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Studie: Falsche vegetarische Ernährung erhöht die Sterblichkeit stärker als moderater Fleischkonsum in einer gesunden Ernährung

Ein hoher Verzehr ultraverarbeiteter Lebensmittel wird mit der Entstehung von Atemwegs-, Nierenerkrankungen und neurologischen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht – insbesondere Alzheimer und Parkinson. Viel rotes Fleisch dagegen kann das Risiko für Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten erhöhen. Die Sterblichkeitsrisiken dieser Ernährungsweisen wurden in der Studie mit denen einer gesunden Ernährung ins Verhältnis gesetzt und bewertet.

Eine der größten Studien auf diesem Forschungsgebiet

Im Vergleich zu den bisherigen Studien, in der die gesundheitlichen Auswirkungen ultraverarbeiteter und tierischer Lebensmittel untersucht wurden, war diese Studie mit über 77 000 Teilnehmern eine der umfangreichsten. Außerdem wurde eine Vielzahl von Ernährungsformen berücksichtigt, darunter vegetarische und nicht-vegetarische Darüber hinaus machten die Probanden Angaben zu Gewicht, Krankengeschichte, Alkoholkonsum, Schlaf, Bewegung, Lebensstil etc. Siebeneinhalb Jahre später waren 9293 Personen verstorben. Um eine noch größere Erkenntnis zu erlangen, entwickelten die Wissenschaftler ein statistisches Modell, das ihnen half, jede Variable unabhängig von anderen zu betrachten, darunter spezifisch die Aufnahme von ultraverarbeiteten Lebensmitteln. Die Ergebnisse der Studie, die ein Teil der Adventist Health Study-2 ist, wurden aktuell im Fachmagazin American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.[i]

Ergebnisse der Studie

Als Ergebnis wurde festgehalten, dass Menschen, die 50 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln bezogen, eine um 14 Prozent erhöhte Sterblichkeit aufwiesen, verglichen mit Menschen, die nur 12,5 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln bezogen. Zum Vergleich: Wer täglich etwa 40 Gramm rotes Fleisch verzehrt, erhöhe sein Sterberisiko „nur“ um 8 Prozent – sofern er ultra-verarbeitete Lebensmittel weitgehend meidet.

„Ungesunde Vegetarier – gesunde Nicht-Vegetarier“

„Unsere Studie zeigt, dass es möglich ist, ein ungesunder Vegetarier oder ein gesunder Nicht-Vegetarier zu sein“, so Gary Fraser, MBChB, PhD, einer der Studienautoren und Professor an der Loma Linda University School of Medicine and School of Public Health. Sein Fazit: „Es scheint, dass der Anteil an ultra-verarbeiteten vegetarischen Lebensmitteln in der Ernährung in Bezug auf das Sterberisiko tatsächlich wichtiger ist als der Anteil an tierischen Lebensmitteln.“

„Wenn Sie daran interessiert sind, länger zu leben, sollten Sie eine Ernährung mit stark verarbeiteten Zutaten vermeiden“, so Fraser abschließend. „Machen Sie zudem rotes Fleisch zur Ausnahme. So einfach ist das.“[ii]

Loma Linda University Health

Die 1905 gegründete Loma Linda University Health, eine Institution der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, umfasst die acht Fakultäten der Loma Linda Universität (mit mehr als 4.400 Studierenden aus über 80 Ländern), die sechs Krankenhäuser des LLU Medical Center sowie mehr als 1.000 Fakultätsärzte in Südkalifornien. Loma Linda University Health bietet nach eigenen Angaben über 100 akademische Programme an und versorgt jährlich über 40.000 Patienten stationär und 1,5 Millionen ambulant.

[i] Orlich MJ, Sabate J, Fraser GE, et al. (2022) Ultra-processed food intake and animal-based food intake and mortality in the Adventist Health Study-2. The American Journal of Clinical Nutrition

[ii] Diese Meldung bezieht sich auf eine Pressemitteilung von Loma Linda University Health, siehe https://news.llu.edu/research/study-associates-higher-mortality-with-eating-lots-of-ultra-processed-foods-red-meat




Auswirkungen vegetarischer Ernährung auf den Klimawandel

Bei der vorgelegten Auswertung in der internationalen Fachzeitschrift „Advances in Nutrition“ (Fortschritte in der Ernährung) sieht Dr. Sabaté in der Nahrungsmittelproduktion die Hauptursache für erhöhte Treibhausgasemissionen. Sie verbrauche 70% des Frischwassers und sei für 80% der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Neben einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Technologie und der Verringerung der Lebensmittelabfälle als mögliche Lösungen für diese Umweltprobleme schlägt er eine Umstellung auf eine ovo-vegetarische und vegane Ernährung vor.

