Herzogenbuchsee/Schweiz, 15.08.2013/APD   Nach der gewaltsamen Räumung zweier Protestlager von Anhängern des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi durch Sicherheitskräfte hätten Islamisten am 14. August in vielen Städten Ägyptens Kirchen, Läden und Wohnhäuser von koptischen Christen in Brand gesetzt, teilte das überkonfessionelle christliche Hilfswerk „Open Doors“ Schweiz mit. Außerdem würden Kopten vermehrt entführt und durch Lösegeldforderungen unter Druck gesetzt. Der koptische Papst Tawadros II. habe aus Sicherheitsgründen eine Messe abgesagt.

Entführung und Zwangsheirat
Ein siebenjähriges Mädchen sei während der Hochzeit ihres Onkels entführt worden. Um die Lösegeldforderung begleichen zu können, habe die koptische Gemeinde die Summe in der Höhe von zwölf ägyptischen Jahresgehältern zusammengelegt, so „Open Doors“. Zudem würden junge Christinnen verschleppt, zwangskonvertiert und ihre Religionszugehörigkeit auf dem Personalausweis von „christlich“ in „muslimisch“ verändert. Dann würden sie zur Heirat mit Muslimen gezwungen. Viele kehrten nicht zu ihrer Herkunftsfamilie zurück, weil ihnen gedroht werde, dass sie und ihre Angehörigen in diesem Fall umgebracht würden.

Geschäfte christlicher Besitzer angezündet
Laut „Open Doors“ sei ein banaler Streit in der Stadt Bani Ahmed, südlich von Kairo, zwischen einem christlichen Gast eines Kaffeehauses und dessen muslimischem Besitzer über einen Song im Radio so eskaliert, dass Muslime sieben Häuser und mehrere Autos von Christen geplündert oder angezündet hätten. Darunter eine Apotheke, ein Möbelgeschäft, eine Autowerkstätte und weitere Geschäfte, die Christen gehörten. 18 Menschen seien dabei verletzt worden. Christen hielten aus Angst vor weiteren Übergriffen ihre Geschäfte geschlossen.

Koptischer Papst sagt Messe ab
Die Erschießung des koptischen Priesters Mina Abboud Sharubim oder jene der zehnjährigen Jessica Boulous, auf dem Heimweg von der Kirche als auch die Enthauptung des christlichen Elektronikhändlers Magdy Lamei Habib, dessen Körper in der Wüste gefunden worden sei, belegten die Zunahme von Gewalt und deren Häufigkeit. Der koptische Papst Tawardos II. habe die für diese Woche geplante Messe in der St. Markus-Kathedrale in Kairo abgesagt, so das Hilfswerk. Er fürchte, dass seine Präsenz die christliche Gemeinde gefährden könnte.
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