Nærum/Dänemark, 14.05.2013/APD   Während der Delegiertenversammlung vom 12. Mai haben die Adventisten in Dänemark eine Stellungnahme zur Gleichstellung von Frau und Mann sowie zur Ordination beschlossen. Demnach soll „die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Dänemark bei der Ernennung von Pastoren keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern machen und fordert die Gleichstellung der Geschlechter in allen Verantwortungsbereichen“. Deshalb würden bis zur nächsten Weltsynode der Kirche (Generalkonferenz-Vollversammlung) im Jahr 2015, an der eine Entscheidung zur Ordinationsfrage in der Weltkirche gefällt werden soll, in Dänemark keine Ordinationen mehr durchgeführt.

Begründet wird die Entscheidung mit dem adventistischen Schöpfungsverständnis, wonach Gott den Menschen als Mann und Frau nach seinem Bilde geschaffen und damit gleichgestellt habe. Wegen der Sünde hätte Gott ein spezielles Priestertum eingeführt, das für Männer reserviert gewesen sei. Dieses habe aber mit den vorgeschriebenen Opfern und Anordnungen seine Erfüllung in Jesus Christus gefunden, heißt es in der Stellungnahme. Es gäbe kein weiteres, besonderes Priestertum, da Jesus Christus der Priester aller und als Hohepriester im wahren Tempel im Himmel wirke, durch den nun alle Zugang zu Gott hätten (Hebräer 4 und 5 im Neuen Testament).

Alle Nachfolger Christi, sowohl Frauen als auch Männer, gehörten zum „auserwählten Geschlecht, der königlichen Priesterschaft, dem heiligen Volk und dem Volk des Eigentums“ (1. Petrus 2,9). Die königliche Priesterschaft habe als gemeinsames Ziel, das Evangelium zu verkündigen. Dieser Dienst basiere auf den geistlichen Gaben, welche der Heilige Geist gleichermaßen Männern und Frauen zuteile (1. Korinther 12). Paulus nenne einige spezifische Dienste der Kirche, einschließlich Apostel, Propheten, Evangelisten, Lehrer und Hirten, wobei letzere Pastoren seien (Epheser 4,7-16).

Link zur englischen Stellungnahme der dänischen Adventisten:
http://adventist.dk/da/nyheder-og-presse/32-faellesskab/arrangementer/283-danishunion

Studienkommission zur Ordinationsfrage
Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten hat 2012 eine Studienkommission eingesetzt, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen solle. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen müssten die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollten.

Frauen in den USA zum Pastorendienst ordiniert
2012 haben fünf überregionale adventistische Kirchenleitungen Beschlüsse zur geschlechtsunabhängigen Ordination gefasst: Die „Columbia Union Conference“ im Osten und die „Pacific Union Conference“ im Westen der USA sowie der „Norddeutsche Verband“, die „Niederländische Union“ und die „Norwegische Union“. In den beiden nordamerikanischen Kirchenregionen sind mehr als zehn Frauen als Pastorinnen ordiniert worden.

Deutschland, Niederlande und Norwegen
Wie der Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Johannes Naether (Hannover), mitteilte, liege derzeit kein Antrag von einer der vier regionalen Freikirchenleitungen („Vereinigungen“) in Nord- und Ostdeutschland zur Ordination einer Frau als Pastorin vor. Bei Stellung eines derartigen Antrages werde der Verbandsausschuss darüber nach denselben Kriterien wie für männliche Geistliche entscheiden.

In den Niederlanden hat die Delegiertenversammlung der Adventisten im November 2012 beschlossen, die geschlechtsunabhängige Ordination zum Pastorendienst einzuführen, mit der Umsetzung aber bis zum Entscheid der Weltsynode zu warten.

Am 2. Dezember 2012 beschloss der Vorstand der norwegischen Kirchenleitung: „Wir halten es für moralisch und ethisch richtig, den Pastorendienst von Frauen und Männern gleichermaßen anzuerkennen.“ Mit diesem Beschluss wolle die norwegische Kirche keineswegs in Opposition zur Studiengruppe der Weltkirche bezüglich der Ordinationsfrage treten. Sie werde aber keine Person mehr zur Ordination vorschlagen, bis die Ordinationsfrage 2015 geklärt sei.

Frauen als Pastorinnen
Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorin „gesegnet“ werden und damit fast alle Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen; doch ordiniert werden nur männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes/Union“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung), berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist. Während die Ordination von Pastoren weltweit innerhalb der Freikirche Gültigkeit habe, dürften Frauen als Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehörten, welche die Segnung praktiziere.

Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit über 17,6 Millionen erwachsen getauften Adventisten leben, umstritten.

__________________________________________________________________________

Der Text kann kostenlos genutzt werden. Veröffentlichung nur mit eindeutiger Quellenangabe „APD“ gestattet!