1

Adventisten in der Ukraine leiden, hoffen, helfen und beten

Der am 24. Februar von Russland begonnene Angriffskrieg auf die Ukraine hat laut „statista“ bis Anfang Mai zu 5,5 Millionen Geflüchteten in andere Länder und laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zu 7,7 Millionen Binnenflüchtlingen geführt. Das sei die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

„Ein Drittel der Adventisten wurde vertrieben oder ist geflüchtet“

Maksym Krupskyi, Direktor der Hope Media Group, dem Medienzentrum der Adventisten in der Ukraine sowie der Abteilung für öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der adventistischen Kirchenleitung in der Ukraine, wies auf die Auswirkungen des Krieges hin. „Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber ich gehe davon aus, dass mehr als 30 Prozent unserer Kirchenmitglieder Vertriebene oder Flüchtlinge sind.“ Bei einer Gesamtmitgliederzahl von 43.307 bedeutet dies, dass etwa 13.000 ukrainische Adventisten ihre Heimat verloren haben oder gezwungen sind, sie zu verlassen.

In vom russischen Militär besetzten Gebieten ist die Versorgungslage prekär

„Die Menschen, die in Gebieten leben, in denen keine militärischen Auseinandersetzungen stattfinden, kommen bislang gut zurecht“, sagte Nosov. Die Situation in den besetzten Gebieten sei jedoch anders. „Den Kirchenmitgliedern dort gehen die Lebensmittel, das Wasser und die Möglichkeiten, zu heizen, aus. Es ist eine humanitäre Krise“, so der Kirchenleiter.

Zerstörte adventistische Kirchengebäude, andere dienen Obdachlosen

Einige Kirchengebäude seien zerstört worden. Unbeschädigte Gebäude dienten als Unterkünfte für Obdachlose.

Alle adventistischen Schulen sind geschlossen – sie bieten online Unterricht an

Von den 40 Schulgebäuden, die der adventistischen Kirche in der Ukraine gehören, seien zwischenzeitlich alle geschlossen und der Unterricht werde online angeboten. Das Ukrainian Adventist Center of Higher Education (UACHE) in Butscha habe nur geringe Schäden erlitten und sei ebenfalls geschlossen. Studierende und Mitarbeitende seien rechtzeitig evakuiert worden. Ein Teil von ihnen ist auf dem Campus der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg untergebracht.

Nothilfe und Evakuierungen

Die adventistische Kirche sei damit beschäftigt, sowohl ihren Mitgliedern als auch der Gesellschaft zu dienen. „Pastoren und Leiter helfen bei der Evakuierung von Menschen aus den Kampfgebieten“, berichtet Nosov. „Sie stellen Unterkünfte, Medikamente, Lebensmittel, Informationen zur Verfügung und beten für sie.“ (Siehe auch die APD-Meldung https://www.apd.info/2022/04/14/adventistische-kirche-in-der-ukraine-organisiert-evakuierungen/)

Neue Dienstroutine für Pastoren

80 Prozent der adventistischen Pastoren seien noch im Land. Krupskyi beschrieb die neue Dienstroutine der adventistischen Pastoren: „Unsere Partner und Freunde liefern Hilfsgüter in die westlichen Regionen des Landes. Von dort aus bringen die Pastoren die Hilfsgüter in kleinen Autokonvois in die umkämpften Gebiete und evakuieren die Menschen auf dem Rückweg aus diesen Gebieten.“

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Hope Media Ukraine und dem Büro der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) in Rumänien erhalten die Binnenvertriebenen außerdem Hygieneartikel, Lebensmittel, Wasser, Kleidung und Medikamente.