Bei der Auswertung der 49 Studien stellte Sabaté weiter fest, dass eine Umstellung von den derzeitigen Ernährungsnormen auf ovo-vegetarische und vegane Ernährung die Treibhausgaswerte um durchschnittlich 35%, die Landnutzung für die Nahrungsmittelproduktion um durchschnittlich 42% und den landwirtschaftlichen Wasserverbrauch um durchschnittlich 28% reduzieren würde. „Viele andere Studien haben die gesundheitlichen Vorteile der vegetarischen und veganen Ernährung klar nachgewiesen. Diese Analyse bestätigt, dass die Umstellung auf diese Ernährungsformen auch deutlich umweltfreundlich ist“, so Sabaté.

Nach seinen Worten stecke der Bereich der nachhaltigen Ernährung und ihrer Umweltauswirkungen noch in den Kinderschuhen. Sabaté selber hat an einer Reihe von Forschungsstudien teilgenommen, die einen klaren Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimafaktoren zeigen. Im Jahr 2017 gehörte er zu einer Gruppe, die eine Studie über die Klimavorteile von Bohnen als Fleischersatz in der Ernährung veröffentlichte. Sabaté und andere Forscher, die im Umwelternährungsprogramm der Loma Linda University Health arbeiten, haben über 30 Forschungsarbeiten veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen der Wahl der Lebensmittel, der ökologischen Nachhaltigkeit und der Gesundheit der Bevölkerung untersuchten.

Sabaté fordert zusätzliche Forschungen darüber, wie sich Veränderungen in der Landwirtschaft auf die Umwelt in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auswirken. Er weist auch auf den Forschungsbedarf hin, bei dem großflächige landwirtschaftliche Betriebe mit den Praktiken kleinbäuerlicher Familienbetriebe verglichen werden müssen. „In Gesellschaften, in denen der tägliche Fleischkonsum die soziale Norm ist, stellt die drastische Reduzierung des Fleischkonsums eine große Herausforderung dar“, sagte Sabaté. „In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen könnte sich der Verzicht auf Fleisch auch nachteilig auf den ohnehin schon marginalen Ernährungszustand dieser Bevölkerungsgruppen auswirken.“

Dass ein Umdenken aufgrund von Klimabedenken stattfindet und die Bereitschaft zur Ernährungsumstellung zunehmend Gehör findet, zeigte Anfang dieses Jahres die Entscheidung, bei der Preisverleihung der Oscars (Golden Globe Awards) Hunderten von Prominenten und Gästen vegane Mahlzeiten zu servieren. Auch bei den „Berliner Filmfestspielen wurden bei der Verleihung der Bären schon die letzten Jahre vegane Speisen serviert“, berichtet das vegane Wirtschaftsmagazin „vegconomist“. Damit würde das öffentliche Bewusstsein und die Gespräche über den Zusammenhang zwischen nachhaltiger Landwirtschaft und Klimawandel verstärkt.

Sabaté leitet das Forschungsprogramm für Umwelternährung an der Loma-Linda-Universität, School of Public Health, in Loma Linda, Kalifornien/USA. Dieses Programm erforscht die Zusammenhänge zwischen den Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen bei der Wahl von Lebensmitteln und versucht, die Nachhaltigkeit, Gesundheit und Gerechtigkeit der Ernährungssysteme zu verbessern. Sabaté war auch einer der Hauptverantwortlichen in einer Studie, die den Verzehr von Walnüssen direkt mit einer signifikanten Senkung des Serum-Cholesterins in Verbindung brachte. Dies wirke sich besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv aus. Die Loma Linda Universität ist eine Einrichtung der weltweiten evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.

Die Ende letzten Jahres veröffentlichte Meta-Analyse hier im Original: Vegetarian Diets: Planetary Health and Its Alignment with Human Health