Benefizkonzert des Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit Werken aus zwei Jahrhunderten

Berlin, 05.05.2014/APD   Mit stehendem Beifall bedankten sich rund 700 Besucher für das Benefizkonzert des Stabsmusikkorps der Bundeswehr am 4. Mai im „Estrel Convention Center“ in Berlin-Neukölln. Dabei spielten die Musiker 14.000 Euro für genitalverstümmelte Frauen ein, die im „Desert Flower Center Waldfriede“ am Krankenhaus „Waldfriede“, einer Einrichtung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Berlin-Zehlendorf, ganzheitlich behandelt werden.

Unter Leitung von Oberstleutnant Walter Ratzek und Hauptmann Tobias Wunderle präsentierte das symphonische Blasorchester Werke aus zwei Jahrhunderten. Die Ouvertüre „1812“ von Peter Tschaikowski, „Abschied der Slawin“ von Wassili Agapkin und ein Marsch nach Motiven der Oper „Die Hugenotten“ von Giacomo Meyerbeer gehörten genauso dazu, wie das Konzert für Soloposaune und Blasorchester des englischen Komponisten Philip Sparke mit dem Solo-Posaunisten der Berliner Philarmoniker, Olaf Ott. Zudem gab es einen Ausschnitt aus „Porgy & Bess“ von George Gershwin, „The Bandwagon“ von Philip Sparke und Höhepunkte aus den Musicals „Phantom der Oper“, „Starlight Express“, „Elisabeth“ und „Mamma Mia“. Hier begeisterte besonders die temperamentvolle, aus Portugal stammende Sopranistin Leonor Amaral die Zuhörer.

Aufgabe des Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit seinen über 110 Musikern ist, im Rahmen des protokollarischen Ehrendienstes gemeinsam mit dem Wachbataillon des Verteidigungsministeriums alle Staatsgäste der Bundesrepublik Deutschland zu begrüßen. Dabei spielt das Orchester jedes Jahr über 70 verschiedene Nationalhymnen. Einen besonderen Stellenwert haben für die Musiker Benefizkonzerte für karitative Zwecke.

Mit „Desert Flower Center Waldfriede“ ein lebenswertes Leben ermöglichen
Der Berliner Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann (CDU), würdigte die Arbeit des „Desert Flower Center Waldfriede“ als Zeichen der „Solidarität und Menschlichkeit“. Dabei werde Frauen, die Opfer des „weltweiten Verbrechens“ der Genitalverstümmelung geworden seien, ein neues Leben ermöglicht. Er überbrachte auch Grüße der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Schirmherrin des Benefizkonzerts. Auch sie betonte in ihrem schriftlichen Grußwort: „Ich finde es wichtig, dass wir auf die Grausamkeit weiblicher Genitalverstümmelung aufmerksam machen, damit sie eines Tages ein Ende hat. Genauso wichtig finde ich es, dass wir den Opfern helfen, um ihnen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.“

Die Kenianerin Evelyn Brenda, die ehrenamtlich für das „Desert Flower Center Waldfriede“ sowie für die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA arbeitet, machte darauf aufmerksam, dass in ihrem ostafrikanischen Heimatland unter den Massai die Genitalbeschneidung von Mädchen üblich sei. „Ein Mädchen kann dort erst heiraten, wenn es beschnitten ist.“ Diese Vorstellung sei in den Köpfen der Menschen so fest verankert, dass auch in Deutschland die Genitalverstümmelung junger Mädchen praktiziert werde.

Oberärztin Dr. Cornelia Strunz berichtete, dass die wiederherstellende Operation nicht immer das Thema für die Frauen sei, die zu ihr in die Sprechstunde kämen. In vielen Fällen gehe es einfach darum, etwas gegen die Schmerzen zu unternehmen, unter denen die Frauen seit der Beschneidung litten. Jeder Gang zur Toilette, jeder Geschlechtsverkehr könne mit großen Schmerzen verbunden sein. Neben wiederherstellenden Operationen der entfernten Klitoris und Schamlippen konzentriere sich das ärztliche Team auf Narben, Fisteln und Inkontinenz – allesamt Folgen der grausamen Prozedur, an denen die betroffenen Frauen oft ihr Leben lang litten. Operationsbegleitend würden die Patientinnen psychosozial betreut.

