Becici/Montenegro, 25.11.2013/APD   Am 18. November hat der Exekutivausschuss der Adventisten in Nord- und Südosteuropa (Trans-European Division – TED) während seiner Jahressitzung in Becici/Montenegro nach einer zweistündigen Diskussion einstimmig eine Empfehlung verabschiedet, die einen „integrativen und geschlechtsneutralen Pastorendienst“ und damit die Ordination von Frauen als Pastorinnen befürwortet, so die TED-Kommunikationsabteilung. Das Bibelstudienkomitee der TED habe zuvor einen 730 Seiten umfassenden Bericht zur „Theologie der Ordination“ präsentiert, der auch Themen, wie biblische Hermeneutik, Begriffsdefinitionen und die Bedeutung der Handauflegung, behandle.

Auf der TED-Website werde der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Weltsynode der Adventisten (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 einer überarbeiten Richtlinie zustimme, die es überregionalen Kirchenleitungen (Verbände/Unionen) nach Zustimmung ihrer Delegiertenversammlungen und der übergeordneten Kirchenleitungen (Divisionen) erlauben würde, in ihrem Gebiet einen „integrativen Pastorendienst zuzulassen, der alle geschlechtlichen Unterschiede aufhebt“.

Die Mitglieder des Bibelstudienkomitees seien „erstaunt“ gewesen, was durch das 19-monatige Studium der biblischen Wurzeln der Ordination ans Tageslicht gekommen sei, sagte Pastor Bertil Wiklander, TED-Präsident und Vorsitzender des Bibelstudienkomitees. „Der Bericht liefert der Kirche gute Gründe, um ihre Praxis zu überdenken und sie vermehrt in Einklang mit der Bibel zu bringen“, so Wiklander.

Laut der adventistischen Kirchenzeitschrift in Australien, „Record“, sei Pastor Wiklander ein vehementer Vertreter der Frauenordination. Trotzdem habe er nach dem Beschluss die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit der Weltkirche und einem Vorgehen im Einklang miteinander betont.

Westlich geprägte Kirchenregionen empfehlen die Frauenordination
Die Kirchenleitungen der Adventisten in Nordamerika (NAD), West- und Südeuropa (EUD), im Südpazifik (SPD) sowie in Nord- und Südosteuropa (TED) hätten während der Jahressitzungen ihrer Exekutivausschüsse im November die Ordination von Frauen zum Pastorendienst einstimmig oder mit überwältigender Mehrheit empfohlen und zur Weiterbearbeitung an die Theologische Studiengruppe zur Ordination (Theology of Ordination Study Committee TOSC) der adventistischen Weltkirchenleitung überwiesen.

Vier Kirchenregionen empfehlen die Frauenordination nicht
Laut der von Gegnern der Frauenordination auf privater Basis publizierten Website (OrdinationTruth.com) haben die Kirchenleitungen der Adventisten in den GUS-Staaten (ESD), im südlichen Afrika (SID), in Südasien, im Pazifikraum (SSD) sowie in West- und Zentralafrika (WAD) eine Empfehlung gegen die geschlechtsneutrale Ordination ausgesprochen.

Jene Kirchenleitungen auf kontinentaler Ebene (Divisionen), welche die Frauenordination ablehnten, seien mitgliedermäßig wesentlich stärker und damit auch mit mehr Delegierten bei der Weltsynode 2015 vertreten, als die Befürworter der Frauenordination, heißt es auf der Website der Gegner.

Laut „Record“ seien die Bibelstudienkomitees der restlichen fünf „Divisionen“ noch dabei, ihre Empfehlungen zur Ordinationsfrage abzufassen.

Theologische Studienkommission auf Weltebene
Die weltweit dreizehn kontinentalen adventistischen Kirchenleitungen sollen die Ergebnisse ihrer Studiengruppen zur Frauenordinationsfrage an die Theologische Studiengruppe zur Ordination (TOSC) der Weltkirchenleitung übermitteln. Acht Divisionen haben das bereits getan. Die Ergebnisse der TOSC sollen im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt werden, der dazu Empfehlungen verabschieden wird, welche der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollen.

Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit fast 18 Millionen erwachsen getauften Adventisten lebten, umstritten.
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