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	<title>APD &#187; Blick zurück</title>
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	<description>Adventistischer Pressedienst</description>
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		<title>100 Jahre adventistische Buchevangelisation in &#214;sterreich: Wie die B&#252;cher laufen lernten</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Sep 2007 08:06:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zentralredaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blick zurück]]></category>

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		<description><![CDATA[In Anlehnung an die waldensischen „Kolporteure“ im 13. Jahrhundert, die pietistischen „Schriftenmissionare“ des 18. sowie die „Buchevangelisten“ der Bibel- und Missionsgesellschaften des 19. Jahrhunderts entwickelten die Siebenten-Tags-Adventisten ihre Buchevangelisation. Interessant ist, dass die Wiege der adventistischen Buchevangelisation nicht in Nordamerika, sondern in Europa stand. Michael Belina Czechowski (1818-1876), ein ehemaliger polnischer Priester, der in Amerika [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Anlehnung an die waldensischen „Kolporteure“ im 13. Jahrhundert, die pietistischen „Schriftenmissionare“ des 18. sowie die „Buchevangelisten“ der Bibel- und Missionsgesellschaften des 19. Jahrhunderts entwickelten die Siebenten-Tags-Adventisten ihre Buchevangelisation. Interessant ist, dass die Wiege der adventistischen Buchevangelisation nicht in Nordamerika, sondern in Europa stand. Michael Belina Czechowski (1818-1876), ein ehemaliger polnischer Priester, der in Amerika Adventist wurde und danach als Missionar nach Europa zur&#252;ckkam, bezeichnete sich selbst als „Buchkolporteur“. Er verkaufte in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine von ihm herausgegebene Missionszeitschrift sowie B&#252;cher, indem er in Norditalien, Frankreich, der Schweiz und dem Elsass Menschen in ihren Heimen aufsuchte. Sp&#228;ter war es der deutsche Missionar Ludwig Richard Conradi, der besonders im deutschsprachigen Raum diese Art von Literaturverbreitung in sein Missionskonzept aufnahm.</p>
<p>So kam schlie&#223;lich 1907 Ferdinand Prauhart als Buchevangelist von S&#252;ddeutschland aus auch nach &#214;sterreich, nachdem die ersten Adventisten dort 1903 getauft worden waren. 1913 berichtete der damalige Pr&#228;sident der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags Adventisten, Arthur G. Daniells, &#252;ber seinen Besuch in &#214;sterreich: „Die Buchevangelisten in &#214;sterreich werden regelm&#228;&#223;ig verfolgt und landen im Gef&#228;ngnis.“ Das zeigt, unter welchen Schwierigkeiten diese Arbeit getan wurde. Eine freie und offene Religionsaus&#252;bung samt Verk&#252;ndigung war dort lange Zeit nicht oder nur sehr eingeschr&#228;nkt m&#246;glich. Trotzdem wuchs die Freikirche, woran die Buchevangelisation entscheidenden Anteil hatte. Ferdinand Prauhart, Rudolf Grabner und Franz Hasel pr&#228;gten die Buchevangelisation als Leiter vor dem Ersten Weltkrieg beziehungsweise in den Jahren danach. Als 1921 in Wien eine Zweigniederlassung des Hamburger Verlagshauses der Adventisten gegr&#252;ndet wurde, begann die Zeit der legaleren Arbeit. Damals gab es etwa 20 Buchevangelisten in &#214;sterreich.</p>
<p>1941 kam es im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung in Europa zur polizeilichen Schlie&#223;ung des Verlages in Wien, wodurch auch die Buchevangelisation f&#252;r einige Jahre nicht mehr m&#246;glich war. Doch 1948 konnte der Verlag unter dem Namen „Rudolf &#220;berbacher Verlag“ (sp&#228;ter „Wegweiser Verlag“, heute „Top Life – Wegweiser Verlag“) wieder offiziell arbeiten, und die Buchevangelisation nahm einen neuen Aufschwung. Die Leiter nach dem Zweiten Weltkrieg waren Ferdinand Stronegger, Erich Riesenfellner, Alfred Jungwirth, Gerhard Sommersguter, Willi Meir-Huber und gegenw&#228;rtig Raimund Fuchs. Seit 1948 wirkten in &#214;sterreich zeitweise bis zu 45 Buchevangelisten. Sie verkauften durchschnittlich 30.000 B&#252;cher und Bibeln im Jahr. Insgesamt wurden seit 1948 rund 1,5 Millionen B&#252;cher verkauft. Etwa zehn Prozent aller Adventisten in &#214;sterreich hatten ihren ersten Kontakt mit der Freikirche durch Buchevangelisten.</p>