Menschen fragen nach Gott

„In der Dunkelheit von Tod und Zerstörung suchen die Menschen Gott“, sagte Nosov. „Sie fragen nicht, warum Gott diesen Krieg zulässt, sondern suchen die Verbindung zu ihm.“ Überraschenderweise nimmt die Zahl der Kirchenbesucher zu. „Es sind jetzt mehr Menschen in unseren Kirchen als früher. Die Kirchengemeinden, deren Gebäude nicht beschädigt oder zerstört wurden, arbeiten normal weiter und bieten Gottesdienste für eine wachsende Zahl an Menschen an.“

„Hope Channel Ukraine, das adventistische Fernsehen, sendet von Montag bis Freitag um 11:00 und 18:00 Uhr, am Samstag um 11:00 Uhr und am Sonntag um 18:00 Uhr und macht trotz der Herausforderungen weiter“, so Krupskyi. (Siehe auch APD-Meldung https://www.apd.info/2022/04/01/ukraine-menschen-suchen-schutz-und-hoffnung-in-kirchen/)

Trotz allem Grund zur Hoffnung

„Wir wissen nicht, was als nächstes passieren wird. Alles liegt in Gottes Hand. Aber wir wissen, dass seine Hände uns gesegnet haben, und das gibt uns Grund zur Hoffnung“, so Kirchenleiter Stanislav Nosov. Er danke Gott für dessen Barmherzigkeit inmitten der Tragödie.




Micha-Deutschland: G7 Impfstoff-Spenden verschleiern weltweite Impf-Ungerechtigkeit

Globale Solidarität – die Basis des christlichen Wertesystems
Die Covid-19 Pandemie betreffe alle Menschen und nur globale Solidarität, die Basis des christlichen Wertesystems, und der Zugang zu Impfstoffen für alle und der Ausbau von Produktionsmöglichkeiten, werde den Weg aus der Pandemie weisen. „Niemand ist sicher, solange nicht alle sicher sind“ warne Tedros, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), seit Monaten.

Der Gerechtigkeit verpflichtet
Gleichzeitig seien der Micha e.V. und die der Initiative angeschlossenen Organisationen dem biblischen Gerechtigkeitsbegriff verpflichtet. Corona habe wie durch ein Brennglas, Ungleichheiten in der Welt verstärkt. Wir verzeichneten nicht nur mehr als 3 Millionen Tote, sondern eine massive Zunahme an Armut und Hunger. Die in ärmeren Ländern schleppend anlaufenden Impfkampagnen und der ungleiche Wettbewerb um die verfügbaren Impfdosen zeigten deutlich, dass wir von dem angestrebten Ziel der weltweiten Bekämpfung von Covid-19, weit entfernt sind.

Das habe für alle schwerwiegende Folgen. Die steigende Zahl der Covid19 – Mutationen, gefährde das Leben aller Menschen und bedrohe die Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe. „Um die Corona-Pandemie einzudämmen, brauchen wir Impfstoff für alle“ so Dr. Gisela Schneider (Direktorin vom Deutschen Institut für Ärztliche Mission e.V., Mitglied des Micha-Arbeitskreises und Vorstand von Micha Deutschland e.V.). „Dabei geht es darum, nicht nur Impfstoffe zu verschenken, sondern lokale Kapazitäten für eine lokale Impfstoffproduktion zügig aufzubauen, um alle Menschen zu schützen. Dazu müssen die Rechte des geistigen Eigentums eingeschränkt und ein Transfer von Technologie und Know-how gefördert werden“, so die Medizinerin. Schon einmal hätten wir das erreicht, beim Zugang zu HIV-Medikamenten und gezeigt, dass es nicht Spenden sind, die nachhaltig ändern, sondern Aufbau von Produktionskapazitäten, damals in Indien.

Statt Schweigen ein Aufruf an die Bundesregierung
Die global engagierten christliche Werke und Christinnen und Christen könnten zu dieser Ungerechtigkeit nicht schweigen: Die reichen Länder hätten sich über 80% der verfügbaren Impfdosen gesichert und zum Teil Vorräte für die dritte und vierte Impfung geplant. So habe die Europäische Kommission im Mai 1,8 Milliarden Dosen allein von Biontech/Pfizer gesichert: damit könnten alle EU-Bürgerinnen und Bürger viermal geimpft werden. Zum Vergleich wurden nach Angaben der Afrikanischen Union (AU) in alle 50 afrikanischen Staaten insgesamt nur 53,5 Millionen Dosen geliefert bei einer Gesamtbevölkerung von 1,37 Milliarden Menschen. Laut Africa Center for Desease Control (CDC) seien zurzeit 0,2% der afrikanischen Bevölkerung gegen COVID19 geimpft und ein Großteil aller Gesundheitsmitarbeitenden seien bisher überhaupt nicht erreicht worden.

