Chris Paul, „Keine Angst vor fremden Tränen!, Trauernden Freunden und Angehörigen begegnen“, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2013, kartoniert, 176 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 978-3-579-07303-3.

Ostfildern, 01.03.2014/APD   Seit vielen Jahren setzt sich die soziale Verhaltenswissenschaftlerin und Leiterin des Trauerinstituts Deutschland in ihren Veröffentlichungen für eine angemessene Begleitung von trauernden Menschen ein. Es beginnt bereits bei der Beileidskarte, die eigene Gefühle, Erinnerungen und gute Wünsche enthalten sollte. Kommentare zum Tod des Betrauernden sind hierbei überflüssig. Der Abschied am offenen Sarg und die Erinnerung an den Toten während des Bestattungsgottesdienstes sind hilfreich. Der Gang zum offenen Grab und der Blick hinein, das Hinunterwerfen von Erde oder einer Blume gehören zu den besonderen Erfahrungen des endgültigen Abschieds. Mitleid hilft nicht, sondern macht klein. Mitgefühl ist dagegen eine gute Alternative, denn es kann mehr als nur bedauern. Es sieht nicht nur die Ohnmacht eines Menschen, sondern auch seine Aktivitäten, um die Situation zu ertragen oder sogar zu verbessern.

Man sollte vermeiden, den andern mit den Worten zu trösten, „endlich loszulassen“, oder „reiß dich zusammen“. Derartige Aufmunterungen lassen keinen Raum für das erlebte Leid. Chris Paul warnt immer wieder vor dem Halbwissen von Trauerprozessen. Wichtig ist es, für den Trauernden einfach da zu sein. Trauerprozesse tun zwar weh, aber sie sind keine Krankheit. Sie brauchen Zeit und sind nicht in einigen Wochen durchgestanden.

Mit Kindern über Tod und Trauer zu sprechen ist nicht nur eine Sache der Worte. Kindern teilt sich vieles über Gesten, Blicke und Handlungen mit. Über Gefühle können sie noch kaum sprechen. Ihr Bedürfnis nach Sicherheit zeigen sie mit jedem Ankuscheln. Daher sollten Kinder nicht allein mit ihrer Verwirrung und ihrem Schmerz gelassen werden. Es gilt Wege der Verständigung zu suchen und Kinder zu ermutigen, ihr eignes Leben zu leben.

Die Autorin widmet auch dem Freitod ein eigenes Kapitel. Sie warnt davor, Selbstmörder Versager zu nennen. „Sei froh, dass du ihn los bist.“ Das ist kein bisschen unterstützend. Die Verhaltensforscherin geht auch auf den Umgang mit Gedenk- und Feiertagen Verstorbener näher ein. Alles in allem ist das Buch hilfreich.

Dr. Wolfgang Tulaszewski
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