<p>In &#214;sterreich gibt es derzeit 3.800 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 49 Gemeinden. Weltweit unterh&#228;lt die Freikirche 65 Verlagsh&#228;user, die in 361 Sprachen christliche Literatur drucken. 40.000 Buchevangelisten haben in den letzten f&#252;nf Jahren in aller Welt etwa 54 Millionen B&#252;cher verkauft.<br />
Dr. Daniel Heinz</p>
<p>(Hinweis der Redaktion: Dr. Daniel Heinz leitet das Historische Archiv der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa mit Sitz in Friedensau bei Magdeburg)<br />
_____________________________________________________________________________<br />
Alle Texte k&#246;nnen kostenlos genutzt werden. Bei Ver&#246;ffentlichung der Texte bitten wir um Quellenangabe „APD“ und um Zusendung eines Belegexemplars.</p>
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		<title>Neuanfang des Theologischen Seminars Friedensau am 1. Juli 1947</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jul 2007 11:29:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zentralredaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blick zurück]]></category>

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		<description><![CDATA[In seinem Buch &#8220;Sternstunden der Menschheit&#8221; zeichnete Stefan Zweig zw&#246;lf historische Geschehnisse auf, von denen die Weltgeschichte nachhaltig beeinflusst wurde. Auch f&#252;r den kleinen von Siebenten-Tags-Adventisten bewohnten Ort Friedensau bei Magdeburg gab es solch eine Sternstunde, als am 1. Juli 1947 das Theologische Seminar wieder er&#246;ffnet werden konnte. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Buch &#8220;Sternstunden der Menschheit&#8221; zeichnete Stefan Zweig zw&#246;lf historische Geschehnisse auf, von denen die Weltgeschichte nachhaltig beeinflusst wurde. Auch f&#252;r den kleinen von Siebenten-Tags-Adventisten bewohnten Ort Friedensau bei Magdeburg gab es solch eine Sternstunde, als am 1. Juli 1947 das Theologische Seminar wieder er&#246;ffnet werden konnte.</p>
<p>In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges hatten sowjetische Kampftruppen auch Friedensau besetzt. Hier befand sich seit 1942 ein von der Deutschen Wehrmacht eingerichtetes Kriegslazarett. Von daher war f&#252;r die Russen Friedensau ein milit&#228;risches Objekt. In den folgenden zwei Jahren blieben die Hauptgeb&#228;ude fest in der Hand der Sowjetarmee, die darin ebenfalls ein Lazarett eingerichtet hatte. Es war von einem hohen Stacheldrahtzaun umz&#228;unt mit einem einzigen Tor, vor dem Tag und Nacht Posten standen. Nur wer dort arbeitete fand Eingang.</p>
<p>In dieser Zeit gab es einen bescheidenen Mann, der es nicht f&#252;r m&#246;glich hielt, etwas Entscheidendes f&#252;r Friedensau bewirken zu k&#246;nnen. Er hie&#223; August Birsgal und war ein Pastor aus Lettland, der w&#228;hrend des Krieges 1940 als Fl&#252;chtling mit seiner Familie in Friedensau untergekommen war. Begegnete er russischen Soldaten oder Offizieren au&#223;erhalb des Sperrg&#252;rtels, rief er ihnen in ihrer Sprache einige freundliche Worte zu. So kam es, dass der sowjetische Kommandant ihn bei Bedarf als Dolmetscher holen lie&#223;. Als August Birsgal h&#246;rte, dass der Sohn dieses Offiziers ernstlich erkrankt war, besorgte er f&#252;r ihn aus dem Westen Antibiotika. All das bewirkte, dass sich das Verh&#228;ltnis des Kommandanten zu Friedensau nachhaltig besserte. Er versprach sogar seine Hilfe f&#252;r eine eventuelle Freigabe Friedensaus. Durch seine Vermittlung konnten Ende 1946 die ersten Kontakte zur Kulturabteilung der Sowjetischen Milit&#228;radministration aufgenommen werden – zun&#228;chst allerdings ohne Ergebnis.</p>
<p>Anfang 1947 kam es dann zu Gespr&#228;chen des Vorstehers der ostdeutschen Adventisten und des Seminarleiters mit dem Leiter der Kulturabteilung, Oberst Tulpanow. August Birsgal dolmetschte geschickt in freier Weise, denn er kannte die russische Mentalit&#228;t. Das bewirkte ein gutes Gespr&#228;chsklima. Nach Aufl&#246;sung des Lazarettes im April 1947 erteilte Oberst Tulpanow bald darauf die schriftliche Genehmigung zur Wiederer&#246;ffnung des Theologischen Seminars, die dann vom Ministerpr&#228;sidenten der provisorischen Verwaltung von Sachsen-Anhalt best&#228;tigt wurde.</p>
