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Neuer Weltverfolgungsindex: Christen in Afghanistan härter verfolgt als in Nordkorea

Afghanistan vor Nordkorea auf Rang 1

Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan habe Islamisten in aller Welt Auftrieb für ihre Umsturzpläne verliehen. Christen in Afghanistan seien ehemalige Muslime und würden deshalb von den Taliban gezielt gesucht und zumeist ermordet. Viele seien deshalb geflohen oder versuchen das Land zu verlassen. Das Land führt zum ersten Mal den Weltverfolgungsindex an und löst damit Nordkorea ab, das diese Position seit 20 Jahren innehatte. Dort sei die Lage der Christen unter Kim Jong Un weiterhin katastrophal: Zehntausende leisteten in den Straflagern Zwangsarbeit, oft bis zum Tod. Die Verhaftungen hätten sogar zugenommen. Die Ränge 3 bis 10 auf dem Weltverfolgungsindex belegen Somalia, Libyen, Jemen, Eritrea, Nigeria, Pakistan, Iran und Indien.

Chinas Modell der Religionskontrolle macht Schule

Die kommunistische Regierung Chinas (Rang 17) habe mit der zentralisierten Kontrolle aller Religionen ein Negativ-Modell etabliert, so Open Doors. Xi Jinping festige sein System von „Ein Land, ein Volk, eine Religion“. Abweichler würden verhaftet, darunter auch weit über 1.000 Christen, oftmals Pastoren. Der Zugang zur Bibel und zu Bibel-Apps sei weitgehend blockiert. Kirchliche Aktivitäten würden streng überwacht, auch Online-Treffen, sofern sie überhaupt möglich seien. Kommunistische Staaten wie Vietnam (Rang 19) und Kuba (Rang 37) hätten das chinesische Modell übernommen.

Bitte um mehr Unterstützung und Gebet

Nigeria (Rang 7) und Indien (Rang 10) wertet Open Doors als „besonders besorgniserregende“ Länder, da Christen dort extremer Verfolgung ausgesetzt seien. Allein in Nigeria sei dokumentiert worden, dass 4.650 Christen wegen ihres Glaubens ermordet worden seien. Darüber hinaus hätten die Angriffe auf Christen in Subsahara-Afrika durch extremistische religiöse und politische Gruppen stark zugenommen, Millionen seien auf der Flucht. Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, sagt: „Die enorme Zahl von geschätzt mindestens 360 Millionen Christen, die unter hoher bis extremer Verfolgung und Diskriminierung leiden, wurde von der Politik bislang kaum thematisiert. Deshalb bitten wir zuerst alle Christen, sich noch stärker für ihre verfolgten Glaubensgeschwister einzusetzen und für sie zu beten.“

Jährlicher Weltverfolgungsindex zeigt Dynamik von Christenverfolgung

Seit 1955 setzt sich das christliche Hilfswerk Open Doors mit umfangreichen Hilfsprojekten für verfolgte Christen aller Konfessionen ein, heute in über 60 Ländern. Nach eigenen Angaben sei der Weltverfolgungsindex die weltweit einzige Erhebung, für die verfolgte Christen anhand einer differenzierten und von Experten kontinuierlich weiterentwickelten Methodik jährlich direkt befragt würden. Damit solle ihre Situation möglichst genau erklärt und die Dynamik der Verfolgung verdeutlicht werden. Dazu sammelt die Forschungsabteilung von Open Doors Daten aus fünf Lebensbereichen: Privatleben, Familienleben, gesellschaftliches Leben, Leben im Staat und kirchliches Leben. Hinzu kommt die Kategorie „Gewaltsame Übergriffe“. Das Ausmaß der Übergriffe wird für alle Bereiche in ein Punktesystem übertragen, um die unterschiedlichen Triebkräfte der Verfolgung in diesen Bereichen vergleichen zu können. Verfolgung wird definiert Verfolgung definiert Open Doors als „jegliche Art von erlebter Anfeindung aufgrund der Identifikation einer Person mit Christus. Dies kann feindselige Haltungen, Worte und Handlungen gegenüber Christen umfassen.“

Weitere Informationen unter:
https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex




Anzahl geschlossener, attackierter und zerstörter Kirchen steigt

In den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex lebten ca. fünf Milliarden Menschen, darunter nach Angaben der „World Christian Database“ und Schätzungen von „Open Doors“ etwa 640 Millionen Christen. Rund 260 Millionen von ihnen seien starker bis extremer Verfolgung ausgesetzt. Kirchliches Leben wäre dort, wenn überhaupt, nur mit erheblichen Einschränkungen möglich. Besonders christliche Leiter würden ins Visier genommen und bedroht, verhaftet oder ermordet. Weite Teile der Bevölkerung begegneten Christen mit einer wachsenden Feindseligkeit. Im Bildungsbereich und der Arbeitswelt sowie im Umgang mit den Behörden erlebten sie massive Schikanen. Im Berichtszeitraum vom 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019 seien fast 9.500 Kirchen und kirchliche Einrichtungen attackiert, zerstört oder geschlossen worden; im Vorjahr wären es 1.850 gewesen.

