Advent-Wohlfahrtswerk stellt sich neu auf

Hannover | 26. September 2018 | APD |

In der 120-jährigen Vereinsgeschichte gab es für das Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland immer wieder Satzungsänderungen, um sich inhaltlich und organisatorisch den veränderten gesellschaftlichen und rechtlichen Bedingungen anzupassen. Deshalb wurde nun der Vorstand des AWW mit einer Satzungsänderung von sechs auf zwei Personen reduziert und ein Aufsichtsrat gebildet, dem sechs Personen mit Fachkompetenzen aus sozialwirtschaftlichen, theologischen, betriebswirtschaftlichen sowie juristischen Fachgebieten angehören.

Lothar Scheel (Hannover), bisher Bundesgeschäftsführer des Advent-Wohlfahrtswerkes e.V. in Deutschland, wurde zum geschäftsführenden Vorsitzenden und Johannes Naether (Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten) zum stellvertretenden Vorsitzenden des AWW gewählt. Der neu gebildete Aufsichtsrat besteht aus Werner Dullinger (Vorsitzender des Aufsichtsrates und Präsident des Süddeutschen Verbandes der Adventisten), Dieter Neef (Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates sowie Finanzvorstand des Nord- und Süddeutschen Verbandes), Rolf Müller-Blom (Rechtsanwalt, Hannover) Dennis Meier (Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern), Bernd Quoß (Geschäftsführer im Krankenhaus Waldfriede) und Jens Schulz (Leiter der Gnadauer Anstalten).

Vereinssitz des AWW von Darmstadt nach Hannover verlegt
Wie Lothar Scheel in der Oktoberausgabe der Freikirchenzeitschrift „Adventisten heute“ informierte, sei es unter anderem Aufgabe des Aufsichtsrats über wesentliche strategische Angelegenheiten zu befinden, den Vorstand zu wählen und dessen Arbeit zu überwachen. Zudem habe die Mitgliederversammlung des Vereins die Verlegung des Vereinssitzes von Darmstadt nach Hannover beschlossen, wo sich die Bundesgeschäftsstelle bereits seit den 1990er Jahren als Verwaltungssitz befindet.

Das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Vereinsrecht sei laut Scheel als Zusammenschluss von Personen mit bestimmten gemeinsamen Interessen und Zielen gedacht gewesen. Die bisherige Vereinsstruktur des AWW sei jedoch immer weniger geeignet, den Anforderungen von heute und vor allem den wirtschaftlichen Herausforderungen angemessen gerecht zu werden. So könnten ehrenamtlich arbeitende Vorstände in Vereinen mit mehreren Millionen Euro Umsatz im Jahr der auf ihnen liegenden Verantwortung kaum noch gerecht werden, selbst wenn sie Geschäftsführer mit der Wahrnehmung des „operativen Geschäfts“ beauftragten.

Einrichtungen des AWW
Das AWW e.V. in Deutschland unterhält derzeit fünf Kindertagesstätten in Berlin, Fürth, München, Penzberg und Bad Aibling, eine Heilpädagogische Tagesstätte in Neuburg/Donau, eine Grund- und Oberschule in Oranienburg nördlich von Berlin, eine Einrichtung für wohnungslose Frauen in Leipzig sowie eine Suchtberatungs- und Behandlungsstelle in Chemnitz. Das AWW ist außerdem Gesellschafter folgender Institutionen: Seniorenheime in Friedensau bei Magdeburg, Berlin-Steglitz, Uelzen und Neandertal bei Düsseldorf, Hospiz „Am Stadtwald“ in Uelzen und Hospiz „Friedensberg“ in Lauchhammer (südliches Land Brandenburg) sowie die Suchtklinik „Haus Niedersachsen“ in Oerrel (Niedersachsen).

Nach Angaben von Lothar Scheel seien etwa 700 Personen bundesweit in den verschiedenen sozialen Einrichtungen des AWW beschäftigt. Allein das AWW e.V. als Verein benötige mit seinen etwa 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jährlich etwa 3,5 Millionen Euro. Davon kämen rund 94 Prozent aus öffentlichen Mitteln und etwa sechs Prozent aus Zuwendungen der Freikirche. Die Sammlungen für das AWW in den adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) dienten überwiegend der Finanzierung der sozialen Arbeit in den etwa 100 AWW-Helferkreisen in Deutschland mit ihren Ehrenamtlichen in Suppenküchen, Kleiderkammern, Nachbarschaftsprojekten, Suchtselbsthilfegruppen, Seniorenkreisen, Lernhilfen für Schülerinnen und Schüler, Beratungsstellen, Integrationsprojekten für Geflüchtete und manchem mehr.

Das Advent-Wohlfahrtswerk wurde im August 1897 in Hamburg zunächst als „Christlicher Hilfeverein“ gegründet. Weitere Informationen über die einzelnen Einrichtungen und Gesellschaften des AWW finden sich auf der AWW-Webseite www.aww.info. Das AWW gehört zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Weitere adventistische Sozialeinrichtungen
Neben dem AWW unterhält die Freikirche als weitere Sozialwerke den 1899 entstandenen Deutschen Verein für Gesundheitspflege (DVG) und die 1987 gegründete Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland.

Zum AWW gehört nur ein Teil der sozialen Einrichtungen, welche die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland unterhält. Die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg mit den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie, das Schulzentrum Marienhöhe in Darmstadt mit Grund-, Realschule und Gymnasium sowie acht weitere Grundschulen in Deutschland mit teilweisen Realschulzweigen haben andere Träger. Ebenso beispielsweise das Krankenhaus Waldfriede mit der „Privatklinik Nikolassee“, dem „Seniorenhaus Waldfriede“ und einer Tagesklinik in Berlin, das Seniorenheim „Haus Wittelsbach“ in Bad Aibling, das Behindertenheim „Haus Odenwald“ in Groß-Umstadt bei Darmstadt oder der „Kindergarten Grindelberg“ in Hamburg.


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