Tilman Jens, „Der Sündenfall des Rechtsstaats. Eine Streitschrift zum neuen Religionskampf. Aus gegebenem Anlass“, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, 128 Seiten, gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-579-06632-5.

Ostfildern, 07.12.2013/APD   In seinem Werk nimmt der Frankfurter Journalist und Buchautor die „Koalition der Frommen“ auf die Schippe, behandelt vor allem die derzeitigen Probleme der drei Weltreligionen und macht sich ernsthafte Gedanken über mögliche Lösungen. Natürlich geht es insbesondere um die Beschneidung von neugeborenen Juden und Muslimen, den vorzeitigen Rücktritt Papst Benedikt XVI. und den Missbrauch von Kindern durch Geistliche sowie die längst versprochene Entschädigung der Opfer. Auch die gesellschaftliche Anerkennung der Homosexuellen und Lesben sowie ihre finanzielle, sprich steuerliche Gleichstellung in zahlreichen Ländern, bereitet dem Schreiber einiges Kopfzerbrechen.

Die Abdankung Ratzingers hält Jens für „unstrittig, eine ungewohnt moderne Entscheidung. Mit einem Schlag schien die heilige Vaterschaft endlich, das Amt von Gottes Stellvertreter auf Erden heilsam entzaubert.“ Benedikts Wirken sei zwar von Menschenfreundlichkeit gekennzeichnet, außer zu Frauen, Homosexuellen, Nichtkatholiken und Opfern sexueller Gewalt!

Weiterhin sei die Beschneidung nach altem Brauch laut dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, unverhandelbar und absolut elementar. Sie gehört konstitutiv zum Glauben dazu. Ohne den Schnitt am Mannesgenital keine jüdische Identität. Der jüdische Historiker Michael Wolffsohn dagegen meint, jüdische Identität bestehe dann, wenn die Mutter eines Neugeborenen Jüdin sei.

Der Autor erinnert außerdem an die drei „Punkladies aus Russland“, die ihre Abneigung gegenüber Putin in einer russischen Kathedrale singend zum Ausdruck brachten und nun in einem Arbeitslager büßen müssen. Auch die kritischen Gedanken über Blasphemie und Antisemitismus von Tilman Jens lohnen zum längeren Verweilen der vorliegenden Lektüre.

Dr. Wolfgang Tulaszewski
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