Daher rufe der Micha-Arbeitskreis die Bundesregierung auf:
Eine gerechtere Aufteilung der schon erworbenen Impfdosen vorzunehmen und dabei insbesondere Länder, die jetzt wieder ansteigende Infektionszahlen haben, direkt zu bedienen.

Der Vorstoß von Indien und Südafrika, durch die Aussetzung von Patenten und der Freigabe geistiger Eigentumsrechte (TRIPS Waiver) für die Zeit der Pandemie, den Transfer von Technologien und Know-how zu ermöglichen, ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau von Produktionskapazitäten auch im globalen Süden.

Die Unterstützung des ACT-Accelerator- und insbesondere die Impfstoff-Initiative COVAX der WHO zur gerechteren Verteilung der Vakzine nicht nur zu unterstützen sondern zur alleinigen Grundlage der Impfstoff Beschaffung zu machen.

Micha-Deutschland e.V.
Der Micha-Arbeitskreis von Micha Deutschland e.V. ist ein Netzwerk von leitenden Vertreterinnen und Vertretern christlicher Werke in der Entwicklungs-zusammenarbeit und christlichen Gemeinschaftsverbänden und Kirchen, die sich für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen einsetzen. Auf den Spuren des biblischen Propheten Michas, der der Namensgeber der Micha-Bewegung ist, ist der Micha-Arbeitskreis eine Stimme der globalen Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung in Deutschland. Sowohl die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten als auch die adventistische Hilfsorganisation ADRA Deutschland e.V. sind Mitglied im Micha-Arbeitskreis.

Die ursprüngliche Meldung erschien bei Micha-Initiative.




Kirchliche Werke fordern gerechte Verteilung der Impfstoffe

So denken die Leitenden von zehn Missionswerken im Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW) besonders an ihre Partnerorganisationen im globalen Süden: „Die Ungerechtigkeit der Verteilung von Impfstoffen auf Kosten der Armen dürfen wir nicht hinnehmen.“ Sie fordern anlässlich der Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation (WTO) die deutsche Regierung und die Europäische Union auf, auch auf einer gerechten Verteilung von Vakzinen zu bestehen.

Auf Benachteiligungen beim Einkauf von Impfstoffen hingewiesen
Im Gebiet des Pazifiks, in Asien, Afrika und Lateinamerika könne die medizinische Versorgung den Auswirkungen des Virus keinen Einhalt gebieten. Die Patente, die von den Industrienationen angemeldet wurden, bedeuteten für die Länder dieser Regionen eine große Benachteiligung beim Einkauf auf dem Weltmarkt. Es sei zu befürchten, so die Leitenden nach gemeinsamen Beratungen, dass unter den gegebenen Bedingungen es bis zu zwei Jahre dauern könnte, bis in allen Ländern im globalen Süden genügend Impfungen durchgeführt werden können, um die Pandemie zu stoppen. „Tausende Menschen werden an der Erkrankung, aber auch an den Folgen weltweiter Lockdown-Regelungen sterben, da dadurch die Armut und der Hunger vervielfacht werden“, betont der EMW-Direktor Rainer Kiefer.

Globale Solidarität gefordert
Auch der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Hildesheim), fordert im Umgang mit der COVID-19-Pandemie globale Solidarität und einen weltweiten Zugang zu Impfstoffen gegen COVID-19. „Während in der Bundesrepublik derzeit viel über Impfstrategien und Versäumnisse diskutiert wird, droht die weltweite Situation aus dem Blick zu geraten.“ Eine faire internationale Verteilung sei aber moralisch dringend geboten. Der fehlende Zugang zu Impfstoffen sei ein Gerechtigkeitsproblem. Es werde vielfach verstärkt, etwa durch den Aufkauf von Impfstoffen durch einige Länder weit über den eigenen Bedarf oder dadurch, dass Länder des Südens aufgrund von Exportkontrollen teils erheblich höhere Preise zu zahlen hätten.

Ohne einen verbesserten weltweiten Zugang zu Impfstoff steige die Gefahr von Mutationen, die letztlich alle Menschen weltweit bedrohten. Ein ungleicher Zugang zu Impfstoffen werde bestehende Ungerechtigkeiten weiter verschärfen. Impfungen ermöglichten die Öffnung von Geschäften und Betrieben, Reisen und Studien- und Forschungsaufenthalte. Bliebe eine faire Verteilung von Impfstoffen aus, drohe der Globale Süden daher ökonomisch noch weiter abgehängt zu werden, als ohnehin schon.

