Ostfildern bei Stuttgart, 16.08.2013/APD   Nicht nur Katholiken und Mitglieder evangelischer Landeskirchen engagierten sich laut Nachrichtenagentur idea für die neue, Werte-konservative und Euro-skeptische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), sondern auch Freikirchler. Unter letzteren befänden sich ebenfalls Adventisten, teilte der Adventistische Pressedienst (APD) mit.

So wurde im Wahlkreis 41 (Hannover Stadt I) für die Wahl des 18. Deutschen Bundestages am 22. September als AfD-Direktkandidat der Geologe und Adventist Dr. Dr. Matthias Dorn (59) nominiert. Der Wahlkreis ist fest in der Hand der SPD. Nur 1957 konnte ein CDU-Kandidat das Direktmandat erlangen. Dorn kandidiert zudem auf Platz 6 der AfD-Landesliste. Er ist gleichzeitig Beisitzer im AfD-Landesvorstand Niedersachsen.

Im Wahlkreis 100 (Rheinisch-Bergischer Kreis) ist AfD-Direktkandidat der Unternehmensberater Martin Haase (58) aus Bergisch Gladbach, Mitglied der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und Leiter des Verbindungsbüros der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA zur Europäischen Union in Brüssel. Der Wahlkreis ging bei vorausgegangenen Bundestagswahlen bis auf 1972, als die SPD siegte, immer an die CDU. Haase wurde zudem auf Platz 12 der AfD-Landesliste Nordrhein-Westfalen gesetzt. Der Unternehmensberater ist außerdem stellvertretender Sprecher des AfD-Kreisverbandes Rheinisch-Bergischer Kreis.

Laut Haase stütze sich die AfD kreisweit auf etwa 100 Mitglieder aus unterschiedlicher Altersklassen und Berufsgruppen. Ein Großteil habe bislang keiner Partei angehört. Der Kandidat wolle durch sein politisches Engagement verlorengegangene Träume lebendig werden lassen: „Gestalten wir generationsübergreifend die Zukunft unseres Landes und sichern wir unsere Lebensqualität bis ins hohe Alter, indem wir die demokratische Mitbestimmung in Deutschland stärken, sorgsam in den Frieden Europas investieren und unseren Kindern keine erdrückenden Schulden hinterlassen.“ Die „Alternative für Deutschland“ ordnet Haase wie folgt ein: „Links vom rechten und rechts vom linken Block, also genau in der bürgerlichen Mitte.“ Seine Familie unterstütze ihn „großartig“. Zusätzlich fände er „als Christ im Glauben zu innerer Gelassenheit“.

Die am 6. Februar 2013 gegründete AfD habe in Nordrhein-Westfalen etwa 3.000 Mitglieder, bundesweit sollen es bis zu 20.000 sein. Die Partei ist in allen 16 Bundesländern durch Landesverbände vertreten.

Nur einmal gelangte bisher ein Adventist als Abgeordneter in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 1998 war der Bauunternehmer Frank Hempel in Mecklenburg-Vorpommern für die SPD Direktkandidat im damaligen Wahlkreis 270 (Neustrelitz, Stasburg, Pasewalk, Ueckermünde, Anklam). Er wurde mit der knappen Mehrheit von 13 Stimmen in den 14. Deutschen Bundestag gewählt. Dort war er unter anderem Mitglied des Bundestagsausschusses für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zur Bundestagswahl 2002 wurden die Wahlkreise vergrößert, sodass weniger Abgeordnete ins Parlament einzogen. Hempel trat nicht mehr zur Wahl an, sondern arbeitete als Referent im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die Freikirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten ermutige ihre Mitglieder nicht zum politischen Engagement oder rate ihnen davon ab. „Das ist eine Entscheidung, die jedes Gemeindeglied für sich treffen muss“, betonte der frühere Direktor für Öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), Dr. Bert B. Beach. Wenn Christen in wichtigen Regierungsstellen ihren Dienst verrichteten, könnten sie ihren Einfluss zum Schutz der Menschenrechte sowie der Glaubens- und Gewissensfreiheit nutzen. Grundsätzlich bleibe es aber dem Einzelnen überlassen, ob und wie er sich politisch betätige.
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