Nordkorea erneut Nummer 1 im Weltverfolgungsindex
An erster Stelle im Index liegt erneut Nordkorea, gefolgt von Afghanistan, Somalia, Libyen und Pakistan. Nordkoreas Herrscherdynastie lasse sich nach wie vor wie Gott verehren. Die Zeitrechnung in Nordkorea basiere nicht auf der Geburt von Jesus Christus, sondern auf der von Staatsgründer Kim Il Sung. Der heutige Machthaber Kim Jong Un halte mehrere zehntausend Christen in Arbeits- und Straflagern interniert.

In Afghanistan und Somalia (Ränge zwei und drei) gebe es so gut wie keine Kirchen. Die einheimischen Christen wären in der Regel Konvertiten muslimischer Herkunft. Sie könnten ihren neuen Glauben nur im Geheimen leben, weil der Abfall vom Islam als todeswürdiges Vergehen gelte. Auch in Somalia könnten Christen ihren Glauben nur heimlich praktizieren. Al Shabaab Anführer sowie Imame erklärten öffentlich, dass es in Somalia keinen Platz für Christen und Kirchen gebe. Die Konflikte in Libyen erschwerten zusätzlich das Leben der wenigen Christen. Christliche Flüchtlinge, die über Libyen nach Europa fliehen wollen, würden schikaniert, gefoltert und auch ermordet. Das Ausmaß der Gewalt in Pakistan gegen Christen bleibe extrem hoch. Übergriffe gegen christliche Mädchen und Frauen wären an der Tagesordnung, die herrschenden Blasphemiegesetze zwängen die Christen zusätzlich zu größter Vorsicht. Wer eine Änderung dieser Gesetze auch nur erwäge, riskiere ermordet zu werden.

Destabilisierung in Afrika durch islamistische Gruppen
In afrikanischen Ländern südlich der Sahara führten islamische Extremisten regelrecht Krieg gegen christliche Gemeinden. Die blutigen Überfälle auf Gottesdienste in Burkina Faso (Rang 28), wo mindestens 50 Christen ermordet worden seien, bringe das für religiöse Toleranz bekannte Land erstmals auf den Weltverfolgungsindex. Der vorsitzende römisch-katholische Bischof für Burkina Faso und Niger, Laurent Birfuoré Dabiré, warnte: „Wenn die Welt weiterhin nichts tut, wird es hier bald keine Christen mehr geben.“ Im Norden wären Dorfbewohner mit Kreuzen ausgesondert und ermordet worden. Kirchen, Schulen und christliche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) seien angegriffen oder aus Angst geschlossen worden. Ähnlich wäre die Lage in weiteren Staaten der Region, darunter Mali (Rang 29).

Auch Christen in Asien leiden
Auch Christen in Asien litten unter dem militanten Islamismus. Die Lage in Bangladesch (von Rang 48 im Vorjahr auf 38) und Sri Lanka (von 46 auf 30) habe sich deshalb verschlechtert. Auf Sri Lanka hätten bei Anschlägen auf Ostergottesdienste und Hotels im April 2019 etwa 250 Menschen ihr Leben verloren, die meisten davon Christen. Wegen der Unsicherheit im Irak und der Bedrohung durch schiitische Milizen zögerten Christen, in ihr Land zurückzukehren. Ihre Zahl habe innerhalb nur einer Generation um 87 Prozent abgenommen. Ähnlich sei die Situation in Syrien.

Indien und China wären die bevölkerungsreichsten Länder und gleichzeitig die aktivsten im Bereich digitaler Überwachung. Indien zählte erstmals 2019 zu den zehn für Christen gefährlichsten Ländern der Welt. Die hindu-nationalistische Regierung unter Premierminister Modi sei nach der Wahl im Mai 2019 weiter an der Macht und lasse extremistische Hindus weitgehend straffrei gegen Christen agieren. „Open Doors“ habe mehr als 440 gewaltsame und hassmotivierte Übergriffe gegen Christen registriert.

Der ausführliche Bericht mit detaillierten Länderprofilen, Analysen zu weltweiten Entwicklungen und der Methodik sowie Lebensberichte verfolgter Christen sind zu finden unter www.opendoors.de bzw. www.opendoors.ch.