<p>Friedensau war die erste und einzige kirchliche Ausbildungsst&#228;tte, die nach dem Krieg in der sowjetischen Besatzungszone wieder er&#246;ffnet wurde. Aus den erst vor wenigen Jahren freigegebenen Geheimdokumenten der Sowjetischen Milit&#228;radministration geht hervor, dass diese Entscheidung den Direktiven der Kirchenpolitik Moskaus f&#252;r die besetzten L&#228;nder widersprach.</p>
<p>Ende Mai 1947 verlie&#223;en die letzten russischen Soldaten Friedensau. Fast das gesamte Inventar wurde mitgenommen. Die Geb&#228;ude befanden sich nach zwei Jahren Besatzung in einem verheerenden Zustand: Fenster teilweise ohne Scheiben, T&#252;rklinken abmontiert, Sanit&#228;ranlagen verstopft, Heizung nicht mehr funktionsf&#228;hig.</p>
<p>In nur wenigen Wochen gelang es, einige R&#228;ume in der Alten Schule, dem heutigen Otto-L&#252;pke-Haus, notd&#252;rftig herzurichten und das allernotwendigste Inventar herbeizuschaffen. In den Aufzeichnungen des Seminarleiters Walter Eberhardt Ende Juni 1947 ist zu lesen: &#8220;Eine notd&#252;rftige Ausr&#252;stungseinrichtung f&#252;r den Seminarbeginn ist vorhanden.&#8221;</p>
<p>So begann am 1. Juli 1947 nach einer kurzen gemeinsamen Andacht der Unterricht mit vier Lehrkr&#228;ften und 18 jungen Leuten; fast alle waren als Soldaten aus Krieg und Gefangenschaft zur&#252;ckgekehrt. Wenige Tage sp&#228;ter wurde die Kapelle, w&#228;hrend der russischen Besatzung ein Kino- und Tanzsaal, wieder f&#252;r gottesdienstliche Zwecke geweiht, nachdem sie notd&#252;rftig hergerichtet worden war.</p>
<p>Die &#228;u&#223;eren Bedingungen zur Wiederaufnahme des Lehrbetriebes waren mehr als k&#252;mmerlich. Als ehemalige Kriegsteilnehmer hatten Lehrkr&#228;fte und Studenten jedoch gelernt, anfangs ohne Lehrb&#252;cher in unbeheizten R&#228;umen und mit hungrigem Magen fertig zu werden.</p>
<p>Die Genehmigung zur Ausbildung von Pastoren unter einem kommunistischen Regime war ein Wunder Gottes, bei dem er sich Menschen bediente, die Mut zu bescheidenen Anf&#228;ngen hatten. Bereits ein Jahr sp&#228;ter erhielt das Theologische Seminar die Erlaubnis, ein einj&#228;hriges Diakonstudium f&#252;r junge Leute aus den Gemeinden anzubieten.</p>
<p>Nach Gr&#252;ndung der DDR 1949 setzten die zust&#228;ndigen Ministerien und Beh&#246;rden in allen Bildungseinrichtungen, auch im kirchlichen Bereich, ihren weltanschaulich politischen Einfluss auf die Lehrpl&#228;ne durch. In Friedensau konnte das mit dem Hinweis auf die Genehmigung durch die sowjetische Milit&#228;radministration stets abgewehrt werden. So gab es am dortigen Theologischen Seminar in vier Jahrzehnten keinerlei Kontrolle bez&#252;glich der Lehrinhalte durch die DDR-Beh&#246;rden. Im Vergleich mit anderen kirchlichen Institutionen hatten die Adventisten mitunter den Eindruck, einen Sonderstatus zu haben.</p>
<p>Der Hinweis auf die Genehmigung durch die sowjetische Milit&#228;rregierung trug auch dazu bei, dass ab 1982 nach entsprechenden Verhandlungen bis zu zwanzig ausl&#228;ndische Studenten, vor allem aus den sozialistischen L&#228;ndern Osteuropas und Afrikas, in Friedensau ein Theologiestudium aufnehmen durften. Nicht wenige von ihnen haben heute leitende Aufgaben in ihren Heimatl&#228;ndern.</p>
<p>Die Genehmigung der sowjetischen Milit&#228;rregierung erwies sich in den vierzig Jahren der DDR als eine einzigartige Weichenstellung. Sie bescherte den Adventisten M&#246;glichkeiten, die anderen Kirchen in dieser Weise nicht gegeben waren. Mehr als 3.200 junge Leute studierten bis zur Wiedervereinigung am Theologischen Seminar, um sich f&#252;r den Dienst als ehrenamtliche Diakone in den Gemeinden oder als Pastoren ausbilden zu lassen.</p>
<p>Das Theologische Seminar Friedensau erlangte unter den kirchlichen Ausbildungsst&#228;tten einen guten Ruf. Die staatliche Anerkennung als Theologische Hochschule im September 1990 w&#228;re ohne die sowjetische Genehmigung kaum denkbar gewesen. Der 1. Juli 1947 erwies sich f&#252;r Friedensau als eine Sternstunde.</p>
<p>Dr. Manfred B&#246;ttcher</p>
<p>(Hinweis der Redaktion: Dr. h. c. Manfred B&#246;ttcher war von 1969 bis 1982 Pr&#228;sident der Siebenten-Tags-Adventisten in der DDR und von 1982 bis 1991 Rektor des Theologischen Seminars Friedensau.)</p>
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