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Nach 10 Jahren Krieg in Syrien zwei Drittel weniger Christen

Im Frühjahr 2011, im Zuge des Arabischen Frühlings, führten regierungsfeindliche politische Demonstranten und deren versuchte Unterdrückung durch den Staat zu einem bewaffneten Konflikt, der Hunderttausende von Menschenleben kostete und Millionen Syrer vertrieb. Vor Beginn des Konflikts zählte die Bevölkerung Syriens 23 Millionen, davon waren acht Prozent oder zwei Millionen Christen.

Ein 30-jähriger Einwohner von Aleppo und lokaler Partner von Open Doors berichtet von den massiven Auswirkungen des Kriegs: „Innerhalb einer Woche wurde unser Leben auf den Kopf gestellt. Von einem Tag auf den anderen wurden die Kontrollpunkte von den Rebellen übernommen, dann gab es Angriffe und die Leute gingen in großen Zahlen weg. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet, und die Kirchen in der Stadt auch nicht.“

Bevölkerungsverschiebungen verursachen Probleme zwischen Muslimen und Christen
Der lokale OD-Partner schildert die schwierigen Lebensbedingungen: Zwei Stunden Strom am Tag, bis zu fünf Stunden Wartezeit, um Brot zu kaufen, eine grassierende Inflation, die Miete sei höher als das Durchschnittsgehalt und der Benzinmangel lähme das Land. So hätten auch die Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften zugenommen, weil die Muslime und Christen früher je in abgegrenzten Stadtvierteln voneinander gelebt hätten. Jetzt seien sie oft Nachbarn, was aufgrund der unterschiedlichen Lebensweisen zu Problemen führe.

Massive Vertreibung und Ausdünnung der christlichen Gemeinden
Während sich der bewaffnete Konflikt in Syrien heute im Wesentlichen auf die nordöstlichen und nordwestlichen Regionen des Landes beschränkt, ziehen laut OD die Kirchen Bilanz. Von zwei Millionen sei die christliche Minderheit auf 600.000 Gläubige geschrumpft. Jede Familie habe eines ihrer Mitglieder verloren, sagt der lokale OD-Partner in Aleppo. „Der Krieg hat den versteckten Hass zwischen Christen und Muslimen zum Vorschein gebracht. Nachbarn sind zu Feinden geworden, und in einigen Gebieten, wie zum Beispiel Raqqa, stirbt die gesamte christliche Präsenz aus.“

Die soziale Rolle der Kirchen im Konflikt

Der Krieg habe es den Kirchen ermöglicht, ihren Dienst an der Gesellschaft auszuweiten. „Plötzlich waren sie in der Lage, eine führende soziale Rolle wahrzunehmen, Lebensmittel, Decken und Kleidung an Bedürftige zu verteilen, Unterkünfte zu vermitteln oder Menschen an einen sichereren Ort zu bringen.“ Laut OD seien die Kirchen von internationalen Organisationen als sichere Partner anerkannt worden, und konnten in einem Kontext, in dem der radikale Islamismus auf dem Vormarsch ist, eine Rolle der Moderation übernommen.

Dem Exil widerstehen, bevor man an den Wiederaufbau denkt

„Die internationalen Sanktionen, die auf unserem Land lasten, treffen die Bevölkerung hart.“ Früher wären die Menschen vor Raketenbeschuss geflüchtet, heute würden die Sanktionen knechten, so der OD-Partner in Aleppo, der über die Aufforderungen zum Wiederaufbau seines Landes lächelt: „Uns wird gesagt, dass wir unser Land wieder aufbauen müssen. Aber so wie die Dinge stehen, müssen wir zuerst einfach dafür sorgen, dass die Vertreibung von Menschen meiner Generation eingedämmt wird. Als Christ bin ich überzeugt, dass mein Platz in Aleppo ist, um anderen Christen zu helfen, Hoffnung zu schöpfen. Die Rolle der Kirche ist es, Salz und Licht inmitten dieser langen Nacht zu sein.“

Informationen zu Open Doors: https://www.opendoors.de




Krawalle in Stuttgart: Adventistischer Kirchenpräsident äußert Bestürzung

„Es gibt keine Rechtfertigung für diese mutwillige Zerstörung von Eigentum und die Gefährdung von Menschenleben. Wir sehen darin einen Angriff auf unsere Werte und Kultur“, so Kirchenpräsident Hartwich. „Als Bürger eines freien Landes haben wir andere Möglichkeiten, unsere Auffassung oder Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen.“

Die Geschichte habe gezeigt, dass Hass und Gewalt eine Gesellschaft nur noch mehr ins Chaos stürzten, so Hartwich weiter. Aus diesem Grund orientiere sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten am Vorbild von Jesus Christus, der sich für Nächstenliebe und Gewaltfreiheit einsetze. Ganz praktisch biete die Freikirche durch ihren Kinder- und Jugendverband „Adventjugend“ positive Maßnahmen für Kinder und Jugendliche an. Neben dem pädagogischen Konzept der Wertevermittlung werde dort Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit ermöglicht, soziale Angebote mit Gleichaltrigen wahrzunehmen, um das Miteinander zu stär-ken.

