Stuttgart, 30.09.2013/APD   Hunderte Millionen Menschen weltweit haben bisher keine vollständige Bibelübersetzung in ihrer Muttersprache. Darauf weist der Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies; UBS) hin. Die Bibel liege jetzt komplett mit Altem und Neuem Testament in rund 500 Sprachen vor. Experten schätzten aber, dass es insgesamt etwa 7.000 Sprachen weltweit gebe. Jeder 20. Erdenbürger habe nicht einmal Zugang zu einem übersetzten Evangelium oder einer anderen biblischen Schrift in der eigenen Sprache.

Als ein Beispiel für die Bedeutung der Bibel in der eigenen Sprache nennen die Bibelgesellschaften die Übersetzung für das Volk der Schilluk in der Republik Südsudan. Nach 35 Jahren Übersetzungsarbeit mit Unterbrechungen durch den Bürgerkrieg im Sudan liege jetzt die komplette Bibel vor. „Viele Frauen sprechen nur Schilluk und kein Englisch oder Arabisch“, berichtet Rachel Ayul, Leiterin einer lokalen Frauengruppe. Manchmal habe sie die Bibel in einer anderen Sprache lesen müssen, um dann in Schilluk zu übersetzen. Im Südsudan seien mehr als drei Viertel der Bevölkerung Christen. Amtssprache wäre zwar Englisch, doch viele Einwohner würden nur die traditionellen Sprachen ihrer Völker beherrschen. Schilluk sprechen etwa 650.000 Südsudanesen.

Der Weltverband der Bibelgesellschaften plane, bis Ende 2015 komplette Bibelübersetzungen in weiteren hundert Sprachen fertigzustellen. Die Übersetzungsabteilung der UBS, Trainingsprogramme für einheimische Bibelübersetzer und spezielle Computersoftware wären dabei hilfreich. Finanziell werde die Arbeit durch Spenden unterstützt. In Deutschland fördere die Weltbibelhilfe als Aktion der Deutschen Bibelgesellschaft die internationalen Projekte zur Übersetzung und Verbreitung der Heiligen Schrift.

Die Bibelgesellschaften betonten, dass die Übersetzung der Bibel nur in Amts- und Verkehrssprachen nicht ausreiche. Im Weltverband sind 146 nationale Bibelgesellschaften Mitglied. Zurzeit werde international in 450 Übersetzungsprojekten gearbeitet. Dabei gehe es um Erst- und Neuübersetzungen sowie Revisionen, welche die Texte an veränderte Sprachgewohnheiten und neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaften anpassten.
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