Silver Spring, Maryland/USA, 06.10.2013/APD   An der zehnten Jahreskonsultation adventistischer AIDS-Projektkoordinatoren in Afrika haben in Nairobi/Kenia 70 leitende Fachleute aus über zwanzig afrikanischen Staaten teilgenommen. Sie arbeiten für Adventist AIDS International Ministry (AAIM) oder im Kirchendienst, wie Adventist News Network (ANN) berichtete. Die Teilnehmerzahl sei ein Beleg dafür, dass die Kirche ihre Rolle im Kampf gegen AIDS gefunden und akzeptiert habe, so Kirchenvertreter. Sowohl Mitglieder als auch Kirchenleiter würden Hilfestellungen anbieten, um Betroffenen und deren Angehörigen beizustehen.

Unterschiedlicher Umgang mit HIV/AIDS in afrikanischen Adventgemeinden
Obwohl es schon vor der Gründung von AAIM im Jahr 2003 lokale adventistische AIDS-Hilfsprogramme gegeben habe, seien dank AAIM kirchenintern große Fortschritte bei der Sensibilisierung von HIV/AIDS erzielt worden, so ANN. Die mit der Krankheit verbundene Angst sowie die Ausgrenzung und Stigmatisierung Betroffener hätten in der Kirche stark abgenommen. Früher seien viele infizierte Adventisten gestorben, weil sie sich vehement gegen HIV-Tests gewehrt und eine mögliche Stigmatisierung gefürchtet hätten.

„Stigmatisierung und Diskriminierung gibt es in unseren Reihen in Simbabwe nicht mehr“, sagte Innocent Gwizo, Direktor für Gesundheitsdienste und HIV/AIDS-Koordinator der adventistischen Kirchenleitung in Simbabwe. „Das Abendmahl wird nun auch von HIV-Infizierten ausgeteilt, und ihre Füße werden bei der Fußwaschung von jedem anderen Kirchenmitglied gewaschen“, so Gwizo. „Das war früher undenkbar.“

Adventisten folgten mit dem Praktizieren der Fußwaschung vor dem Abendmahl dem Beispiel Jesu, der vor dem Abschiedsmahl seinen Jüngern die Füße wusch.

In Simbabwe lebten rund 700.000 Adventisten. Jede der etwa 1.500 adventistischen Ortsgemeinden habe eine verantwortliche Person für den HIV/AIDS-Dienst, so Innocent Gwizo. Diese Gruppen würden mehr als 15.000 Kirchenmitgliedern mit HIV sowie weiteren betroffenen Personen aus dem Umfeld beistehen.

„Das Stigma von HIV/AIDS-Betroffenen ist in unseren Kirchen in Westafrika immer noch sehr weit verbreitet, während in Ost- und Südafrika, wo AAIM viele Jahre gearbeitet hat, die Stigmatisierung viel weniger ausgeprägt ist“, hob der Arzt Oscar Giordano, Leiter von Adventist AIDS International Ministry, hervor.

Ethische Forderungen und Stigmatisierung
Das Virus produziere nicht mehr so viele Schlagzeilen wie vor einigen Jahren, aber nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden täglich fast 5.000 Menschen an AIDS sterben. Demnach werde das HI-Virus am häufigsten durch sexuellen Kontakt, infizierte Nadeln und durch Mütter beim Stillen übertragen.

Die Siebenten-Tags-Adventisten stünden für sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und monogame, heterosexuelle Beziehungen ein. Auf diesem Hintergrund, so ANN, würde Adventisten mit AIDS schnell unterstellt, dass sie eine Affäre gehabt hätten. Oft würden sie aber ohne eigenes Verschulden von einem untreuen Ehepartner infiziert. „Vor zehn Jahren wurde in unseren Kirchen in Afrika HIV/AIDS fast vollständig verleugnet“, räumte Oscar Giordano ein. Unabhängig, wie es zur Infektion gekommen sei, würden sich die Kirchenleiter heute für die Thematik sensibilisieren und betonen, wie wichtig Mitgefühl und Fürsorge für die Betroffenen wären.

Unterstützung für AIDS-Kranke und deren Angehörige
Seit der Gründung im Jahr 2003 leitet das Ärzte-Ehepaar Oscar und Eugenia Giordano Adventist AIDS International Ministry in Johannesburg/Südafrika. Anstatt dort ein großes Büro aufzubauen, hätten sie in den Ländern südlich der Sahara ein Netzwerk von AAIM-Partnerbüros errichtet, die seit Beginn 3.000 kirchliche Förderprogramme für Menschen angeboten hätten, die mit AIDS lebten. HIV-Infizierte würden oft ihre Beziehungen, Familie und ihren Beruf verlieren.

Mit den AAIM-Projekten würden Familien und AIDS-Waisen unterstützt, individuelle Beratung Infizierter sowie Selbsthilfegruppen angeboten. „Es ist sehr schwierig für eine Person, HIV und AIDS allein zu bewältigen“, sagte Giordano, daher hätten Selbsthilfegruppen eine zentrale Funktion. Neben Aufklärungskampagnen würden auch Berufsausbildungsprogramme für AIDS-Kranke sowie Starthilfe und Gerätschaften für die berufliche Selbständigkeit angeboten, zum Beispiel als Schneider oder Bäcker.

Laut UNAids lebten 2012 in den Ländern südlich der Sahara 25 Millionen Menschen mit HIV, davon 2,9 Millionen Kinder. Im gleichen Jahr wurden in diesem Gebiet 1,6 Millionen Menschen neu infiziert, davon 230.000 Kinder. 1,2 Millionen Menschen starben 2012 an AIDS-bedingten Krankheiten.
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