„Unsere Solidarität ist daher gefordert“, so Bischof Wilmer. Zudem sei es wichtig, dass jetzt in der Krise Hilfsgelder nicht gekürzt würden. Im Gegenteil, gerade jetzt seien Investitionen in die Gesundheitssysteme der Länder des Globalen Südens geboten, um diese vor dem Zusammenbruch zu bewahren und nachhaltig zu stärken.

Sich gegenseitig etwas gönnen
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat in einer Videobotschaft dazu aufgerufen, sich gegenseitig etwas zu gönnen. Es ginge darum, ob gegen Corona Geimpfte und davon Genesene wieder Restaurants und Theater besuchen oder Reisen unternehmen dürften, während andere noch warten müssten. Die Sorge sei, dass dies den sozialen Zusammenhalt schädige, weil es den Menschen mit späterer Impfpriorität dann vielleicht noch schwerer falle zu warten. Es leuchte ihm nicht ein, so der bayerische Landesbischof, wenn von Geimpften und Genesenen wirklich keine Gefahr mehr ausgehe, warum sie dann nicht wieder die Freiheiten ausüben dürften, die ja nur aus Gesundheitsschutzgründen eingeschränkt worden seien. Für ihn sei die Frage dahinter: „Können wir denen, die kein Risiko mehr bedeuten, das nicht gönnen, dass sie sich wieder freier bewegen können?“




Freiwilliger Verzicht auf Präsenzgottesdienste zu Weihnachten als Signal der Solidarität

Präsenz-Gottesdienste unter bestimmten Bedingungen erlaubt
Laut Christoph Stiba, Präsident der VEF, fragten sich angesichts der dramatischen Corona-Lage und des bundesweiten Lockdowns viele Gemeinden, in welcher Form sie ihre Weihnachtsgottesdienste feiern könnten. Dabei stellte Stiba fest, dass laut einem Bund-Länder-Beschluss vom 13. Dezember Präsenz-Gottesdienste unter bestimmten Bedingungen stattfinden dürften. Jedoch sei der Gemeindegesang sowohl in Innenräumen als auch im Außenbereich untersagt. Es dürfe aber ein kleines Team unter Wahrung des notwendigen Abstandes Lieder vortragen. Die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske mit Mund-Nasen-Bedeckung tragen) wären zu beachten. In geschlossenen Räumen sei zudem die regelmäßige Lüftung notwendig. Für alle Gottesdienste müsse eine Anmeldung der Besucherinnen und Besucher erfolgen. Länder- und Kommunalverordnungen könnten hiervon abweichende Regeln enthalten, die unbedingt befolgt werden müssten.

Religionsfreiheit als Freiheit zum Verzicht
Gottesdienste allgemein und besonders die Weihnachtsgottesdienste gehörten zum Kern gemeindlichen Lebens und würden Menschen gerade in Zeiten einer Krise Hoffnung und Halt geben, betonte der VEF-Präsident. Der Bund-Länder-Beschluss trage dem Rechnung, Gottesdienste würden nicht verboten. Dennoch gehe es jetzt gerade um die große Herausforderung, die Pandemie einzudämmen, die Anzahl der Infizierten und der Toten zu reduzieren sowie das Gesundheitssystem zu entlasten. Kontakte müssen dazu minimiert werden. Wie alle anderen würden Christen und christliche Kirchen hier eine Verantwortung tragen. In diesem Dilemma könnte ein freiwilliger Verzicht von Gemeinden, Präsenz-Gottesdienste durchzuführen, ein verantwortliches Signal der Solidarität sein. „Wir dürfen, aber wir nehmen Rücksicht. Nicht aus Zwang, sondern aus freien Stücken. Die Religionsfreiheit wird gewahrt und wir leben sie als Freiheit zum Verzicht“, so Stiba.

