Weiterstadt bei Darmstadt, 20.10.2013/APD   Der Welternährungstag sei für viele Medien ein Anlass, einzig auf die Verschwendungssucht in deutschen Haushalten hinzuweisen. Zu viele Lebensmittel würden weggeworfen und wertvolles Trinkwasser verschwendet. Die Gefahr dieser thematischen Fokusierung bestehe jedoch darin, dass vom wahren Kernproblem abgelenkt werde: dem Hunger von 840 Millionen Menschen weltweit, gab Fritz Neuberg, Assistent des Pressesprechers der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, zu bedenken. Es stelle sich daher die Frage: „Wieso müssen im 21. Jahrhundert fast 1 Milliarde Menschen an Hunger leiden?“ Dabei sollte beachtet werden, dass Unterernährung nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer sei, sondern auch in westlichen Ländern, wie in den USA, vorkomme.

„Hunger“ bedeute für Menschen in den Entwicklungsländern „Angst“, betonte Neuberg. Wer nicht wisse, wie er sich und seine Kinder ernähren solle, kämpfe um sein Überleben. Er stelle sich die Frage, wie er den nächsten Tag oder die nächste Woche überstehen könne. „Irgendwann schaltet man ab, man wird hart. Und man nimmt, was man bekommt.“ In Afghanistan seien friedliebende Bauern bereit, Opium anzubauen oder ein paar Granaten regelmäßig auf NATO-Stützpunkte abzuschießen, Hauptsache, sie erhielten Geld zum Überleben. Woher das Geld komme, wäre dann egal. Und wer diese Möglichkeit nicht habe, greife zu Rauschgiften, um den Hunger zu überdecken. Welche Abwärtsspirale aus Problemen sich daraus ergebe, sei leicht nachzuvollziehen.

„Irgendwann wird aus dem andauerndem Hunger Antriebslosigkeit“, stellte Fritz Neuberg fest. Mütter hätten in Haiti ihre Kinder verkauft, weil sie die eigenen Kinder nicht mehr ernähren könnten. „Als nach dem Erdbeben dann Hilfsorganisationen kamen, wurde die Lage für solche Kinder nur wenig humaner.“ Eltern hätten ihre Kinder irgendwo auf der Straße abgestellt, in der Hoffnung, dass eine Hilfsorganisation sie mitnehmen und in einem Kinderheim unterbringen würde.

Auf die Frage „Wieso müssen im 21. Jahrhundert fast 1 Milliarde Menschen an Hunger leiden?“, meint Neuberg: Wer genauer hinsehe, erkenne neben Naturkatastrophen auch das Eingreifen des Menschen. Entweder durch Stellvertreterkriege oder Kriege aus wirtschaftlichen Interessen, oder durch wirtschaftliche Interessen, um billige Nahrungsmittel und Treibstoffe zu produzieren.

Sicher sei es wichtig, verantwortungsvoll mit Nahrungsmitteln und Wasser in Deutschland umzugehen. „Darüber hinaus sollten wir aber vor allem jene Probleme lösen, die ein menschenunwürdiges Leben in Entwicklungsländern verursachen.“ Das sei nicht leicht. „Der Hydra aus verantwortungslosen Interessen die Köpfe abzuschlagen, wird ein mühsamer Kampf sein.“ Aber es gelte, den Betroffenen eine ständige Stimme zu geben, damit sich ihre Situation bessern könne. Denn jeder Mensch habe das Recht auf eine gute Mahlzeit. „Nahrung ist ein Menschenrecht“, schlussfolgert Fritz Neuberg.
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