Das „Desert Flower Center“ wurde am 11. September 2013 am Krankenhaus „Waldfriede“ in Berlin-Zehlendorf eröffnet. Waris Dirie, Autorin von „Wüstenblume“ und Gründerin der „Desert Flower Foundation“, Wien, weihte das Zentrum mit einer bewegenden Rede ein. Sie war selbst als Kind Opfer der Genitalbeschneidung und kämpft seit 2002 gegen diese Menschenrechtsverletzung.

Ärzte mit Erfahrung – medizinische und psychologische Beratung
Leiter des Zentrums ist Professor Dr. Roland Scherer. Auf die Frage, warum sich gerade „Waldfriede“ für diese Patientinnen einsetze, antwortete er: „Das ergibt sich auch aus der Spezialisierung unseres Hauses auf die Darm- und Beckenbodenchirurgie. Hier gehören wir deutschlandweit zu den Ärzten mit der meisten Erfahrung.“ Seit der Eröffnung seien bereits 13 Frauen operiert worden, etwa 50 hätten sich in der Sprechstunde sowie weitere 70 am Telefon medizinisch und psychologisch beraten lassen. Die Warteliste für weitere Operationen, die einmal monatlich stattfänden, sei inzwischen gut gefüllt. Die Behandlungskosten für nichtversicherte Patientinnen würden aus Spendengeldern des „Fördervereins Krankenhaus Waldfriede“ e.V., der auch das Benefizkonzert veranstaltete, finanziert.

Scherer gab zu bedenken: „Wir können die Verstümmelungen der Frauen nicht vollständig rückgängig machen, aber wir können ihnen Lebensqualität zurückgeben.“ Das Center wolle den Frauen auch bei ihrer Auseinandersetzung mit den Familien helfen, welche die Behandlung nicht unbedingt gutheißen würden und oftmals als Traditionsbruch betrachteten. Auch die Seelsorgerin des Krankenhauses „Waldfriede“, Gabriele Stangl, betonte: „Unsere europäischen Maßstäbe und Wertvorstellungen bringen uns nicht unbedingt weiter, wenn wir verstehen wollen, was Mütter dazu treibt, ihren Mädchen so etwas Furchtbares wie die Beschneidung auf den Weg ins Leben mitzugeben.“ Es gelte, die Frauen darin zu bestärken, dass sie mit ihrem Schritt zur Behandlung etwas sehr Wichtiges für sich und ihre Gesundheit tun würden. „Das Vertrauen zu uns kann sich dann erst beim Kennenlernen entwickeln.“

„Waldfriede“, Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité-Universitätsmedizin Berlin, verfügt mit 160 Betten über die Bereiche Erste Hilfe, Innere Medizin, Anästhesie/Intensivmedizin/Schmerztherapie, Zentrum für Interdisziplinäre Intensivmedizin, Minimal-invasive Chirurgie, Endokrine- und Viszeralchirurgie, Handchirurgie, obere Extremität und Fußchirurgie, Unfallchirurgie, Zentrum für Darm- und Beckenbodenchirurgie, Interdisziplinäres Beckenbodenzentrum, Gynäkologie und Geburtshilfe, Radiologie/Computertomographie, Physiotherapie sowie Gesundzeitzentrum „PrimaVita“. Weitere Leistungen des Krankenhauses sind Ambulante Psychotherapie, Kurzzeitpflege, Sozialstation, Labormedizin, Medical Check Up sowie die Akademie für Gesundheits- und Krankenpflege. Jährlich werden etwa 14.000 Patienten stationär und 47.000 ambulant behandelt.

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