Martin Dreyer, „Die Volxbibel – Altes und Neues Testament“, Volxbibel Verlag, Witten, 2012, 1.296 Seiten, Paperback, 25,00 Euro, ISBN 978-3-940041-12-8 (Covermotiv Urban), ISBN 978-3-940041-14-2 (Covermotiv Retro).

Ostfildern, 24.03.2013/APD   Mit der neuen, einbändigen Gesamtausgabe will die Volxbibel Lesergruppen erreichen, die so schnell keine Bibel zur Hand nehmen würden. Es handelt sich dabei um eine sehr ungewöhnliche Übersetzung. Als das Neue Testament der Volxbibel im Dezember 2005 erschien, löste es Begeisterung und Empörung aus, da es Bibeltexte mit dem Slang der Schulhöfe und Diskotheken verbindet.

In der Lutherbibel wird beispielsweise in 5. Mose 4,6.7 über die Gebote Gottes gesagt: „So haltet sie nun und tut sie! Denn dadurch werdet ihr als weise und verständig gelten bei allen Völkern, dass, wenn sie alle diese Gebote hören, sie sagen müssen: Ei, was für weise und verständige Leute sind das, ein herrliches Volk! Denn wo ist so ein großes Volk, dem Gott so nahe ist wie uns der HERR, unser Gott, sooft wir ihn anrufen.“ Die Volksbibel gibt die beiden Verse, wie folgt, wieder: „Ihr sollt Respekt davor haben und ihr müsst tun, was in den Gesetzen gesagt wird. Alle anderen Länder werden es richtig cool finden, dass ihr nach diesen Gesetzen lebt. Sie werden Respekt vor euch haben und so Sachen sagen, wie: ‚Mann, sind die schlau, die haben ja voll den Durchblick!‘ Hey, es gibt echt kein Volk auf der ganzen Erde, das so einen echten Gott hat, der immer sofort am Start ist, wenn man Hilfe braucht!“ Hier geht es zwar um den gleichen Inhalt, aber in einer ganz anderen Ausdrucksweise.

Die Könige von Juda, Israel und anderen Völkern werden in der Volxbibel als „Präsidenten“ bezeichnet und Gott ist der „Chef“. Die Männer, die Jesus im Auftrag der Hohenpriester und Ältesten gefangen nahmen, werden „bezahlte Securityleute“ genannt, „die waren super ausgerüstet und hatten sogar ihre Knarren und Schlagstöcke dabei“ (Matthäus 26,47).

Der Fantasie sind in der Volxbibel keine Grenzen gesetzt. Bei der Speisung der Fünftausend fordern die Jünger Jesus auf: „Lass doch die Menschen gehen, damit sie sich bei McDonald‘s noch was zu essen holen können!“ (Matthäus 14,15). Doch die Jünger haben noch „fünf Brötchen und zwei Frikadellen“, wobei andere Bibelübersetzungen von „fünf Broten und zwei Fischen“ sprechen (Vers 17). Diese nimmt Jesus und lässt sie von seinen Jüngern verteilen, sodass durch ein Wunder alle „nach dem Essen pappsatt“ waren und von den Resten „sage und schreibe noch zwölf volle Einkaufswagen“, statt Körbe, übrig blieben (Vers 20). Wiederholt kommt in der Volxbibel auch ein Moped vor. So beauftragte Jesus zwei seiner Jünger statt einer Eselin ein „Moped“ zu holen, damit er in Jerusalem einziehen kann (Matthäus 21,2). Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Volxbibel selbst von Kühlschränken spricht. So soll Jesus angeblich über die Christen gesagt haben: „Ihr seid wie ein Kühlschrank für diese Welt – ohne euch würde alles vergammeln“ (Matthäus 5,13).

Die Volxbibel ist eine sehr freie und höchst umstrittene Neufassung des Bibeltextes. Sie ist missionarisch ausgerichtet und möchte vor allem kirchenferne Jugendliche erreichen, die keinerlei biblische Vorkenntnisse haben und mit Religion nichts anzufangen wissen. Das soll durch eine mit Jugendjargon angereicherte Umgangssprache geschehen. Die Volxbibel stößt zwar bei traditionellen Bibellesern meist auf Ablehnung, hat jedoch eine beachtliche Fan-Gemeinde. Wem das Experiment Volxbibel nicht zusagt, der kann zu anderen gut lesbaren und leicht verständlichen Bibelübersetzungen greifen, die sich mehr an den biblischen Grundtext halten.

Holger Teubert
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