1

Adventisten trauern um langjährigen Kirchenleiter Reinhard Rupp

Reinhard Rupp wurde 1934 in Pforzheim geboren und wuchs in einer großen gläubigen Familie auf. Nach seinem Schulabschluss erlernte er einen kaufmännischen Beruf. Sein Chef schätzte ihn so sehr, dass er Reinhard bei seinem anschließenden Theologiestudium auf dem Seminar Marienhöhe bei Darmstadt finanziell unterstützte.

Pastor Rupp lebte seinen Glauben zeitlebens authentisch und treu, verbunden mit einer verbindlichen Ethik und einem hohen Respekt vor allen Menschen. Seinen Dienst begann Rupp 1957 in Bayern, bis er 1962 als stellvertretender Leiter (Sekretär) in die damalige regionale Kirchenleitung für Südbayern gerufen wurde. 1966 wechselte er in gleicher Position in die überregionale Kirchenleitung für Süddeutschland. 1976 folgte er einem Ruf als Geschäftsführer in den Saatkorn-Verlag nach Hamburg, den er 16 Jahre lang führte. Ab 1991 übernahm er dann die Führung der überregionalen Kirchenleitung für Westdeutschland (Westdeutscher Verband). 2002 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Bei all diesen Stationen ergänzten sich kaufmännische Kompetenz mit Theologie und missionarischem Engagement.

Den meisten bleibt Reinhard Rupp als Leiter der Freikirche in Erinnerung. Diese Aufgabe füllte er umfassend aus, weil er zunächst ein Menschenfreund und Seelsorger war, der einem immer auf Augenhöhe begegnete. Kirche war für ihn zuerst ein lebendiger Leib, dynamisch und vielfältig, durch Menschen mit unterschiedlichen Gaben reich beschenkt. Daraus resultierte ein verbindlich partnerschaftliches Führen mit dem Einsatz für Toleranz und Vielfalt. Sein Glaubensfundament, aber auch die Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit formten eine hilfsbereite und einfühlsame Persönlichkeit, die sich für Gleichberechtigung engagierte und vor Antisemitismus mahnte.

Tatkraft und ein visionärer Blick zeichneten ihn aus, das Möglichkeitsdenken in Kombination mit den Chancen, die das Leben bereithält, wenn man sich Gott anvertraut. Der ehemalige Chefredakteur der adventistischen Kirchenzeitschrift Adventist Review, William Johnsson, nannte ihn bei einem Deutschlandbesuch einen Visionär (silver-haired visionary). Im April 1992 vereinigten sich die bisherigen Kirchenleitungen des Westdeutschen und des Ostdeutschen Verbandes zu einem Norddeutschen Verband (NDV). „Dass diese Vereinigung gelungen ist“, so der damalige Leiter der ostdeutschen Adventisten, Lothar Reiche, „verdanken wir wesentlich auch Reinhard Rupp“. Obwohl er nie in der DDR gelebt habe, hätte er die Menschen im Osten Deutschlands sehr gut verstanden und den Kirchengemeinden durch seine gütige, väterliche Art sehr geholfen.

Menschen zusammenführen und Vorurteile überwinden verstand Reinhard Rupp als geistlichen Auftrag, dem er sein ganzes Leben widmete. Bei ihm ergänzten sich Fleiß, Disziplin und gestalterische Kraft mit einer wertschätzenden, liebevollen Zuwendung zu Menschen. Dies entsprang aus seiner sehr innigen und tiefen Beziehung zu seinem Gott. Er lebte Toleranz und Respekt im innerkirchlichen Diskurs und forderte dies auch von seinem Gegenüber. Hier zeigte sich sein ebenfalls progressives Profil, mit dem er die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Dialog um den ACK Gaststatus gesellschaftlich neu verortete. In dieser Zeit gab es auch Leiden an der Kirche, doch Reinhard Rupp wusste, dass Veränderungsprozesse Kennzeichen geistlichen Lebens sind und schmerzhaft sein können. Unverändert richtete er in dieser Zeit den Fokus auf neue missionarische Möglichkeiten. Er setzte sich für live gesendete Missionsformate ein und setzte dabei ebenso beharrlich auf neue Medien. Die nachrückende Generation unterstützte er beim G`Camp und der Etablierung von Gemeindegründungskonzepten. Diese Impulse ließen Mission in den Gemeinden aufleben, ein Herzensanliegen von Reinhard Rupp, der bis ins hohe Alter in Bibelgesprächen Menschen zur Taufe führte.

