Riverside, Kalifornien/USA, 29.10.2013/APD   Am 27. Oktober haben 786 Delegierte der regionalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Südost-Kalifornien (Southeastern California Conference of Seventh-day Adventists, SECC) mit 72 zu 28 Prozent die Pastorin Sandra Roberts zur Präsidentin ihrer Kirchenleitung („Vereinigung“) gewählt. Roberts ist damit die erste adventistische Frau weltweit, die zur Leiterin einer Kirchenregion gewählt worden ist. 66,8 Prozent der Delegierten seien laut SECC Männer gewesen, 33,2 Prozent Frauen. In der SECC-Kirchenregion gibt es 67.906 Mitglieder, 143 Kirchgemeinden und zehn ordinierte Pastorinnen.

Einspruch des Weltkirchenleiters gegen die Wahl einer Frau als Präsidentin
Pastor Ricardo Graham, Präsident der fünf US-Bundesstaaten umfassenden Pacific Union Conference (PUC), der überregionalen Kirchenleitung („Union/Verband“), wurde von Pastor Ted Wilson, Präsident der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleiter), beauftragt, die SECC-Delegierten in seinem Namen vor der Wahl einer Frau zur Präsidentin zu warnen. Eine solche Wahl würde „durch die Weltkirche nicht anerkannt“, und die regionale Kirchenleitung in Südostkalifornien sowie deren überregionale PUC-Kirchenleitung würden dadurch in direktem Gegensatz zur Weltkirchenleitung stehen. Eine Frau als Präsidentin einer regionalen Kirchenleitung werde laut Pastor Wilson nicht zum anstehenden Exekutivausschuss der Nordamerikanischen Kirchenleitung („Division“) als Abteilung der Generalkonferenz, in Silver Spring, Maryland/USA, zugelassen noch sei sie stimmberechtigt.

Wegen det aufkommenden Unruhe unter den Delegierten aufgrund der Bekanntgabe der Stellungnahme des Präsidenten der Generalkonferenz habe sich Graham beeilt hinzuzufügen, dass sowohl die Delegierten der übergeordneten PUC-Kirchenleitung, als auch die untergeordneten SECC-Delegierten 2012, die Ordination von Frauen befürwortet hätten. Damals sei beschlossen worden, Pastoren unabhängig ihres Geschlechts zu ordinieren. Auf dieser Grundlage habe der SECC-Nominierungsausschuss in Übereinstimmung mit den Richtlinien und Statuten der regionalen sowie auch der überregionalen Kirchenleitung gehandelt, als er Sandra Roberts zur Wahl als Präsidentin vorgeschlagen habe. Jeder potentielle Konflikt betreffe demnach nur die überregionale Kirchenleitung sowie die Weltkirchenleitung, so Ricardo Graham, und müsse zwischen diesen Kirchenadministrationen gelöst werden.

Delegierte, die gegen die Wahl einer Frau opponiert haben, hätten laut SECC-Mitteilung die Einheit und Übereinstimmung mit der Weltkirche angemahnt, deren Statuten keine Frau als Präsidentin einer Kirchenleitung zuließen.

Sandra Roberts war seit 2004 Exekutivsekretärin (Geschäftsführerin und Vizepräsidentin) der regionalen Kirchenleitung (SECC). Davor arbeitete sie als Lehrerin, Seelsorgerin, Jugendabteilungsleiterin und Pastorin. Sie erhielt 1984 ihren Masterabschluss von der adventistischen Andrews Universität (Michigan/USA) und promovierte 2006 an der Claremont School of Theology (Kalifornien/USA), einer Institution der United Methodist Church. Sandra Roberts löst Pastor Gerald Penick ab, der neun Jahre als SECC-Präsident gedient hatte und seine letzten Berufsjahre als Seelsorger in einer adventistischen Gemeinde leisten möchte.

„Christus wird immer unser Ankerpunkt sein“, betonte Sandra Roberts. Die Nachfolge Jesu dürfe ohne die Angst erfolgen, dass diese Unterschiede die Kirchenmitglieder auseinanderbringen würden. Abschließend versicherte sie den Delegierten, dass sie nicht von oben nach unten leiten werde. Vielmehr wolle sie im Team arbeiten.

Ordinierte Pastorinnen umstritten
Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorin „gesegnet“ werden und damit fast alle Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen. Laut Weltkirchenleitung dürfen aber nur männliche Geistliche ordiniert werden. Nur sie dürften in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung), berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig sei. Während die Ordination von Pastoren weltweit innerhalb der Freikirche Gültigkeit habe, dürften Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehörten, welche die Segnung praktiziere.

Studienkommission zur Ordinationsfrage
Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten hat 2012 eine Studienkommission eingesetzt, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen solle. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sollten die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollten.

Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen sei außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit fast 18 Millionen erwachsen getauften Adventisten leben, umstritten.
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