Stuttgart, 12.09.2012/APD   Aus Anlass der Gründung der Württembergischen Bibelanstalt gibt es ab 13. September die Sonderbriefmarke „200 Jahre Deutsche Bibelgesellschaft“. Ministerialdirektor Dr. Bruno Kahl vom Bundesfinanzministerium stellte im Stuttgarter Rathaus das neue Postwertzeichen vor. Die Briefmarke zeigt einen Ausschnitt aus dem Lukasevangelium in der Fassung eines der ersten Neuen Testamente, welche die Württembergische Bibelanstalt in der Lutherübersetzung herausgab. Der Wert der Marke, die in einer Auflage von vier Millionen Exemplaren erscheint, beträgt 85 Cent, passend für eine Büchersendung bis 500 Gramm.

Dr. Kahl erinnerte daran, dass es bereits 1962 zum 150. Geburtstag der Württembergischen Bibelanstalt eine Sondermarke der damaligen Deutschen Bundespost im Wert von 20 Pfennig gab. Die Bibel bezeichnete er als ein Buch, das „anders ist als alle anderen“. Obwohl der Text der Heiligen Schrift schon sehr alt sei, „ist er immer noch aktuell“. Er leuchte die Gründe und Abgründe des menschlichen Daseins aus und spende Trost und Hoffnung.

Die Bibelgesellschaft stehe in der Tradition Martin Luthers, betonte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Dr. Frank Otfried July, bei der Präsentation der Sonderbriefmarke. Wie der Reformator ermögliche auch die Bibelgesellschaft den Menschen, die Heilige Schrift zu hören und zu verstehen. „Vielen ist die Bibel nicht mehr bekannt“, bedauerte der Landesbischof. Doch Oratorien, große Teile der Literatur und der Bildenden Kunst seien nur bei Kenntnis der Heiligen Schrift zu verstehen. July erinnerte angesichts der aktuellen Diskussionen an die Verse auf der Briefmarke aus der Geburtsgeschichte Jesu, in der von seiner Beschneidung berichtet wird. Auch das zeige, wie biblische Geschichten in das Leben hineinspielten.

„Das 2. Kapitel des Lukasevangeliums, die Geburtsgeschichte Jesu, wurde gewählt, weil es sich um einen besonders bekannten Text handelt“, sagte Pfarrer Klaus Sturm, Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft. Auf der Briefmarke ist auch der 21. Vers zu finden: „Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten wurde; da ward sein Name genannt Jesus.“ Dass auch dieser Text auf dem Postwertzeichen steht, sei allerdings schon lange vor der Debatte um die Beschneidung festgelegt worden.

Dass immer wieder neu Menschen durch die Arbeit der Bibelgesellschaft an das Wort Gottes herangeführt werden, wünschte Prälat Dr. Bernhard Felmberg (Berlin), Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Stuttgarter Verwaltungs-Bürgermeister Werner Wölfle betonte, auch wenn die Bibelgesellschaft betriebswirtschaftlich bestehen müsse, handele es sich um ein Unternehmen der besonderen Art. Die Bibel sei die Verfassung des christlichen Glaubens und eine Fundamentalethik.

Im Anschluss an die Präsentation im Rathaus enthüllten am Marktplatz 5 in Stuttgart Landesbischof July, Bürgermeister Wölfle und Christiane Haufler die Gedenktafel zur Entstehung der Bibelgesellschaft. Vor 200 Jahren stand am gleichen Ort das Haus des Kaufmanns Tobias Heinrich Lotter. Dort gründeten Pfarrer, Kaufleute und Beamte am 11. September 1812 die Württembergische Bibelanstalt. Heute ist am Marktplatz 5 das Geschäft „Haufler am Markt“ ansässig.

Die Initiative zur Gründung der Bibelanstalt ging von der „Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft aus. Zweck war „die Verbreitung der Bibel unter den ärmeren Volksklassen im evangelischen Württemberg“. Da der württembergische König Friedrich der neuen Organisation Portofreiheit gewährte, führte sie lange den Namen „Privilegierte Württembergische Bibelanstalt“. 1981 trat die Deutsche Bibelgesellschaft an die Stelle der Bibelanstalt. Außerdem entstand die Württembergische Bibelgesellschaft für die bibelmissionarische Arbeit in der Region.
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