Österreich: Jedes vierte Kind in Wien lebt in Armut

Wien/Österreich, 02.09.2010/APD   In der österreichischen Hauptstadt Wien lebt jedes vierte Kind in Armut oder ist zumindest armutsgefährdet, heißt es im soeben erschienenen „1. Wiener Armuts- und Reichtumsbericht, den „Die Grünen Wien – Die Grüne Alternative“ erstellt haben. Demnach sind 91.000 oder 24 Prozent der Kinder in Wien davon betroffen.

Während in der Bundeshauptstadt Wien knapp ein Viertel aller Kinder von Armut betroffen sei, betrage die Gefährdungsquote laut dem mehr als 100-seitigen Werk österreichweit nur 14 Prozent.

Etwa 200.000 Wiener Erwachsene – vorrangig allein erziehende Frauen, Rentnerinnen und Rentner sowie Migranten – seien mit manifester Armut konfrontiert. Arbeitslosigkeit sei eine der Hauptursachen für die Armutsgefährdung.

Obwohl die Zahl der Menschen, die in Armut leben, so eklatant angestiegen sei, komme es im Bereich der Sozialhilfe „lediglich“ zu einer Steigerungsrate im Zeitraum 2005 bis 2009 von 27%. Es sei daher anzunehmen, dass die Sozialhilfe lange nicht alle Menschen erreiche, obwohl sie diese benötigten, so der Armutsbericht.

Nach der von Statistik Austria veröffentlichten Untersuchung zu den Sozialhilfezahlen in Wien, die sich auf das Jahr 2007 bezieht, haben insgesamt 88.629 Menschen in Privathaushalten Sozialhilfe bezogen. Davon hatten 12.366 entweder das gesetzliche Pensionsalter ohne Anspruch auf Leistungen aus der Pensionsversicherung erreicht oder standen auf Grund von Krankheit sowie Betreuungspflichten dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung. Von diesen 12.366 haben 4.856 Personen Richtsatzleistungen bezogen und 7.510 Mietbeihilfen.

Manifeste Armut in Österreich

Von Armut betroffen seien, so die Grünen, österreichweit 6% der Bevölkerung oder 492.000 Menschen. Gleichzeitig erzielten 14% zwar ein Einkommen über der Armutsgefährdungsschwelle, hätten aber einen Teilhabemangel, seien finanziell depriviert, vor allem infolge einer Überschuldung. Rund die Hälfte der österreichischen Haushalte hätten Kreditverbindlichkeiten. Neun Prozent könnten ihre Zahlungen nicht mehr leisten.

Insgesamt erzielten 12,4% der österreichischen Bevölkerung oder 1.018.000 Menschen ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle, seien also entweder armutsgefährdet oder leben in Armut. Im Mittel lägen die Einkommen bei 146 Euro monatlich, das sei eine Armutsgefährdungslücke von 15,3%. Die Einkommen müssten also im Durchschnitt um 146 Euro monatlich oder 15,3% angehoben werden, um über der Armutsgefährdungsschwelle zu liegen.

Dass der erste „Wiener Armuts- und Reichtumsbericht“ im „Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ erscheine sei kein Zufall, schreiben die Herausgeber. Die Grünen sehen in dem Armuts-Report einen wichtigen Beitrag zur Problemschärfung und zur Bekämpfung von Armut.

Der 102 Seiten umfassende Armuts-Bericht der Grünen basiert auf unterschiedlichen Statistiken. Eingeflossen seien Daten des Magistrats der Stadt Wien, von EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) und der UNICEF. Ausgewertet wurden die Zahlenkolonnen von der Partei selbst.

Der 1. Wiener Armuts- und Reichtumsbericht ist im Internet abrufbar unter: http://wien.gruene.at/uploads/ersterwienerarmutsbericht.pdf
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