Die Entscheidung über Präsenz-Gottesdienste sei jedoch den einzelnen Gemeinden überlassen. Aber die Anzahl der Gemeinden nehme zu, die in diesem Sinne über die Feiertage und die Zeit des Lockdowns ausschließlich Online-Gottesdienste anbieten würden. Hierbei wäre es wichtig, Christen ohne Internetzugang nicht zu vergessen. Sie gelte es, im Blick zu halten, mahnte der VEF-Präsident. „In jedem Fall sind wir alle aufgerufen, in unseren Gemeinden vor Ort verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen.“

Über die VEF
Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, an. Weitere Informationen: www.vef.de

Das Virus nimmt keine Rücksicht auf Religionszugehörigkeit
Auch der Präsident der Berlin-Mitteldeutschen Vereinigung, Pastor Gunnar Scholz, hat den örtlichen Adventgemeinden „dringendst“ empfohlen, auf Präsenz-Gottesdienste zu Weihnachten zu verzichten. In einem Rundschreiben an die Gemeinden in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen betonte er, dass Religionsfreiheit ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft und unseres Landes wäre. Deshalb seien Gottesdienste grundsätzlich trotz Beschränkungen möglich. Jedoch wäre die Situation von heute eine andere als noch vor wenigen Monaten. Das Virus existiere und es nehme keine Rücksicht auf Religionszugehörigkeit. Die Krankenhäuser füllten sich.

„Wenn wir an Weihnachten denken, dann kommt keine rechte Freude auf, angesichts der Situation in unserem Land“, gibt Gunnar Scholz zu bedenken. „Es treibt uns die Frage um, was dient jetzt den Menschen um uns herum? Was dient dem Leben? Wie sichern wir Schutzbedürftige? Wie ermutigen wir Menschen, die jetzt unter Krankheit, Existenzsorgen oder Überlastung leiden? Wie können wir Weihnachten feiern?“ Scholz ruft die Gemeinden auf: „Entdecken wir dabei gemeinsam andere Möglichkeiten, Verbindung zu halten, Einsamkeit zu überwinden und hoffnungsvoll zu leben.“

Ungefährliche Christvesper
Wer eine Christvesper und eine Weihnachtsgeschichte benötige, der finde sie sogar digital. Das sei zwar nicht optimal, aber dafür in diesem Jahr ungefährlich. Weitere Informationen zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Berlin-Mitteldeutschland unter www.bmv.adventisten.de.




Arbeitshilfe zur Situation der Christen in der Sahel-Region vorgestellt

Frieden zwischen Christen und Muslimen im Tschad von zentraler Bedeutung
Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte: „Während meines Besuchs im Tschad im Juni dieses Jahres wurde mir die Vielschichtigkeit der Herausforderungen in der Sahel-Region aufgezeigt. Christen und Muslime haben dort traditionell harmonisch zusammengelebt. Dieses gute Miteinander ist durch die Entwicklung der vergangenen Jahre in Gefahr geraten. Die islamistische Terrororganisation Boko Haram destabilisiert die Region immer wieder durch massive Terroranschläge. Die brutale Gewalt richtet sich auch und bevorzugt gegen Kirchen und Vertreter von Religionsgemeinschaften. Dazu kommt eine starke und wachsende Einflussnahme Saudi-Arabiens. In erheblichem Maße hat die Förderung des radikal-wahhabitischen Islam in der Region zu Spannungen zwischen Christen und Muslimen geführt.“ In der Folge würden auch soziale Konflikte, wie die Auseinandersetzung zwischen nomadischen Viehzüchtern und sesshaften Bauern, in gefährlicher Weise religiös aufgeladen. Der Frieden zwischen Christen und Muslimen stelle somit eine zentrale Voraussetzung für die zukunftsorientierte Entwicklung der Region dar.

Ortskirchen in der Sahel-Region als Vermittler und Friedenstifter
Im Pressegespräch in Berlin hob Erzbischof Schick weitere Schwierigkeiten hervor, denen die Christen im Tschad gegenüberstünden: „Im Land leben circa 120 ethnische Gruppen. Der trockene Norden wird mehrheitlich von nomadischen, muslimisch-arabisch geprägten Gruppen dominiert, während im fruchtbaren Süden sesshafte, afrikanisch-christliche Bauern leben. Insgesamt seien 58 Prozent der Gesamtbevölkerung Muslime und 35 Prozent Christen, darunter 18,5 Prozent Katholiken. Insbesondere seit Einführung der IV. Republik am 4. Mai 2018, durch die faktisch die uneingeschränkte Macht des Präsidenten festgeschrieben wurde, hat sich das Verhältnis unter den Religionsgemeinschaften verschlechtert. Grund dafür sind zunehmende Verstöße gegen das laizistische Prinzip zugunsten des Islam.“ Erzbischof Schick unterstrich zugleich, dass die Ortskirchen in der gesamten Sahel-Region gerade im Angesicht der sozialen und politischen Herausforderungen als Vermittler zwischen den Religionen, Friedenstifter und Motoren einer ganzheitlichen Entwicklung den Menschen dienten.