Reinhard Rupp hinterlässt seine Frau Margrit, mit der er 60 Jahre verheiratet war. Beide wurden gesegnet und beschenkt von ihren drei Töchtern, den Schwiegersöhnen und Enkeltöchtern.

NDV-Präsident Pastor Johannes Naether erinnert in seinem Nachruf auf den Verstorbenen an das Versprechen Jesu, wiederzukommen. In diesem Versprechen verdichte sich die Sehnsucht nach einem neuen, himmlischen Zuhause. Diese Heimat sei für Reinhard Rupp eine felsenfeste Realität im Glauben gewesen. Für sein gesamtes Wirken und seine gelebte Zuversicht sprach er im Namen der Freikirche seinen aufrichtigen Dank aus.




Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt - Ein Kommentar

Ist die Religionsfreiheit in Gefahr?
Ist mit dieser Entscheidung die Religionsfreiheit bedroht? Darf man nun nicht mehr frei sagen, was man glaubt und was die Bibel sagt? Der Fall erinnert an die Verurteilung des Pfingstpastors Åke Green im Jahr 2004 in Schweden, die dann in den höheren Instanzen mit Rücksicht auf die Religionsfreiheit aufgehoben wurde. Welche Wellen wird der Fall Latzel in Deutschland schlagen? Zunächst muss festgehalten werden, dass eine Verurteilung wegen Volksverhetzung voraussetzt, dass eine gruppenbezogene Aufstachelung zum Hass vorliegt, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Latzel hatte nach den Feststellungen des Amtsgerichts von einer „teuflischen Homo-Lobby“ gesprochen und von „Verbrechern vom Christopher Street Day“, die überall herumliefen. Nach Einschätzung des Gerichts hatte er damit eine Stimmungsmache betrieben, die als Lizenz zum Handeln gegen diese Menschen verstanden werden könnte. Eine Rolle spielte für die Richterin auch, ein Zeichen gegen das zunehmend rauer werdende Klima in der Gesellschaft zu setzen.

Es bleibt abzuwarten, ob das Urteil rechtskräftig wird. Es handelt sich um eine sogenannte Hate-Speech-Situation, die in vielen Rechtsordnungen geregelt und mit Sanktionen belegt ist. Es ist nicht einfach, derartige Fälle von Äußerungen abzugrenzen, die sich im Rahmen der Meinungs- und Religionsfreiheit bewegen und durch diese Grundrechte geschützt sind. Eine Grenzüberschreitung ist aber sicher gegeben, wenn Anstachelung zum Hass (Incitement to Hatred) vorliegt, wie es auch die deutsche Regelung des § 130 StGB vorsieht. Das ist gut so.

Klarer Standpunkt vs. Diffamierung
Es ist nicht dasselbe, ob ein klarer Standpunkt vertreten wird, auch wenn er nicht der Mehrheitsmeinung entspricht, oder ob diffamierend eine Gruppe von Menschen mit Verbrechern gleichgesetzt wird. Wichtig ist, dass sich in der rechtlichen Bewertung von Äußerungen die Grenze zukünftig nicht stärker zu Lasten der Religions-und Meinungsäußerungsfreiheit verschiebt. Hier gilt es, wachsam zu sein. Religiöse Meinungsäußerungen dürfen keineswegs deswegen eingeschränkt werden, weil sie nicht dem vermeintlichen Zeitgeist folgen.