Glaubensgemeinschaft, die protestantische sowie die römisch-katholische Kirche vertreten, die von der Gesamtentschädigung der Tschechischen Regierung im Rahmen von 2,88 Milliarden Franken (2,36 Milliarden Euro) ihren Anteil erhalten werden.

„Mit der Unterzeichnung dieser Vereinbarungen schließen wir die Bemühungen ab, die Eigentumsschäden zu kompensieren, die durch die Kommunisten verursacht worden sind“, sagte Necas bei der Zeremonie. „In den frühen neunziger Jahren haben wir als Staat die Wiedergutmachung als das wirksamste und gerechteste Mittel betrachtet, um die Umgestaltung unserer Wirtschaft zu erreichen. Die Kirche ist dabei ausgeschlossen worden, aber heute haben wir diesen Akt der Gerechtigkeit abgeschlossen.“ Die Tschechische Republik soll laut adventistischer Kirchenvertreter die letzte Regierung der ehemals kommunistischen Staaten sein, die eine Regelung dieser Art mit religiösen Organisationen zu erreichen gesucht habe.

Premierminister Necas, auch Präsident der Demokratischen Bürgerpartei (ODS), sagte, dass das Abkommen „einen neuen, zeitgemäßen Grund“ für die Beziehungen zwischen Staat und Kirche gelegt habe. Nach Angaben von Adventist News Network seien unter kommunistischer Herrschaft die Gehälter von römisch-katholischen Priestern durch den Staat bezahlt worden, der eine strenge Kontrolle über die Tätigkeiten der Kirche ausgeübt habe. Die Siebenten-Tags-Adventisten hätten staatliche Zahlungen bis 2008 verweigert, als die Annahme von Staatsgeldern Voraussetzung für die Aufnahme der Verhandlungen zur Eigentumsentschädigung geworden sei.

„Der Vertrag zur Wiedergutmachung setzt ein wichtiges Zeichen für Demokratie und Religionsfreiheit in der Tschechischen Republik“, sagte Bruno Vertallier, Präsident der adventistischen Kirchenleitung in West- und Südeuropa (Inter-europäischen Division).

In Tschechien mit 10,5 Millionen Einwohnern, leben 7.491 Adventisten, die durch die Glaubenstaufe Mitglieder geworden sind. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Tschechien besitzt ein Theologisches Seminar, einen Verlag und zwei Medienzentren.

Im Jahr 2012 beschäftigte die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Tschechien 89 Mitarbeitende in Voll- und Teilzeit, führte im Inland vierzehn Projekte durch, vorwiegend in der Sozialhilfe sowie Beratungen für Opfer von Verbrechen und der Ausbildung in Entwicklungszusammenarbeit. Im Ausland wurden 24 Projekte begonnen. Die 2012 von ADRA Tschechien aufgewendeten Mittel liegen nach Angaben des Hilfswerks bei 2,38 Millionen Franken (1,96 Millionen Euro).

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