Moscheen vermehren sich im Süden des Tschad „wie Champignons“
Auch der aus dem Tschad zur Vorstellung der Arbeitshilfe angereiste Erzbischof von N’Djamena, Edmond Djitangar, verwies in seinem Beitrag auf die voranschreitende Islamisierung und Arabisierung des Tschad: „Man kann es mit zwei Metaphern zusammenfassen: Im Norden werden zaghaft Kapellen gebaut und im Süden vermehren sich Moscheen wie Champignons, dank der massiven finanziellen Unterstützung der Länder am Persischen Golf.“ Im Angesicht dieser Herausforderung forderte Erzbischof Djitangar: „Die (katholische) Kirche im Tschad muss ihre Identität als Kirchenfamilie Gottes verwirklichen, solidarisch sein mit anderen Konfessionen und sich stets um die ganzheitliche Entwicklung der menschlichen Person bemühen.“ Dabei komme gerade in ländlichen Regionen den kirchlichen Strukturen eine besondere Rolle zu: „Es ist dringend notwendig, eine neue Form der Solidarität unter Muslimen und Christen in den Gemeinden und Pfarreien zu schaffen. Denn die Pfarrei bleibt das Dorf aller und das Leben der Gemeinschaft ist von ihren Aktivitäten und Projekten abhängig“, so Erzbischof Djitangar.

Eine würdevolle Heimat für Christen aller Konfessionen
Der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks missio in Aachen, Pfarrer Dirk Bingener, würdigte die interreligiösen Friedensaktivitäten der Kirche im Tschad am Beispiel des Kulturzentrums „Al-Mouna“ in N’Djamena. Was im Zentrum „Al-Mouna“ umgesetzt werde, entspreche der tiefen Überzeugung von missio: „Nur gemeinsam können Angehörige aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften für eine Verteidigung der menschlichen Würde und für grundlegende Freiheitsrechte der Menschen eintreten. Die Bedeutung von Dialog und Verständigung für die Ausweitung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit greift auch die aktuelle Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz auf.“ Pfarrer Bingener bekräftigte: Christen aller Konfessionen sollten in den verschiedenen Ländern eine geeignete und würdevolle Heimat finden, eine Heimat, in der sie ihren Glauben in Freiheit leben könnten – ohne Angst vor Unterdrückung oder gar Verfolgung.

Arbeitshilfe und Initiative
Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit – Sahel-Region“ gibt einen Überblick über die Situation der Christen in der Sahel-Region, insbesondere im Tschad. Sie erläutert aktuelle Konfliktlinien in den Gesellschaften, analysiert die Hintergründe und lässt Mitglieder der Kirchen vor Ort zu Wort kommen. Die Arbeitshilfe kann unter https://www.dbk-shop.de/de/solidaritaet-verfolgten-bedraengten-christen-unserer-zeit-sahel-region bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Die „Initiative Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ wurde von den römisch-katholischen deutschen Bischöfen 2003 ins Leben gerufen, um für die Lage bedrohter Christen zu sensibilisieren. Zusätzlich pflegen die Bischöfe mit Solidaritätsreisen den Kontakt zu den unter Druck stehenden Ortskirchen. In Deutschland sucht die Bischofskonferenz auch immer wieder das Gespräch mit Politikern und gesellschaftlichen Akteuren, um auf bedrohliche Entwicklungen hinzuweisen. Jährlicher Höhepunkt der Initiative ist der „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ am 26. Dezember (Stephanustag), der in allen deutschen katholischen Diözesen begangen wird. Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Zusammenschluss der römisch-katholischen Bischöfe aller (Erz-)Bistümer in Deutschland.