Adventisten in Baden-Württemberg
Zur regionalen Kirchenleitung in Baden-Württemberg (Baden-Württembergische Vereinigung) gehören 6.389 mündig getaufte Mitglieder, die am Samstag (Sabbat) in 86 Kirchengemeinden Gottesdienste besuchen (Stand 31.12.2019). Die Freikirche betreibt dort auch mehrere Schulen. Weitere Informationen: https://bw.adventisten.de.




Adventistischer Weltkirchenleiter: „Zeit für Mitgefühl und Heilung“

Gott sei ein Gott der Gerechtigkeit, der alles sehe und wisse. „Wir vertrauen darauf“, schreibt Wilson, „dass er sein Wort erfüllt, wenn er sagt: ‘Die Rache ist mein, ich will vergelten’“ (Röm 12,19).

Er habe im Namen der weltweiten Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Kondolenzbriefe an die Familien der Opfer geschrieben, in denen er „unsere Trauer über den tragischen Verlust ihrer Angehörigen zum Ausdruck gebracht“ habe. Gleichzeitig habe er darin unmissverständlich klar gemacht, dass Adventisten entschieden zu den biblischen Prinzipien stünden, die sich gegen Hass, Wut, Rassismus, Fanatismus, Verdächtigungen und Vorurteile richteten. Er habe den Opferfamilien Unterstützung und Ermutigung durch seine Kirche angeboten und ihnen als kleines sichtbares Zeichen des Mitgefühls einen Fruchtkorb durch die adventistische Oakwood Universität zukommen lassen.

Wilson ermutigte die Adventisten sich in gleicher Weise anderen Menschen zuzuwenden und ihnen in praktischer Weise Frieden, Trost und Hoffnung zu bringen sowie Mut zuzusprechen. Jesus Christus sei der einzige, der die Herzen der Menschen verändern könne im Sinne dessen, was die Bibel als die „Frucht des Geistes“ bezeichne: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22.23).

Wilson schloss seine Ausführungen mit dem Wunsch nach Gottes Leitung „wenn wir denen dienen, die jetzt Hoffnung und Heilung brauchen“.




Nordamerikanische Adventisten reagieren auf jüngste Todesfälle und Rassenunruhen

In der Erklärung geht die Kirchenleitung auch auf andere Ereignisse der jüngsten Zeit ein, die deutlich dokumentierten, dass die Rassentrennung die Lebensqualität so vieler Menschen und das Gefüge der demokratischen Gesellschaft zerstöre. Mauern der Trennung, die dazu dienten, die wesentlichen Rechte der Menschenwürde, des Selbstwertes und der Freiheit zu zerstören, seien errichtet worden. Diese Rechte seien aber erforderlich, damit alle Amerikaner in ihrem lokalen Umfeld leben und sich entfalten könnten. Einige von ihnen, denen der Schutz aller Mitglieder der Gesellschaft anvertraut wurde, hätten ihren feierlich geschworenen Eid gebrochen, anderen zu dienen, insbesondere den Bedürftigen. Amerikaner sollten wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit in der Öffentlichkeit niemals in Angst leben müssen. „Wir können und müssen es besser machen.“

Die transnationale Kirchenleitung der NAD fordere daher alle Kirchenmitglieder eindringlich auf, im Gebet darüber nachzudenken, wie sie mit ihren Mitbürgern umgehen. Sie bittet, gegen Ungerechtigkeit und Hass aufzustehen, so wie es Jesus tat, als er auf dieser Erde war. Weiter heißt es: „Wir können für diejenigen, die an den Rand gedrängt und von anderen verraten werden, etwas bewirken, und wir müssen den Stimmen der Opfer von Hass und Rassismus ein Forum bieten. Unsere Taten können lauter sprechen als Worte. Wir können mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, wie wir andere behandeln.“ Die NAD-Verantwortlichen fordern gleiche und faire Behandlung aller Bürger. Adventisten seien eine Glaubensgemeinschaft mit der größten ethnischen Vielfalt in den Vereinigten Staaten und repräsentierten fast jede Region in diesem Land. Ihre Stimmen müssten gehört werden und dazu beitragen, die zerrissene Gesellschaft mit der Liebe und der Hingabe Jesu zu heilen.

Die NAD verantwortet den Kirchenbereich der Adventisten für die Region USA, Kanada sowie Guam und Mikronesien. Zuvor hatte bereits die regionale Kirchenleitung für Colorado, Iowa, Kansas, Minnesota, Missouri und Nebraska (Central States Conference) erklärt, dass sie alle gewaltlosen Proteste, Boykotte und jeglichen öffentlichen Druck unterstütze, die notwendig seien, um „Gerechtigkeit für George Floyd zu erreichen“. Die Leitung, die vornehmlich für farbige Kirchenmitglieder in ihren Bundesstaaten Verantwortung trägt, nimmt Bezug auf die Erzählung Jesu vom barmherzigen Samariter, in der ein Priester und ein Schriftgelehrter wegschauen und einem verletzten Mann nicht geholfen haben und folgert: Wir werden „nicht die Augen vor dem Unrecht verschließen, das unserem farbigen Volk permanent angetan wird“.