Berg, Thurgau/Schweiz, 23.04.2013/APD   Am 15. April hat die Plenarversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) mit großer Mehrheit beschlossen, der „Allianz freier Sonntag Schweiz“ (Sonntagsallianz) beizutreten. Der Ausschuss der Sonntagsallianz habe die Arbeitsgemeinschaft am 18. April 2013 offiziell als Mitglied aufgenommen, teilte die AGCK mit.

„Die Arbeitsgemeinschaft steht als Dachorganisation für elf Mitgliedskirchen. Sie vertritt einen großen Teil der Christinnen und Christen in der Schweiz“, sagte Pfarrerin Rita Famos, Präsidentin der AGCK Schweiz. „Gemeinsam mit anderen Vertretern der Zivilgesellschaft setzen wir uns dafür ein, dass die Gesellschaft den Sonntag schützt und somit an der kulturellen Errungenschaft des Ruhetags nach sechs Arbeitstagen festhält.“

Familien, Gemeinschaften und Vereine müssten einen festgelegten freien Tag zur Verfügung haben, um sich treffen zu können, begründete die Arbeitsgemeinschaft ihren Einsatz für den wöchentlichen Ruhetag und den Beitritt zur Sonntagsallianz. Christinnen und Christen versammelten sich außerdem überwiegend am Sonntag zum Gottesdienst.

Position der Adventisten
Die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist seit 2012 Gastmitglied in der AGCK Schweiz. Adventisten teilten die Bemühungen der Sonntagsallianz gegen die Ökonomisierung des Lebens und für gesundheitsfördernde sowie familienverträgliche Arbeitszeiten, sagte Pastor Herbert Bodenmann, Leiter für öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der Freikirche in der Schweiz. Die Anliegen der sozialen Gerechtigkeit und der Menschenwürde seien für Adventisten im Sabbatgebot verankert. Für seine Kirche, die den Samstag (Sabbat) als biblischen Ruhetag feiere, sprächen grundsätzliche Überlegungen gegen einen Beitritt zur Sonntagsallianz, so Bodenmann.

„Gemäß dem protestantischen Schriftprinzip ‚sola scriptura‘, allein die Heilige Schrift, gibt es aus adventistischer Sicht keinen Anhalt für den Sonntag als Ruhetag in der Bibel“, laut Bodenmann, da dieser historisch gesehen, erst in nachbiblischer Zeit, ab Mitte des zweiten Jahrhunderts, aufgekommen sei.

Zudem seien Adventisten Vertreter der Trennung von Kirche und Staat. Aus dieser Sicht würden sie auch bei einer „Sabbatallianz“ nicht mitmachen, so Bodenmann. Religiöse Anliegen, die man mittels staatlicher Gesetze durchsetzen wolle, würden ihres eigentlichen Gehalts entkernt, nämlich das Ergebnis einer freiwilligen Gottesbeziehung und einer persönlichen Überzeugung zu sein, betonte der Pastor. Evangelium und christlicher Glaube beruhten nach dem Verständnis seiner Kirche auf Freiwilligkeit, der mit staatlichen Gesetzen weder nachgeholfen werden solle oder könne.

Ein weiterer Grund gegen den Beitritt zur Sonntagsallianz liege im adventistischen Verständnis der Religionsfreiheit, welche religiöse und weltanschauliche Überzeugungen von Menschen gleichermaßen schütze. „Das Menschenrecht Religionsfreiheit kann nicht geteilt werden, sondern ist allgemeingültig“, so Bodenmann. Man könne nicht einseitig seine religiösen Anliegen schützen wollen, ohne dies auch anderen gleichermaßen zu zugestehen. Die Forderung nach dem Schutz des Sonntags als Ruhetag sei einseitig, sofern nicht allen Menschen eine wöchentliche 24-stündige Ruhezeit gemäß ihrer jeweiligen Ausrichtung zugestanden werde. Damit wären auch die Anliegen religiöser Minderheiten, wie Adventisten und Juden, aber auch säkularer Menschen, berücksichtigt.

Schweizerische Sonntagsallianz
Die schweizerische „Sonntagsallianz“ wurde 2012 gegründet. Sie ist ein Netzwerk von 27 kirchlichen Organisationen, politischen Parteien, Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Suchtkrankenhilfen und der schweizerischen Fachgesellschaft für Arbeitsmedizin. Die Allianz kämpft gegen die Liberalisierung der Öffnungszeiten im Handel und hat am 3. April bei der Bundeskanzlei ein Referendum gegen den 24-Stunden-Arbeitstag eingereicht, das in knapp 3 Monaten von 86.499 Personen unterzeichnet worden ist. Laut Sonntagsallianz wehrten sich die Mitglieder gegen die zunehmende Unterwanderung der Sonntagsruhe und der damit verbundenen negativen gesundheitlichen, religiösen und sozialen Folgen.

Europäische Sonntagsallianz
Die Europäische Sonntagsallianz wurde 2011 gegründet und hat Mitglieder aus den Bereichen Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und weiteren Organisationen der Zivilgesellschaft. Sie setzt sich maßgeblich für die Einfügung des Sonntags als Ruhetag in der EU-Arbeitszeitrichtlinie ein, wie dies vor 1993 der Fall war.

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