„Liberales Christentum wird nicht lange überleben“

Genf/Schweiz, 18.02.2008/APD Der Russisch-Orthodoxe Bischof Hilarion Alfeyev (42) von Wien und Österreich sowie Vertreter des Moskauer Patriarchats bei den Europäischen Organisationen sagte dem liberalen Christentum den Untergang voraus. „Das liberale Christentum wird nicht lange überleben, und die ‚Politische Korrektheit‘ im christlichen Umfeld ist zum Sterben bestimmt“, erklärte Hilarion vor den Delegierten der Zentralausschuss-Sitzung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf.

„Ich möchte ausdrücklich vor den Gefahren des liberalen Christentums warnen“, so der Bischof, denn dieser theologische Trend spalte seit Jahrzehnten die Christenheit. „Man kann heute nicht mehr von einer christlichen Moral sprechen, weil die Grundsätze ‚traditioneller‘ und ‚liberaler‘ Christen gänzlich verschieden sind und sich der Abgrund zwischen den beiden Flügeln der heutigen Christenheit rapide vergrößert.“

„Wir hören von einigen christlichen Führern“, kritisierte Hilarion, „dass eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau nicht mehr die einzige Option zur Gründung einer christlichen Familie sei, dass es andere Arten von Lebenspaaren geben könne, und dass die Kirche diese alternativen Lebensformen anerkennen und ihnen ihren Segen geben müsse.“

Der orthodoxe Bischof ging in seiner Rede auch auf den Lebensschutz ein. „Wir haben gehört, dass das menschliche Leben ein verhandelbarer Wert ist, so dass es im Mutterleib abgetrieben werden kann“. Angesichts solcher Positionen frage er sich: „Wo bleibt das Christentum? Wo bleibt die prophetische Stimme der Christen in einer konfusen und desorientierten Welt?“

Im Namen des Moskauer Patriarchen bekräftigte Hilarion: „Unsere Mission ist es, zu verkünden, was Christus verkündigt hat, zu lehren, was uns die Apostel gelehrt haben, und weiterzugeben, was unsere Kirchenväter uns weitergegeben haben. Das ist das Zeugnis, welches die Menschen von uns erwarten.“

Der orthodoxe Bischof kritisierte auch die jüngste Wortmeldung des anglikanischen Erzbischofs von Canterbury, Rowan D. Williams, der meinte, man könnte Teile der Scharia in das britische Rechtssystem aufnehmen. Nach Hilarion sei es zu einer „paradoxen Situation“ gekommen, denn „es ist nicht unsere Aufgabe, die Scharia zu verteidigen, alternative Lebensstile und säkulare Werte zu fördern. Unsere Aufgabe ist es, zu verkünden, was Christus verkündigt hat.“
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