Evry/Frankreich, 14.10.2013/APD   Am 11. Oktober wurden drei Männer und eine Frau, die aus den Antillen stammen, durch das Schwurgericht in Evry/Frankreich zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, in der Nacht vom 5. zum 6. Mai 2011 in einer Wohnung von Gringy, einem Vorort von Paris, einer 19-jährigen Kamerunerin beim Versuch, sie „vom Teufel zu befreien“, Körperverletzungen beigebracht und Freiheitsberaubung begangen zu haben, teilte Pastor Jean-Paul Barquon, Generalsekretär der adventistischen Kirchenleitung in Frankreich (Union des Fédérations adventistes de France [UFA]) mit. Die Verurteilten seien aber vom Vorwurf des Staatsanwalts, „Akte der Folter oder Barbarei“ begangen zu haben, freigesprochen worden.

Eric Derond, der sich selbst als Prophet bezeichnet habe und Anführer der Gruppe gewesen sei, wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Mutter, Lise-Thérèse Babin, und Philippe Grego bekamen je fünf Jahre Gefängnis, davon ein Jahr auf Bewährung, und Lionel Fremor, der als beeinflussbar angesehen wurde, erhielt drei Jahre Haft.

„Ich hätte mir gewünscht, dass das Gericht dem Strafantrag des Staatsanwalts Folge leisten würde, denn aus meiner Sicht sind dies gefährliche Leute, vor allem Eric Derond“, sagte Antoinette, ehemalige Freundin des Anführers und Opfer, kurz nach dem Urteil. „Im Hinblick auf das, was ich erwartet hatte, befriedigt mich dieses Urteil nicht. Dass man nicht an Folter festgehalten hat, stört mich sehr“, sagte Christophe René, Anwalt der Familie des Opfers.

Die Exorzisten sind keine Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten
Weil sich die Verurteilten als Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten ausgegeben hätten, sei seine Kirche mit dem Fall in Verbindung gebracht worden, so Pastor Barquon. Die adventistische Kirchenleitung habe aber gleich bei der Verhaftung der Täter im Jahr 2011 klargestellt, dass diese bereits ein Jahr vor der Tat aus der Kirche ausgeschlossen worden seien, weil sie sich mit ihren Auffassungen und ihrem Verhalten von den Überzeugungen der Kirche entfernt hätten.

Kirchenzugehörigkeit je nach Überzeugung wechseln
Laut Jean-Paul Barquon betone die „Arbeitsrichtlinie“ der Adventisten, dass sich wahre Religion auf Überzeugung und Gewissen gründe. Demnach stehe einem Mitglied, das seine Überzeugung ändere und sich nicht mehr in Übereinstimmung mit dem adventistischen Glauben befinde, nicht nur das Recht zu, sondern es sei auch verpflichtet, seine religiöse Zugehörigkeit gemäß seiner Überzeugung zu ändern, ohne deswegen verachtet zu werden.

Adventisten und Exorzismus
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten kenne und praktiziere keine Handlungen die im Dunstkreis dessen stünden, was man als „Exorzismus bezeichne, so UFA-Generalsekretär Barquon. Obwohl es in den Evangelien Berichte von Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen durch Jesus gebe, ginge die adventistische Kirche heute etwas anders vor. Seit biblischen Zeiten habe es in den verschiedenen Bereichen der medizinischen Forschung große Fortschritte gegeben. Adventisten wendeten mit ihrem weltweiten medizinischen Netzwerk von Krankenhäusern und Universitäten diese Erkenntnisse an, um Menschen zu helfen.

Laut Barquon mögen unter besonderen Umständen und in gewissen Regionen Fälle von Besessenheit festgestellt werden. In seelsorgerlichem Handeln seien die Pastoren gehalten, in Gegenwart von zwei oder drei Zeugen, meist den Leitern der örtlichen Gemeinde, für die betroffene Person zu beten. Gleichzeitig würden die Gemeindemitglieder ermutigt, durch Gebet und Fasten Fürsprache einzulegen.

„Obwohl Siebenten-Tags-Adventisten an die Macht Christi glauben, Menschen, die an dämonischen Attacken leiden, durch Gebet zu befreien, billigen wir exorzistische Handlungen nicht, wie sie von anderen christlichen Kirchen durchgeführt werden“, sagte Dr. Kwabena Donkor, stellvertretender des Biblischen Forschungsinstituts (Biblical Research Institute [BRI]) der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) in Silver Spring, Maryland/USA.

Die Siebenten-Tags-Adventisten seien nicht bekannt dafür, die Gabe der Dämonenaustreibung zu besitzen oder diese anzuwenden, so Barquon. Es gäbe weder in der „Gemeindeordnung“ noch im „Handbuch für Pastoren“ entsprechende Anweisungen, noch würde dies an den adventistischen Universitäten oder theologischen Ausbildungsstätten gelehrt.

Die dortige Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist Mitglied der „Fédération Protestant de France/FPF“ (Bund Protestantischer Kirchen in Frankreich). In Frankreich leben knapp 13.000 Siebenten-Tags-Adventisten, die durch die Glaubenstaufe Mitglieder geworden sind. Sie versammeln sich in 119 Kirchen, unterhalten eine Grundschule sowie die Adventistische Universität Frankreich (Campus Adventiste du Salève) in Collonges, ein Altersheim, einen Verlag, ein Medienzentrum und sechs Radiostationen.
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