Bielefeld, 29.03.2014/APD   „Heilen und Begleiten – Zukunft gestalten“ hieß das Motto des 4. Christlichen Gesundheitskongresses zu dem vom 27. bis 29. März etwa 1.000 Besucher nach Bielefeld kamen. Das Engagement der Christen für Kranke durchziehe die ganze Kirchengeschichte stellten die Veranstalter des Kongresses fest. Jesus, der selbst heilte, habe seinen Jüngern den Auftrag gegeben, das Evangelium zu verkündigen und ebenfalls zu heilen. Erfahrungen von Heilungen seien für die ersten christlichen Gemeinden wichtig gewesen. Später habe das Mönchstum hierbei eine wesentliche Aufgabe übernommen. Heilende Tätigkeit, Krankenpflege und geistlicher Dienst seien als Einheit gesehen und praktiziert worden.

Im späteren Mittelalter hätte es in den Städten diakonische Einrichtungen, wie Armenpflege und Hospitäler, gegeben. Im 19. Jahrhundert sei die Diakonie, besonders durch die häusliche Krankenpflege, wieder stärker ins Blickfeld der kirchlichen Ortsgemeinde gerückt. Die Diakonissen und Ordensschwestern hätten hier unschätzbare Verdienste.

Obwohl Diakonie und Caritas bis heute Träger zahlreicher Einrichtungen im Gesundheitswesen seien, wäre die enge Verbindung von christlichem Glauben und professioneller Pflege zunehmend in den Hintergrund getreten. Im Bereich der Medizin habe es bereits seit dem ausgehenden Mittelalter getrennte Entwicklungen gegeben. Doch seit einigen Jahren sei die Einbeziehung der spirituellen Dimension des Menschen in die Pflege, Therapie und Medizin wieder ein deutlich wahrnehmbares Thema. Deshalb forderten die Veranstalter des 4. Christlichen Gesundheitskongresses in Bielefeld die christlichen Gemeinden auf, „im Zusammenwirken mit professionellen Gesundheitsdiensten einen aktiven Beitrag zu einer christlich-ganzheitlichen Fürsorge für kranke Menschen zu leisten“.

In seinem Vortrag betonte Professor Dr. Gerhard Wegner (Hannover), dass der Glaube bei der Heilung helfe. Der Sozialethiker und Theologe, stellte Alltagsängsten positives Zukunftsvertrauen gegenüber und erklärte, dass der christliche Glaube dazu beitrage, Vertrauen zu stärken und Ängste zu verringern. Gleichzeitig sah er den Glauben „als Ressource, einen Menschen gesund werden zu lassen“.

Wenn Christen von Spiritualität sprechen, verstünden sie allerdings nicht dasselbe wie Buddhisten oder Anthroposophen, betonte Dr. Michael Utsch. Der Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin erläuterte, dass angesichts des zunehmenden Interesses an Spiritualität deutlicher geklärt werden müsse, wie sich christliche Spiritualität von naturreligiöser, esoterischer und humanistische Spiritualität unterscheide.

Zunächst müsse man sich davor hüten, den christlichen Glauben zu einer Technik zu machen mit deren Hilfe man Erfolge erzielen könne. Es ginge nicht um die Kraft positiven Denkens, sondern um ein Vertrauensverhältnis zu Gott. Dafür müsse man aufnahmebereit sein. Doch die dafür hilfreichen Methoden dürften nicht mit dem Inhalt verwechselt werden. Wenn Christen erwarten, vom Geist Gottes berührt zu werden, sei das etwas anderes, als wenn man besondere Bewusstseinszustände suche.

„Esoterische Methoden möchten den Menschen selbst ermächtigen“, meinte Utsch. Das fördere oft ein Leistungsdenken, das der christlichen Botschaft widerspreche, die Gottes Liebe als ein Geschenk verstehe. Glaube setze ein kindliches Vertrauen voraus, das zum Beispiel im Gebet eingeübt werden könne.

Die Teilnehmer des Kongresses kamen aus allen Konfessionen, wobei die Mitglieder evangelischer Landeskirchen (50 Prozent) und Freikirchen (33 Prozent) die Zahl der Katholiken deutlich überstieg. Unter den Berufsgruppen dominierten die Pflegenden (56 Prozent), die Mediziner waren mit 26 Prozent vertreten.
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