Silver Spring, Maryland/USA, 29.11.2013/APD   Während der ersten Konferenz von weltweit rund hundert Vertretern der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zur Mitgliederbindung wurden vom 18. bis 21. November an deren Hauptsitz in Silver Spring, Maryland/USA, die Gründe diskutiert, weshalb Adventisten weltweit in hoher Zahl die Kirche „durch die Hintertür“ verließen, wie Adventist News Network (ANN) berichtete. Die Weltkirche mit annähernd 18 Millionen Mitgliedern habe laut den Organisatoren in den letzten 50 Jahren mindestens jedes dritte Kirchenmitglied verloren. Seit dem Jahr 2000 hätten weltweit von hundert neuen Mitgliedern 43 die Kirche wieder verlassen. „Diese Zahlen sind entschieden zu hoch“, sagte David Trim, Direktor der Abteilung Archiv, Statistik und Forschung der Weltkirchenleitung. „Aus theologischer Sicht ist dazu festzuhalten, dass Gott die Verlorenen sucht und ihnen nachgeht.“

Die Gründe, weshalb Menschen die Kirche verließen, hätten laut den Forschungsergebnissen eher selten damit zu tun, was die Kirche mache oder lehre, als vielmehr mit persönlichen Problemen wie Ehekonflikten oder Arbeitslosigkeit, sagte Forschungsleiter Monte Sahlin. Die Kirche verschärfe aber die Probleme der Menschen dadurch, dass sie ihnen nicht durch schwierige Lebenserfahrungen hindurch helfe. Es sei entscheidend, die Mitglieder in einer wachsenden Jüngerschaftsbeziehung zu begleiten. Das könne maßgeblich dazu beitragen, den Austritt zu verhindern, so Pastor Sahlin.

Höhere Mitgliederbindung in Europa
In Europa sei das Mitgliederwachstum sehr moderat, die Mitgliederbindung aber hoch, sagte Audrey Andersson, Generalsekretärin (Geschäftsführerin) der Trans-Europäischen Kirchenleitung (TED) mit Sitz in St. Albans/England gegenüber APD. In den letzten dreizehn Jahren gebe es in ihrem Kirchengebiet, das Nord- und Südosteuropa umfasst, zu drei Prozent der Kirchenmitglieder keinen Kontakt mehr, und sechs Prozent seien ausgetreten oder es sei ihnen die Kirchenmitgliedschaft entzogen worden. Um die Mitgliederbindung zu erhöhen, wäre die Betreuung und Begleitung der Kirchenmitglieder unumgänglich.

Großer Mitgliederverlust im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion
In einigen Weltgegenden hätten die Adventisten aus negativen Erfahrungen gelernt, so ANN. Als die Sowjetunion 1991 zusammenbrach, seien von Adventisten im Westen Evangelisationsteams mit extravaganten Methoden finanziert worden, die unter anderem riesige Chöre und Multi-Screen-Präsentationen eingesetzt hätten. Die Trägerorganisationen hätten in diesem Engagement eine einmalige Chance gesehen. Viele Neugetaufte hätten sich aber der Kirche angeschlossen, weil sie sich dadurch Zugang zu persönlichem Wohlstand versprachen. Der adventistischen Kirche habe es an einer langfristigen Strategie und kirchlicher Infrastruktur gefehlt, sodass viele neue Mitglieder in der ehemaligen Sowjetunion die Kirche wieder verlassen hätten.

Trotz geringerer Beitrittsrate stärkeres Mitgliederwachstum in Südafrika
Eine Präsentation aus Südafrika habe laut ANN gezeigt, dass sich die Beitrittsrate neuer Mitglieder verlangsame, die Mitgliederzahl sich aber dennoch deutlich gesteigert habe, was auf die erhöhte Mitgliederbindung zurückzuführen sei. „Wie wäre es, wenn die Kirche einiges von ihrem Evangelisationsbudget für die Betreuung der eigenen Mitglieder verwenden würde“, fragte Harald Wollan, assoziierter Exekutivsekretär der Weltkirchenleitung. „Möglicherweise sähen wir einen ähnlichen Anstieg der Mitgliederzahlen.“

Geschönte Mitgliederzahlen
Warum die regionalen Kirchenleitungen (Vereinigungen) oft unter dem Erwartungsdruck von überregionalen Kirchenleitungen (Unionen/Verbände) stünden, die Mitgliederzahlen zu erhöhen, welche ihrerseits wieder unter dem Druck der kontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) stünden, fragte Jimmy V. Adil, Abgesandter der philippinischen Adventisten, und ob die Weltkirchenleitung das Mitgliederwachstum forciere. Laut ANN habe G. T. Ng, Generalsekretär der Weltkirchenleitung mit einer Gegenfrage geantwortet: „Können wir einen Papaya Baum zu Früchten zwingen?“

David Trim, Direktor der Abteilung Archiv, Statistik und Forschung der adventistischen Weltkirchenleitung, meinte hingegen, dass das Problem geschönter Mitgliederzahlen in einigen Kirchenregionen verbreitet sei. In einer der kontinentalen Kirchenverwaltungen (Division) seien 30 Prozent der örtlichen Gemeindeschreiber gedrängt worden, die Taufzahlen zu schönen. „Bei den Adventisten ist Lügen eine Sünde. Aus irgendeinem Grund denken aber zu viele, dass es hinsichtlich der Mitgliedszahlen in Ordnung sei“, so Trim. Die Überprüfung der Mitgliederzahlen habe in den kontinentalen Kirchenregionen (Divisionen) von Südamerika, Südostasien und Westafrika Priorität.

Die jüngste Teilnehmerin, Cheryl Simpson, Psychologiestudentin an der Andrews University in Berrien Springs, Michigan/USA sagte, dass sie durch die Konferenz ermutigt worden sei. Es zeige ihr, „dass Theologen sich nicht scheuen, den Tatsachen in die Augen zu schauen“.
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