Brüssel/Belgien, 17.11.2013/APD   Das Schiffsunglück vom 3. Oktober, bei dem mehr als 300 Migranten beim Versuch, die Insel Lampedusa/Italien zu erreichen, ums Leben kamen, sowie das Schicksal von rund 10.000 Menschen, die laut Amnesty International in den letzten zehn Jahren bei der Überquerung des Mittelmeers ertrunken seien, habe das Thema Migration bei der Herbstvollversammlung der römisch-katholischen Bischöfe der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) auf die Agenda gesetzt. Die Plenarsitzung fand vom 13. bis 15. November in Brüssel statt, wie die COMECE mitteilte.

Humanerer Ansatz bei der Migration
Man müsse zwar zwischen regulärer sowie irregulärer Migration unterscheiden und die gesetzlichen Bestimmungen respektieren, heißt es in der COMECE-Medienmitteilung, trotzdem bedürfe es einer größeren Flexibilität und eines Gespürs für die menschlichen Aspekte bei der Migration.

Die rechtlichen Instrumente, die von allen anzuwenden seien, würden von den EU-Mitgliedsstaaten unterschiedlich gehandhabt. Die ans Mittelmeer angrenzenden Staaten hätten das Gefühl, zu große Lasten tragen zu müssen. In einem Brief an die in Brüssel versammelte COMECE hätten die bischöflichen Mitbrüder aus Malta um Solidarität mit ihrem Land gebeten.

Die Bischöfe seien der Ansicht, dass koordinierte Hilfe an die Herkunftsstaaten und die Unterstützung der Transitländer nötig seien, um die Migrationsströme zu bewältigen. Eine zusammenhängendere EU-Migrationspolitik, die sich mit anderen Politikbereichen der Union, wie Handel, Entwicklungshilfe und Außenbeziehungen, abstimme, sei wichtig. Die COMECE bestehe auf einem humaneren Ansatz bei Migration und Asyl und hoffe, zu der Neuordnung der künftigen EU-Innenpolitik ab 2014 beizutragen, heißt es in der Mitteilung.

Menschenhandel ist ein Skandal
In der Europäischen Union gebe es derzeit rund 880.000 Betroffene von Menschenhandel. Viele seien Opfer der Sexindustrie, von Zwangsarbeit oder Organhandel. Moderne Sklaverei wäre eine der Folgen unkontrollierter Migration und sehr lukrativ.

Ein gut funktionierendes Rettungs- und Wiedereingliederungs-Programm der Abteilung „Menschenhandel“ von Scotland Yard sowie der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales sei von den Bischöfen als „best-practice“-Modell bezeichnet worden. Es solle katholischen Einrichtungen, insbesondere unter Einbezug von Ordensschwestern, in anderen EU-Mitgliedsstaaten bekanntgemacht werden.

Eine gastfreundliche Kirche
Die COMECE-Bischöfe wären über die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Migranten in einigen Teilen Europas besorgt. Migranten mit ihren Talenten und kulturellen Prägungen seien eine Chance für Gesellschaft und Pfarrgemeinden. Die Bischöfe wünschten sich, dass Migranten von Pfarrgemeinden in ganz Europa willkommen wären und sie alles tun würden, damit sich diese zu Hause fühlen könnten.
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