Köln u. Bern, 20.06.2013/APD   „Nach reiflicher Überlegung und einer Zeit des Gebets“ hat die internationale Leiterin der Heilsarmee, Generalin Linda Bond (66), entschieden, ihr Amt zum 13. Juni niederzulegen, teilte der Stabschef der evangelischen Freikirche, André Cox (London), mit. Er werde nach der Verfassung der Heilsarmee bis zur Wahl eines neuen Generals interimistisch die Funktionen des internationalen Leiters ausüben. Die Entscheidung, in den Ruhestand zu treten, habe Linda Bond nach 44 Jahren im Dienst für die Heilsarmee getroffen.

Über Rücktrittsgründe der Generalin, die das höchste Amt in ihrer Freikirche 2011 antrat, wurde nichts verlautet. Die üblicherweise souverän und positiv auftretende Linda Bond habe bei ihrem Besuch in der Schweiz im Frühjahr 2013 auf ihn sehr müde gewirkt, sagte Martin Künzi (Bern), Leiter der Kommunikationsabteilung der dortigen Heilsarmee. Einen Skandal als Rücktrittsgrund schließe er aus. Der Rücktritt der Generalin habe kaum Auswirkungen auf die Tätigkeit der Heilsarmee in der Schweiz oder in Deutschland, so Künzi, da die einzelnen Länder und Territorien sehr unabhängig arbeiteten.

Stabschef André Cox werde in Kürze den Hohen Rat einberufen, um einen neuen General oder eine neue Generalin zu wählen. Der Hohe Rat sei ein Wahlgremium, das aus allen amtierenden Kommandeuren sowie allen Landesleitern im Rang eines Kommissärs aus allen Heilsarmee-Territorien der Welt bestehe und rund 200 Personen umfasse.

Die Kanadierin Linda Bond war die dritte Frau im obersten Leitungsamt der Heilsarmee und seit Gründung der Freikirche die 19. höchste Führungspersönlichkeit. Sie hat einen Bachelorabschluss in „Religious Education“ und einen Master in Theologie. 1967 trat sie als Kadettin in die Offiziersschule in Kanada ein und wurde zwei Jahre später zur Offizierin geweiht. Korpsarbeit (Gemeindearbeit), eine Lehrtätigkeit an der Offiziersschule in Toronto, administrative und Leitungsaufgaben in verschiedenen englischsprachigen Ländern der Welt haben ihre berufliche Tätigkeit geprägt.

Gründer der Heilsarmee war der methodistische Pastor William Booth (1829-1912). Erschüttert von dem sozialen Elend im Osten Londons gründete er 1865 mit Freiwilligen aus verschiedenen Kirchen die „Christliche Erweckungsgesellschaft“, die sich 1878 in Heilsarmee umbenannte. Booth wurde ihr erster General. Der Kampf gegen Alkoholismus, Obdachlosigkeit und Verarmung wurde straff militärisch strukturiert. Dazu gehörte auch die Einführung von Uniformen und Rängen. Schon bei der Gründung wurde festgelegt, dass Frauen in der Heilsarmee die gleichen Rechte wie Männer haben. Sie durften predigen, und ihnen standen alle Führungspositionen offen.

Weltweit zählen etwa drei Millionen Menschen in 126 Ländern zur Heilsarmee, darunter rund eine Million Heilssoldaten (Mitglieder), 26.300 Offiziere (Geistliche) und 110.360 Angestellte. In Deutschland gibt es rund 4.000 Mitglieder, 6.000 Freunde, 45 Korps (Gemeinden) und 42 soziale Einrichtungen.

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