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Hochschule Friedensau kooperiert mit Universität Kapstadt

Beide Institutionen konzentrieren sich dabei auf die ethischen Fragen, die der humanitären Arbeit speziell in Afrika zugrunde liegen, so die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Theologischen Hochschule Friedensau. Ziel sei es, herauszufinden, auf welcher Ethik sich humanitäre Interventionen in einer Welt der widersprüchlichen Ethiken stützen sollten und welche Grundsätze religionsunabhängig und international als Grundlagen zu betrachten wären. Das Forschungsprojekt werde im Rahmen einer Kooperation zwischen den beiden Instituten durchgeführt.

Dr. Kwaku Arhin-Sam, Direktor des FIFE, und Dr. Divine Fuh, Direktor von HUMA, leiten und begleiten das Projekt gemeinsam. Teile der auf mehrere Jahre angelegten Zusammenarbeit seien Diskussionen am Runden Tisch, Workshops, Podcasts, Videoclips/Videocasts, politische Kommentare, öffentliche Beteiligung und wissenschaftliche Publikationen. Das Forschungsvorhaben werde Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger sowie verschiedene Akteure und Interessenvertreter aus dem humanitären Bereich einbeziehen.

Hochschule Friedensau und Institut
Die Theologische Hochschule Friedensau ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Hier können acht B.A.- und M.A.-Studiengänge – zum Teil berufsbegleitend – in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie sowie ein Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ belegt werden. 38 Nationen sind unter den rund 200 Studierenden vertreten. Informationen unter www.thh-friedensau.de/.

Das Friedensauer Institut für Evaluation (FIFE) ist ein selbstverwaltetes, wissenschaftliches Forschungsinstitut, das Evaluierungen zur Leistungsfähigkeit von Entwicklungsmaßnahmen durchführt. Das Institut entstand aus der Notwendigkeit einer wissenschaftsbasierten, wirkungsorientierten Analyse und Effizienzkontrolle der Praktiken von Entwicklungszusammenarbeit, humanitärer Hilfe und gemeinnütziger Projekte, die sich aus unterschiedlichen theoretischen Modellen, Paradigmen und Arbeitsansätzen ergeben.




Forschungsprojekt: „Adventistisches Martyrologium“ in der Stalinzeit

Angeregt wurde das Projekt schon in den frühen 1990er Jahren von Professorin Tatjana Pavlova von der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAN, Moskau), einer engagierten orthodoxen Wissenschaftlerin, die für Daniel Heinz als Mitglied ihres Arbeitskreises die Kontakte zu den Behörden und Archiven herstellte, schreibt Andrea Cramer in „Unser Friedensau“, dem Mitteilungsblatt der Hochschule.

Schwierige Arbeit in den russischen Archiven
„Die Arbeit gestaltet sich schwierig, da die staatlichen russischen Archive, insbesondere die Sicherheitsdienste, wie der FSB, früher KGB, bis heute eine restriktive Politik in der Freigabe archivarischer Quellen verfolgen. Der russischen Menschenrechtsorganisation ‚Memorial‘ ist es mittlerweile jedoch durch akribische Recherchen in den Archiven gelungen, elektronische Listen von mehr als vier Millionen Opfern der Stalin-Diktatur zusammenzustellen. Die Zahl der Menschen, die nach 1937 bei den sogenannten ‚Säuberungen‘ unter Stalin getötet wurden, wird auf 12,5 Millionen geschätzt“, so Daniel Heinz über das Projekt.

Unter den Opfern über 4.000 Adventisten

Jetzt bemühe sich das Forscherteam, durch Abgleich von frühen Mitgliederlisten sowjetischer adventistischer Kirchengemeinden, sofern sie noch vorhanden seien, mit den von „Memorial“ angeführten Repressionslisten adventistische GuLag-Opfer zu identifizieren. Mehr als 4.000 Adventisten einschließlich noch nicht getaufter Jugendlicher, etwa ein Drittel der gesamten Mitgliederzahl der Adventisten in der ehemaligen Sowjetunion, hätten ihr Leben durch Unterdrückung und Verfolgung verloren.

Daniel Heinz habe mehrfach Archive in den Verbannungsgebieten aufgesucht, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, berichtet Andrea Cramer. Ziel des langjährigen Forschungsprojektes sei die Erstellung eines Martyrologiums, das die Namen der ermordeten und verschollenen Adventisten, darunter viele russlanddeutscher Herkunft, anführt und so auf ihr Schicksal aufmerksam macht. Deren Leidensgeschichte, sofern sie sich meistens ohnehin nur fragmentarisch und punktuell rekonstruieren lasse, soll ebenfalls Erwähnung finden. Auch die Errichtung einer Gedenktafel zur Erinnerung an die adventistischen Blutzeugen wäre an einer geeigneten Stelle geplant.

Auch Friedensauer Absolventen unter den Opfern
Ein erster Schritt zur Erstellung des Martyrologiums sei bereits mit der Veröffentlichung des Werkes von Dr. Hans-Christian Diedrich „Wohin sollen wir gehen …? Der Weg der Christen durch die sowjetische Religionsverfolgung“ (Erlangen 2007) getan, mit dem Daniel Heinz viele Jahre eng kooperierte. Auch ehemalige Friedensauer Absolventen, wie Jakob Kraus, Jakob Reimer und Amalia Löbsack, die in den 1930er Jahren wichtige Leitungsaufgaben der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Sowjetunion übernahmen, zählten zu den Opfern.