Antonio Spadaro, SJ, „Das Interview mit Papst Franziskus“, Herder-Verlag, Freiburg, Basel, Wien, 2013, kartoniert, 76 Seiten, 5,00 Euro, ISBN 978-3-451-33488-7.

Ostfildern, 04.01.2014/APD   Im September 2013 gab der neue Papst Franziskus ein über sechsstündiges Interview. Es enthält vielleicht auf den ersten Blick keine großen Offenbarungen. Aber es ist das erste längere Interview mit Papst Franziskus überhaupt. Es zeigt, wie er denkt und reagiert. Er redet frei von der Leber weg, vielleicht nicht so druckreif wie sein Vorgänger, doch spontan und authentisch. „Aber das überzeugt“, so sein Gesprächspartner Antonio Spadaro vom Jesuitenorden, dem der Papst selbst angehört. Der katholische Oberhirte kündigte an, es brauche mehr Barmherzigkeit in der Kirche. Ihm schwebt vor allem eine Kurienreform zur Stärkung der Ortskirchen vor, wobei er dem Autoritatismus eine Absage erteilt. Sein Traum: „Die Diener der Kirche müssen barmherzig sein, sich der Menschen annehmen, sie begleiten – wie der gute Samariter.“ Der Papst wolle den Kardinälen ein Bruder, den ihm begegnenden Menschen ein Hirte und damit ein Pfarrer der ganzen Welt sein.

Nach Antonio Spadaro tut dieser Papst der Kirche und der Welt in ihrer Zerrissenheit gut. Franziskus ist seit 1200 Jahren der erste Nichteuropäer, Lateinamerikaner und Jesuit auf dem Papstthron. Das Gespräch zwischen Papst Franziskus und Antonio Spadero sei laut Publikation ein „Lichtmoment“ in der bisherigen Kirchen- und Papstgeschichte. Für Franziskus gibt es nur eine dienende und lernende Kirche mit einem Papst, der selber lernen will. Das ist neu. Für Spadaro, Chefredakteur von „La Civilta Cattolica, Rom“, ist das Gespräch mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche „ein Vulkanstrom von Ideen, die sich miteinander verknüpfen“. Auf die Frage von Spadaro, was für ein Mensch der Papst eigentlich wäre, antwortet dieser nur „ich bin ein Sünder“.

Dr. Wolfgang Tulaszewski
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